Réka Marchut: Töréspontok – Buchpräsentation im Haus der Ungarndeutschen

Quelle: Zentrum

Vor Kurzem erschien das Buch Töréspontok (Bruchpunkte) von Réka Marchut, Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Die auf Marchuts Promotionsarbeit basierende Veröffentlichung untersucht die Vertreibung aus sechs um Budapest liegenden Ortschaften und schildert den dazu führende Weg. Am 28. Mai wurde der Band im Rahmen der Veranstaltungsreihe Zentrum-Programme im HdU im Haus der Ungarndeutschen präsentiert.

Vor dem zahlreich erschienenen Publikum wurde das Werk neben der Autorin vom Professor Pál Pritz und Dr. Ferenc Eiler vorgestellt. Als Erster ergriff Professor Pritz das Wort. Er würdigte die Arbeit Marchuts als ein ausgezeichnetes Werk, besonders weil sie zwischen der Globalität und der Lokalität gut balanciert. Anstatt in die Details des Buches einzugehen, sprach er über die ungarndeutsche Geschichte im Allgemeinen. Er erklärte, dass die Sichtweise des Historikers grundlegend von deren abweiche, die die Geschehnisse selbst erlebt haben. Pritz schilderte im Weiteren den Lebensweg von Edmond Steinacker, der charakteristisch für die Entwicklung der politischen Ansichten des Deutschtums in den Karpatenbecken sei.

Nach den teilweise geschichtsphilosophischen Überlegungen vom Professor Pritz befasste sich Ferenc Eiler mit der Publikation selbst. Auch er beurteilte sie als eine hervorragende Leistung und positionierte sie in der historischen Literatur des letzten Jahrhunderts. Obwohl nach Eilers Meinung keine neuen Fakten im Thema Vertreibung zu erwarten seien, gebe es noch neue Aspekte, nach denen die Problematik weiter untersucht werden kann: die Rolle der Kirchen bzw. die sozialen Änderungen seien noch nicht eingehend erforscht worden, auch Marchuts regionale Annäherung könne interessante Ergebnisse vorweisen. Töréspontok konzentriere nicht nur auf die Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg, denn sie seien ohne die politischen bzw. gesellschaftlichen Prozessen der Horthy-Ära nicht zu verstehen. Die Autorin habe sechs Gemeinden in Fokus gestellt, die in mehrerer Hinsicht unterschiedlich seien. Budaörs / Wudersch zum Beispiel sei überwiegend Deutsch gewesen, während in Vecsés / Wetschesch mehrere Nationalitäten zusammen gelebt haben. Aus Nagykovácsi / Großkovatsch seien alle Deutschen vertrieben worden, in Pilisszentiván / Sankt-Iwan haben alle bleiben können, usw. Der Band sei mehr als die Darstellung der Ereignisse: sie werden analysiert und Marchut nehme auch Stellung zu mehreren Fragen, wie zum Beispiel zur Potsdam-Legende. Marchut habe nicht das Ziel Verantwortliche zu finden: das sei keine historische Fragestellung, außerdem sei es sinnlos. Eiler wies auf den Anhang des Buches hin, in dem unter anderem wertvolle Quellen zu lesen sind.

Die Autorin des Buches ergänzte die Präsentation mit ihren Forschungsmethoden und Zielsetzungen. Sie sprach von den früheren Buchpräsentationen, die sowohl in der Zusammensetzung des Publikums als auch in deren Ambiente abwechslungsreich gewesen seien. Marchut betonte die Wichtigkeit der umfassenden Annäherung ebenfalls und dass die Sichtweise der Historiker von der der Betroffenen sich unterscheide. Mehrmals sprach sie von der Kontinuität und der Unterbrechung, die ihre Forschung prägen.

Demnächst folgte eine Diskussion, in der Empfehlungen für weitere Forschungen und markante Meinungen über die deutsch-ungarischen Verhältnisse ebenfalls vorkamen. Der Abend wurde mit dem üblichen Gespräch beim Büffettisch abgeschlossen.

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