Tradition nicht nur pflegen, sondern erleben – Wallfahrt der Ungarndeutschen nach Maria Einsiedel

Quelle: Neue Zeitung

Wenn man das Wort „Wallfahrt“ hört, fällt einem im Allgemeinen nicht nur eine heilige Messe an einem Wallfahrtsort ein, sondern auch die Fußwanderung der Pilgerschar mit Fahnen, Kruzifixen, Tafeln. Dieses Jahr konnte die 8. Wallfahrt der Ungarndeutschen nach Maria Eichel/Makkosmária bei Wudigess aus technischen Gründen nicht abgehalten werden, deshalb wählten die Pilger aus den nahe liegenden Ortschaften am 3. Mai die öffentlichen Verkehrsmittel oder sie kamen mit Privatautos nach Maria Einsiedel/Máriaremete, um in dieser wunderschönen neogotischen Kirche gemeinsam zu beten und zu singen.

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Die deutschsprachige Messe zelebrierte – wie auch in den früheren Jahren – Pfarrer Gregor Stratmann von der Budapester St. Elisabeth-Gemeinde und konzelebrierte ein Gastpfarrer aus Deutschland. Für die musikalische Umrahmung sorgten die in Volkstracht erschienenen Frauenchöre aus Schaumar, Hidigut und Wudigess. In erster Linie ist es ihnen zu verdanken, dass die Messe so schön gelungen ist, vielen Dank dafür.

Die Pilgerfahrt ist ein Zeugnis der Religiosität, die dazu dient, dass die Wallfahrer im Glauben gestärkt heimkehren. Es ist kein Wunder, dass Pfarrer Gregor Stratmann in seiner Predigt eben die Rolle des Glaubens, der uns verbindet, hervorgehoben hat. Unsere lebendige kirchliche Tradition, die wir behalten, weitergeben, vererben müssen, ist ein Schatz in unserer Hand, die uns immer ein tiefes, seelisches Erlebnis bedeutet.

Zahlreiche Gläubige aus Schaumar, Sanktiwan bei Ofen, Werischwar, Wudigess, Hidigut, Wudersch, Berkina, Berzel, Wetschesch, Schorokschar und die Mitglieder des St. Gerhards-Werks und des Deutschen Schulvereins der Komitate Pesth und Naurad nahmen auch diesmal an der Wallfahrtsmesse teil, so dass die Gnadenkirche bis auf den letzten Platz besetzt war, sogar die aus der Winterkapelle herausgebrachten 40 Stühle schienen nicht genug zu sein.

Es ist wichtig, dass die jüngere Generation in die Liturgie eingebunden wird; die Ministranten aus Wudigess, János und Mátyás Schrotti, Maria Kőrös, die die Fürbitten vorgelesen hat, und die zwei Gymnasiasten aus dem Budapester Nationalitätengymnasium in Volkstracht repräsentierten u. a. die Jugendlichen. Wir müssen unseren Dank auch der Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung in Sanktiwan bei Ofen Dr. Maria Mirk und dem Organisten Franz Neubrandt für die aktive Teilnahme aussprechen. Alle Vertreter der Organisationen, die die Veranstaltung förderten (Verband der Deutschen Selbstverwaltungen in Nordungarn e. V., Deutsche Komitatsselbstverwaltung Pesth, Deutscher Schulverein der Komitate Pesth und Naurad, St. Gerhards-Werk e. V., Deutsche Selbstverwaltung Schaumar), sind dankbar dafür, dass Pfarrer Stratmann, der auch sonst viel für das Ungarndeutschtum tut, auch diesmal mit der feierlichen deutschsprachigen Messe und niveauvollen Predigt den deutschen Pilgern eine so große Freude bereitete.

Die Geschichte der schönen Gnadenkirche, die László Esterházy, päpstlicher Kaplan, Leiter der Pfarre, an diesem schönen Frühlingstag so goßzügig zur Verfügung gestellt hat, reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Die Siedlerin Katharina Thalwieser, die Anfang 1760 mit ihrem Mann eine Wallfahrt nach Einsiedeln (Schweiz) unternahm, brachte die Gnadenbildkopie nach Hidigut im Ofner Bergland, mit. Das Bild wurde nahe Hidigut an einer Eiche befestigt. Die Einwohner von Hidigut verehrten das Bild sehr: Die Pilger konnten erfahren, dass sie die Fürsprache der Gottesmutter begleitete. Die vor dem Bild gesprochenen Gebete erfuhren immer öfter Erhörung. Der Ort wurde nach dem Muster des Schweizer Gnadenortes Maria Einsiedeln benannt. Mündliche Überlieferungen bewahrten uns die Geschichte einer wunderbaren Genesung, welche vor dem Bild geschah. Eine gewisse Frau Forstmar verlor ihr Augenlicht. Als einzige Hoffnung blieb ihr die Muttergottes, darum ließ sie sich täglich zum Bild in den Wald führen, und an einem Tag erhielt sie ihr Augenlicht zurück. Man kann dieses Wunder als Geburt des Gnadenortes betrachten. Zum Schutz des Bildes wurde eine Holzkapelle errichtet. Später, im Jahre 1809, wurde eine Kapelle mit 300 Sitzplätzen erbaut, und das Gnadenbild kam in die neue Kapelle. Im Laufe der Jahrzehnte erwies sich die Kapelle zunehmend als zu eng. Auf Initiative des hervorragenden Diözesenbischofes und Wissenschaftlers Dr. János Pauer wurde der Verein der Mariaremeter Marienkapelle gegründet mit dem Ziel, an der Stelle der Kapelle eine Kirche aufzubauen.

Im Herbst 1899 wurde die 600 Quadratmeter umfassende, für etwa 1500 Personen aufnahmefähige Kirche im neogotischen Stil fertig gestellt. Die 15 farbigen Glasfenster wurden in der berühmten Werkstatt von Maximilian Róth hergestellt. Für das Gnadenbild wurde hinter dem Hauptaltar eine Baumstammkopie von fast 2,5 m Höhe gefertigt. Das Bild hatte einen 68 cm hohen und 53 cm breiten vergoldeten Holzrahmen. Wahrscheinlich war die Kirche von Maria Einsiedel in Ungarn die erste, die nicht ein Bischof oder ein Gutsherr, sondern in erster Linie das gläubige Volk aufbauen ließ.

Maria Herein Kőrös

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