Volksaufklärer oder Ungarfresser? Vortrag über Adam Müller-Guttenbrunn im HdU

Quelle: Zentrum

Eine kontroverse Persönlichkeit der deutschen Literaturgeschichte des Karpatenbeckens war das Thema des Vortrags vom Professor Hans Dama am 8. April im Haus der Ungarndeutschen. Der Dramatiker und Schriftsteller Adam Müller-Guttenbrunn wird von seiner Nachzeit von Manchen als „Ungarfresser” oder Antisemit dargestellt. Professor Dama versuchte ein differenzierteres Bild des Autors vorzustellen.

Adam Müller-Guttenbrunn kam 1852 als uneheliches Kind im banatischen Gutenbrunn (Temeshidegkút) zur Welt. Dies bestimmte sein späteres Leben: lange Zeit wurde er von seiner Umwelt nicht akzeptiert. Als Schüler erlebte er die gewaltsamen Magyarisierungsbestrebungen des dualistischen Staates, weshalb er das Gymnasium in Temeswar verließ. Ein jüdischer Bekannte seiner Familie bestand darauf, dass Müller-Guttenbrunn eine höhere Bildung verdiente.

In Hermannstadt setzte der spätere Schriftsteller seine Studien fort, nach der schulischen Ausbildung ließ er sich in dem transleithanischen Teil der Monarchie nieder. Er begann Theaterstücke zu schreiben – mit beachtenswerten Erfolg. Neben der Dichtung war er auch als Feuilletonjournalist tätig. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts geriet er in finanzielle Schwierigkeiten. Als Lösung fing er an, Romane zu schreiben, was größeres Einkommen versprach.

In den Romanen, die tatsächlich populär wurden, befasste er sich vorwiegend mit der Problematik der Magyarisierung und des Minderwertigkeitsgefühls der Schwaben. Adam Müller-Guttenbrunn wollte das Schwabentum erziehen, indem er dessen Leistungen hervorhob und sich für dessen Rechte als Autor und teilweise auch als Kulturpolitiker einsetzte. Selbstverständlich wurde er damit bei den Ungarn unbeliebt. Es begann eine Hetzkampagne gegen ihn und als er anlässlich einer Forschungsreise in seine alte Heimat zurückkehrte, musste er sogar vor den Gendarmen fliehen.

1910 verfasste Müller-Guttenbrunn sein bekanntestes Werk Die Glocken der Heimat. Dieser Roman behandelt keine politischen Themen, sein Plot ist der Kampf gegen die Überflutung im Theißgebiet. Das Werk beinhaltet auch das Schwabenlied, das später quasi als Hymne der Banater Schwaben fungierte.

Professor Dama hob auch die Romantrilogie Von Eugen bis Joseph hervor, die die Geschichte des Ungarndeutschtums umfasste. Der bekannte Ausdruck „Tod, Not und Brot” wurde auch in diesem Werk zum ersten Mal benutzt. Der literarische Höhepunkt Müller-Guttenbrunns Laufbahn ist seine Lenau-Trilogie, die auch hinsichtlich der Literaturgeschichte bemerkenswert ist.

Die gesellschaftliche Tätigkeit des Schriftstellers ist ebenso erwähnungswert. Er war Anhänger der Vorstellung, dass die Donaumonarchie in einen Bundesstaat umgestaltet werden sollte. Diese Meinung teilte auch der Thronfolger Franz Ferdinand. Dem Ersten Weltkrieg folgend drängte Müller-Guttenbrunn die Abtrennung der westlichen Komitaten, die er als Erstes als Burgenland bezeichnete, von Ungarn.

Als Theatermacher hatte er Konflikte mit den jüdischen Sponsoren, die eher Übersetzungen am Programm sehen wollten. Das ist der Ursprung seines späteren Rufes als Antisemit. Adam Müller-Guttenbrunn erhielt bereits zu seinen Lebzeiten zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem wurde er Ehrenbürger Wiens. 1922, kurz vor seinem Tod verfasste er das so genannte Schwabentestament.

Als letzter Gedanke erwähnte Hans Dama die Meinung des Publizisten Paul Lendvay über Müller-Guttenbrunn. Lendvay betonte die Ungarnfeindlichkeit des Autors und sah ihn als einer der Verantwortlichen von dem kitschigen „Tschikosch, Pussta, Paprika” Ungarnbild.

Dem Vortrag folgte eine Diskussion, in der sowohl das literarische Niveau der Werke bzw. die Frage des angeblichen Antisemitismus eindringlich besprochen wurde. Als Begleitung zum Vortrag wurden im Veranstaltungsraum acht Tafeln der Ausstellung Leben und Wirken von Hans Dama präsentiert.

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