Valeria-Koch-Preis an vier verdiente Jugendliche

Quelle: Neue Zeitung

Auf der Neujahrsgala am Tag der ungarndeutschen Selbstverwaltungen wird an verdiente Jugendliche der „Valeria-Koch-Preis“ verliehen. Diese Auszeichnung erhalten einerseits Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen, die eine hervorragende schulische Leistung an den Tag gelegt haben, und sich für die Pflege des ungarndeutschen Kulturerbes besonders eifrig einsetzen. Andererseits bekommt den Preis jedes Jahr eine Hochschulabsolventin bzw. ein Hochschulabsolvent für herausragend niveauvolle Diplomarbeit über ein ungarndeutsches Thema. Den Preis, der nach der jung verstorbenen ungarndeutschen Dichterin Valeria Koch benannt wurde, überreichte am 11. Jänner im Fünfkirchner Kodály-Zentrum die Vorsitzende des Bildungsausschusses der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Ibolya Hock-Englender an.

Dorottya Bach stammt aus einem winzigen ungarndeutschen Dorf, aus Tolnau/Vértestolna, wo sie ganz wichtige Werte für ihr Leben bekommen hat. Ihre waschechte ungarndeutsche Familie legt besonderen Akzent auf Traditionspflege. In die verschiedenen Aktivitäten ist Dorottya ganz natürlich hineingewachsen: schon als kleines Mädchen begleitete sie die Eltern zu den verschiedensten ungarndeutschen Kulturprogrammen, und mit der Zeit ist das für sie auch ganz bewusst wichtig geworden. Sie besucht die zwölfte Klasse des Deutschen Nationalitätengymnasiums in Budapest und pflegt auch da Sprache und Traditionen mit vollem Engagement. Und wenn eine Schulwoche vorbei ist, kehrt sie wieder nach Hause zurück, um im örtlichen deutschen Chor zu singen, um mit den Mitgliedern des deutschen Vereins ganz viele Programme zu organisieren, um im Christkindlspiel in die Rolle der Maria zu schlüpfen oder mit Freunden an Schwabenbällen in der Volkstracht Polka und Walzer zu tanzen. Dorottya nimmt an Projekten ihres Heimatdorfes teil, recherchiert nach alten Fotos und lässt bejahrte Frauen von Tolnau alte deutsche Volkslieder singen, um diese zu sammeln.

Sie ist eine Mundartsprecherin.
„Was es für mich bedeutet, eine Ungarndeutsche zu sein?“ – fragt sich Dorottya. „Einfach mein Alltagsleben: mit meiner Familie, mit unserer Geschichte, mit meiner ’schwäbischen’ Sprache, mit dem Kuchenbacken, Volksliedsingen. All das ist für mich selbstverständlich, wie das Atmen.“

Aliz Horváth ist eine sehr engagierte, aktive Schülerin des 12. Jahrgangs des Fünfkirchner Valeria-Koch-Schulzentrums, und zwar mit einer stark ausgeprägten ungarndeutschen Identität. Sie nimmt an allen Aktivitäten der Schule, die mit der ungarndeutschen Kultur zusammenhängen, teil: egal, ob in der Schule, in ihrem Heimatort Mischlen oder in der Stadt Fünfkirchen. Sie ist Mitglied der Leőwey-Tanzgruppe, rezitiert Gedichte und moderiert auf verschiedenen Veranstaltungen.

Auch ihre schulischen Leistungen sind hervorragend. Sie nimmt regelmäßig am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teil und ist letztes Jahr in das Landesfinale gekommen. Am Sprachwettbewerb der Nationalitätengymnasien hat sie im vergangenen Schuljahr den ersten Platz belegt – und diese sind natürlich nur die wichtigsten Wettbewerbsergebnisse. Aliz erhielt für ihr hervorragendes Zeugnis 2012 das Nationalitätenstipendium der Ungarischen Regierung für Mittelschüler.

