Fronleichnam: Feier des Altarsakraments

Quelle: Zentrum

Da die Ungarndeutschen mehrheitlich Katholiken sind, bilden die kirchlichen Feste einen wichtigen Teil ihrer Identität. So ist es auch mit Fronleichnam, der letzte Wochenende gefeiert wurde. Im Folgenden fassen wir einiges Wissenswerte über die Geschichte und den Ablauf des Festes zusammen, die Bilder stammen von den diesjährigen Feierlichkeiten in Werischwar, Promontor und Schambek.

Fronleichnam ist der zehnte Tag nach Pfingsten, dieses Jahr fiel er auf den 19. Juni. Fronleichnam ist ein katholischer Feiertag, aber er ist nicht von biblischem Ursprung und ist relativ jung. Da er kein staatlicher Feiertag ist, wird er am darauffolgenden Sonntag gefeiert.

10505227_478467132299775_7587642719302437463_o

Die Feier hat eine etwas mehr als 700 Jahre lange Geschichte. Sie ist auf eine Vision von der Heiligen Julianna von Lüttich zurückzuführen. In ihrer Erscheinung sah sie den Mond mit einem dunklen Fleck. Christus erklärte ihr, das der Mond das Kirchenjahr symbolisiere, und der Fleck das Fehlen eines Festes des Altarsakraments bedeute. 1264 wurde Fronleichnam als katholisches Fest anhand eines Wunders in Bolsena eingeführt: Ein Pfarrer zweifelte an die Umwandlung des Brotes und des Weins in Fleisch und Blut Christi. An der heiligen Messe begann die heilige Hostie zu bluten. Laut des zeitgenössischen Chronikers gab es dabei viele Augenzeugen. Die blutgefleckte Decke wurde Papst Urban IV. gezeigt, der von der Vision der Heiligen Julianna Bescheid wusste. Am 8. September 1264 verkündete der Papst, dass Fronleichnam im Weiteren jedes Jahr gefeiert werden muss.

Fester Bestandteil der Feierlichkeiten ist die Prozession, eine Blumentracht gehört auch dazu. In Ungarn wird Fronleichnam anders als im Ausland gefeiert. Es werden vier Altäre aufgestellt, die bei dem Festzug von der Kirchengemeinde besucht werden. Zur Prozession gehört eine spezielle Liturgie: Bei jeder Station wird das Evangelium vorgelesen und der Pfarrer gibt Segen in alle Himmelsrichtungen. Das Herumtragen des Altarsakraments wurde einer Macht zugeschrieben, damit Krankheiten und physische Katastrophen verdrängt werden. An diesem Tag wurde nicht gearbeitet.

10498183_938427132849262_6635140572212718993_o

In der Batschka fand ebenfalls eine große Prozession durch das ganze Dorf, zu den Gassenkapellen statt. Die Gläubigen gingen mit den Kirchenfahnen an der Spitze langsam durch die Straßen, der Tabernakel wurde von einer tragbaren Decke geschützt. Der Weg wurde mit Blumenblüten bestreut, es wurde gesungen und gebetet, die Kapellen wurden mit Blumen und Kränzen geschmückt. Vor diesen sagte der Pfarrer Fürbitten und Litaneien und segnete die knienden Gläubigen mit dem Tabernakel. Zuletzt wurde dieselbe Liturgie an einem Freialtar neben der Kirche durchgeführt, und das Gotteshaus selbst umgangen. Danach fand die Kommunion statt und die Gemeinde erhielt das Segen zum Heimgang.

10509288_786446204721803_208426848_o

In Wudersch wurde der Prozessionsweg mit der Zeit kürzer und führt heute nur außen im Viereck um die Kirche herum, aber wie früher besuchen die Kirchenbesucher vier prächtige, mit Blumenkränzen reichlich verzierte Altäre. Es wird ein herrliches, farbenreiches Blumenteppich vorbereitet, aus farbigen Blüten werden Ornamenten und Bildern angefertigt.


Obwohl Fronleichnam nicht zu den bekanntesten christlichen Festen gehört, ist es vielleicht eines der beeindruckendsten.

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2019 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo