Uralte Tradition – ungebrochene Begeisterung

Quelle: Neue Zeitung

Fronleichnam in Wudigess

Fronleichnam ist ein Hochfest der katholischen Kirche, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Fronleichnam findet genau zehn Tage nach Pfingsten statt und fällt somit immer auf den 2. Donnerstag nach Pfingsten, das Hochfest (die heilige Messe und die Prozession) wird aber am darauf folgenden Sonntag gefeiert. Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen „vrone licham“ ab =„des Herren Leib“. In der Liturgie heißt das Fest Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

blumenteppischwudigessDobosLaszlo

Der heiligen Julianna vom Augustinerorden (+1258) in Lüttich verkündete Christus selbst in einer Vision die Bitte, dieses Geheimnis seiner Liebe mit einem kirchlichen Fest zu würdigen. Zuerst wurde der Tag im Jahre 1247 in Lüttich gefeiert, und der Papst Urban der IV. verordnete später im Jahre 1264, diesen Tag in der ganzen christlichen Welt zu feiern.

Einer der schönsten lebenden Volksbräuche in Wudigess ist die Anfertigung des Blumenteppiches zu Fronleichnam. Diese Tradition haben unsere deutschen Vorfahren vor beinahe 300 Jahren in die neue Heimat mitgebracht. Obwohl Länge und Breite des Blumenteppiches sich im Laufe der Zeiten veränderten (er wurde kürzer und schmaler), gilt der Wudigesser Blumenteppich neben Wudersch und Csömör als einer der schönsten in den ungarndeutschen Dörfern. Die Tradition der Anfertigung des Blumenteppichs blieb auch in den kommunistischen Zeiten ungebrochen erhalten.

Vor der Prozession müssen vielerlei Vorbereitungen getroffen werden. Das Sammeln der Blumen muss – wenn möglich – schon am Donnerstag mit den Feldblumen beginnen. Die Blumen werden sorgfältig nach Farben geordnet und in kühlen Kellern aufbewahrt. Die am häufigsten verwendeten Blumenarten sind: Raps, Königskerze, Wicke, Kornblume, Ampfer, Salbei und andere Wildblumen. Die Blumen werden am Samstag oder Sonntag in der Früh gepflückt. Zu beide Seiten des Blumenteppichs wird frisch gemähtes, duftendes Gras gestreut. Das Aufstellen der vier Kapellen am Samstag und die Anfertigung des Grundes des Teppichs aus weißem Sand sind Männeraufgaben. Am Sonntag schon um 5.00 Uhr in der Früh beginnen die Männer und Jungs mit dieser harten Arbeit, die Frauen und Kinder kommen erst später, gegen 6.00 Uhr, wenn die Unterlage schon fertig ist.

Im Jahre 2009 hat Andreas Ritter aus Schwetzingen, Deutschland, zwei schöne DVD-Aufnahmen gemacht, eine über die Anfertigung des Blumenteppichs und eine über die Prozession um die Kirche (Spieldauer je 50 Minuten). Hier wurde über alle Einzelheiten sehr präzise berichtet, welche Motive wie, woraus und von wem angefertigt werden. Es ist wichtig, dass diese Aufnahmen für die nächste Generation erreichbar bleiben.

Dieses Jahr hat man mit dem Wetter Glück gehabt, nicht so wie 2009, als der starke Wind die harte Arbeit in einer Minute kaputtgemacht hat. Die Prozession konnte bei schönem Frühsommerwetter sehr feierlich abgehalten werden. Obwohl diesmal nicht so viel Blumen verwendet wurden wie voriges Jahr ist der Blumenteppich prachtvoll geworden.

Wo diese Tradition noch lebt, bietet sie den Kindern eine hervorragende Möglichkeit, etwas Schönes für Gott und für die Mitmenschen zu schaffen. Die Kinder und Jugendlichen zeigen immer stolz die Motive, die sie angefertigt haben, und freuen sich, wenn sie fotografiert werden. So war es auch bei meiner Tochter und bei ihrem Freund. Sie haben schon vorher gründlich geplant, welche Motive aus Blumen sie diesmal legen werden, und das Zeichen des Marienweges, das sie aus Blumen ausgelegt haben, war wirklich etwas Neues. Andere verwenden uralte und neuere Schablonen, sie werden auf den Sandgrund gelegt und mit Blumenblättern verschiedener Farben ausgefüllt. Dann werden die Schablonen vorsichtig entfernt und damit ist eine Mustereinheit fertig. Am liebsten mag ich die alten Muster, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die immer auf derselben Strecke vorkommen.

Es ist so, dass jede Familie möglichst jedes Jahr dieselbe Strecke schmückt, oft kommen noch Bekannte und Freunde dazu, die helfen und mitmachen möchten. Auch die Mitglieder des Vereins für Traditionsbewahrung haben eine eigene Strecke, die sie sehr fleißig, schnell, mit großer Praxis schmücken. Meine Familie, die Familie Herein, und unsere Verwandten, die Familie Mayer, machen immer eine ziemlich lange Strecke an der hinteren Seite der Kirche, wo die Prozession beginnt. Kleinere und größere Kinder, meine Nichten und Neffen, stehen an diesem Tag sehr gern früh auf, um den Blumenteppich zu schmücken. Die Anfertigung des Blumenteppichs bietet auch eine gute Möglichkeit für die Zusammenarbeit der Familienmitglieder, Bekannten und Verwandten. Der Blumenteppich darf nur vom Pfarrer betreten werden.

Unter den Motiven, die jährlich mit Blumen ausgelegt werden, finden wir folgende: Weintraube, Altarsakrament, Kelch, Kreuz, Bibel, Herz, Jahreszahl, Malteserkreuz, Palme, Kirche, Fisch, Jungfrau Maria, stilisierte Tulpe, Engel, Kerze, Christusmonogramm, eine gefaltete, betende Hand, das uralte Siegel von Wudigess aus dem Jahr 1724, das Wappen Ungarns, die Symbole für Glaube, Liebe, Hoffnung.

Die vier Kapellen-Laubhütten werden zu Ehren der vier Evangelisten aufgestellt und mit Eichenlaub und duftenden Kräutern verziert. Drinnen steht ein kleiner Tisch, auf den ein gesticktes oder gehäkeltes Altartuch gelegt wird, darauf steht eine Muttergottes- oder eine Jesus-Statue oder es wird ein Heiligenbild aufgehängt. Nach der Prozession werden Teile vom Eichenlaub und von den Kräutern an die Gläubigen verteilt. Sie werden getrocknet und zu Hause bis zum nächsten Fronleichnam aufbewahrt. Es gibt eine alte Sitte: Nach der Prozession gehen wir mit diesen geweihten Kräutern auf den Friedhof und legen sie aufs Grab unserer Verstorbenen.

Diesmal hatten wir in Wudigess auch Gäste aus Gölle, aus dem Komitat Schomodei. Die Gläubigen aus dem Heimatdorf des Schriftstellers István Fekete konnten den prachtvollen Blumenteppich bewundern und an der feierlichen Messe und Prozession teilnehmen, wo auch diesmal, wie schon seit vielen Jahren der Frauenchor und die Wudigesser Musikschule mitwirkten. Die Blasmusik und die traditionellen deutschen Lieder haben einen großen Eindruck auf uns gemacht.

Maria Herein Kőrös

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2019 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo