„G’schafft!”- Präsentation von Diplomarbeiten ungarndeutscher Thematik an der ELTE

Quelle: Neue Zeitung

Jahr für Jahr entstehen am Ungarndeutschen Forschungs- und Lehrerbildungszentrum der ELTE in Budapest Diplomarbeiten, die sich mit dem Leben, der Kultur und der Sprache der Ungarndeutschen beschäftigen und es verdienen, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. Dementsprechend waren alle Interessenten am 13. Juni herzlich zu der bereits das dritte Mal im Zentrum stattfindenden Präsentation fertiger bzw. beinahe fertiger Diplomarbeiten eingeladen, wobei Frau Dr. habil. Mária Erb, die Leiterin des Forschungs- und Lehrerbildungszentrums, in ihren einleitenden Worten vor den zahlreichen Anwesenden scherzhaft auf den Doppelsinn des heurigen Titels verwies, der nicht nur auf den Grad der Vollendung der Arbeiten, sondern auch auf die Verfassung der diese anfertigenden Studentinnen bezogen werden könnte.

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Insgesamt wurden im Rahmen der Veranstaltung sieben Arbeiten vorgestellt, die sich entsprechend der Forschungsinteressen des Zentrums auf vielfältige Weise mit Aspekten des ungarndeutschen Lebens auseinandersetzen, was sowohl das thematische als auch die betrachtete Zeitspanne betrifft.

Die einzelnen Vorträge waren durch das vorbereitete Bild- und Veranschaulichungsmaterial der Power-Point-Präsentationen für die Zuhörer in eine Form gebracht worden, die der Zielsetzung der Veranstaltung diente, da durch sie das Verfolgen der Vorträge erleichtert, der Gedankengang der präsentierten Arbeiten deutlich nachvollziehbar wurde.

Konkret wurden folgende Themen behandelt:
Alexandra Lapp verglich nach dem Zweiten Weltkrieg, d. h. vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten in der Schwäbischen Türkei errichtete Vertreibungsdenkmäler, wobei sie über das rein Faktische hinaus auch auf ästhetisch-gestalterische Aspekte einging. Erika Brigitta Fekete überblickte die Frage, wie in der ungarndeutschen Literatur die Vertreibung vor und nach der politischen Wende 1989/90 erschien, wobei sie insgesamt acht Werke von drei Autoren (Fischer, Wittmann, Sziebert) vergleichend analysierte. Die ungarndeutschen Frauentrachten in Hajosch/Hajós bildeten den Untersuchungsgegenstand von Dorotya Kiss, den sie mit Hilfe von zahlreichen Fotos illustrierte.

Für jede nationale Minderheit ist natürlich die Frage des Weiterbestehens ihrer Sprache von eminenter Bedeutung, so auch der Aspekt der Schulen, die diese unterrichten bzw. die Frage danach, wer aus welchen Gründen diese Schulen für sich oder für seine Kinder wählt. Die Motivation der Schulwahl im ungarndeutschen Schulwesen hatte Krisztina Baum mit Hilfe von Interviews und Fragebögen untersucht und interessante Einblicke eröffnet. Die anderen drei Beiträge beschäftigten sich konkret mit Aspekten jeweils in einer ungarndeutschen Siedlung, wobei das Nahrungswesen und die Esskultur den Gegenstand der vorgestellten Arbeiten von Ibolya Nagy (in Atscha/Vértesacsa) und Katalin Anna Kecskés (in Berkina/Berkenye) bildeten. Für das Weiterbestehen einer jeden nationalen Minderheit ist natürlich auch wichtig, die Jugend nicht zu verlieren, sie für die Traditionen, Sitten und Bräuche der Volksgruppe zu begeistern. Szandra Hrubos ging der Frage nach, welche Rolle die Tanz- und Musiktraditionen in der Identitätsprägung junger Ungarndeutscher in Saar/Szár spielen.

Die Reaktionen, die Fragen und Bemerkungen der Anwesenden machten deutlich, welch Interesse für die Geschichte und die gegenwärtige Situation der Ungarndeutschen besteht.

Die Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht eine geglückte und erfreuliche Unternehmung: Die Vortragenden waren Studentinnen, die auch durch den eigenen familiären Hintergrund bei der Wahl ihres Themas beeinflusst worden waren, dementsprechend engagiert an ihre Aufgabe herangegangen waren und so mit viel Fleiß Beachtenswertes zusammengetragen hatten. Es war gut, dass dieses Wissen über sein Vorhandensein in einer Diplomarbeit und der doch engen Öffentlichkeit einer Diplomarbeitsverteidigung hinaus auf diese Weise einem größeren Publikum vorgestellt werden konnte. Nicht zuletzt war diese Leistungsschau für die Studentinnen auch eine Möglichkeit, sich unter den Bedingungen einer Konferenz, vor einem größeren Publikum auszuprobieren, für die anwesenden Studierenden der unteren Jahrgänge wiederum, sich Ideen für die eigene Diplomarbeit zu holen.

Gábor Kerekes

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