„In meinen Adern fließt ungarisches, kroatisches und deutsches Blut“, sagt Aliz. „Zu meiner Identität tragen jedoch am meisten die Geschehnisse, Erlebnisse in meinem Leben bei, die mit meinem Deutschtum zusammenhängen. Ich könnte es mir nicht vorstellen, andere Bräuche zu pflegen, auf eine andere Weise zu leben. Das bin ich: eine Kroatin, eine Ungarin, aber am stärksten eine Ungarndeutsche.“

Sára Schauer aus Nadwar ist zurzeit Schülerin des Ungarndeutschen Bildungszentrums zu Baja. Sie ist überzeugte Angehörige der deutschen Minderheit. Diese Verbundenheit geht bei ihr auf die früheste Kindheit zurück, auf die wertvollen Stunden, die sie mit ihrer Urgroßmutter und den Großeltern verbracht hat. Von ihnen hat sie die örtliche Mundart, viele deutsche Lieder, Märchen und Geschichten gehört. Schon in der Grundschule hat sie regelmäßig an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Bei Sprach- und Rezitationswettbewerben erzielte sie schöne Erfolge. Diese ihre Aktivitäten wurden später am Gymnasium weiter unterstützt, und zwar gestärkt durch ein festes ungarndeutsches Bewusstsein. Überzeugt sammelt sie von den Großeltern und den älteren Nadwarern Gegenstände – vor allem Kleidungsstücke der Nadwarer Volkstracht – und Geschichten, um die Ungarndeutschen ihres Heimatdorfes noch genauer kennenlernen zu können. Sie versucht alles präzise zu dokumentieren. Ein greifbares Ergebnis ihrer Recherchen ist ein Kalender, der erst neulich erschienen ist.

„Es reicht nicht, nach unseren Traditionen zu leben und deutscher Abstammung zu sein“, sagt Sára. „Ich betrachte mich erst dann als eine richtige Ungarndeutsche, wenn ich dies alles auch pflege und weitergebe, damit diese Schätze nicht verloren gehen.“

Zsanett Melcher stammt aus Nadwar. Das Abitur machte sie am Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baja. An der Philosophischen Fakultät der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest erwarb sie ihr BA-Diplom für die Fächer Germanistik, Fachrichtung „Deutsch als Minderheitensprache“ und Russisch als Minorfach, und ihr Lehramtsdiplom für die Fächer „Deutsch und Deutsch als Minderheitensprache“ und „Sprachentwicklung, Ungarisch als Fremdsprache“. Ab September dieses Jahres arbeitet sie an ihrer Alma Mater, am UBZ, als Deutsch-, Volkskunde- und Volkstanzlehrerin. Ihre beiden Diplomarbeiten wurden mit der Bestnote bewertet. In ihrer ersten Abschlussarbeit widmete sie sich einem bisher wenig erforschten Thema: der Glaubensausübung und Seelsorge in der Minderheitensprache, und zwar in zwei Erhebungsorten: im katholischen Nadwar und im evangelischen Hartau.

Zum Abschluss ihres MA-Studiums befasste sich Zsanett auch mit einem ungarndeutschbezogenen Thema: Sie untersuchte die Interaktionsmuster im Volkskundeunterricht.

Die deutsche Sprache und die ungarndeutsche Kultur besitzen einen sehr hohen Stellenwert im Leben von Zsanett Melcher. Doch nicht nur ihr fachlich-beruflicher Werdegang ist dadurch geprägt, sie engagiert sich auch als Privatmensch: ist Mitglied der Nadwarer Volkstanzgruppe und sammelt hobbymäßig alte ungarndeutsche Fotos. Kürzlich beteiligte sie sich an einem Filmprojekt des Goethe-Instituts als Kandidatin, die in einem Interview ihre Verbundenheit mit dem Ungarndeutschtum sehr eindrucksvoll formuliert.

„Meine Eltern haben mich immer so erzogen, dass das Pflegen der ungarndeutschen Traditionen im Mittelpunkt meines Lebens stehen soll“, sagt Zsanett Melcher.

Herzlichen Glückwunsch zum Valeria-Koch-Preis!

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