Wir sind die Brückenbauer

Quelle: Neue Zeitung

Dr. Friedrich A. Zimmermann wurde 80

Der Ehrenbundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und des Landesverbands Baden-Württemberg Dr. Friedrich A. Zimmermann konnte am 8. Juli seinen 80. Geburtstag feiern.

zimmermann

„Wir haben als Landsmannschaft seit Jahren sehr enge Beziehungen, und es geht hier nicht um einen Neuanfang, sondern darum, dass ich als neuer Vorsitzender versuche, die bestehenden Kontakte auf jeden Fall zu erhalten und soweit möglich zu vertiefen und soweit möglich uns abzustimmen, wo wir helfen können. Denn eines ist auch klar: Die Landsleute in Deutschland werden mit der Zeit immer weniger. Das ist ein biologischer Prozess. Die Integration in Deutschland ist mit den Kindern und Enkelkindern bereits erfolgt. Die Erlebnisgeneration fährt nach Ungarn heim und dann wieder nach Deutschland nach Hause. Darum sind wir also die Brückenbauer, und ich bin eben einer in meinem Alter der letzten Erlebnisgeneration, den man gebeten hat, für eine Kontinuität zu sorgen. Dafür habe ich mich gestellt und dafür werde ich mich jetzt weiter einsetzen.“ Dies erklärte der damals neue Bundesvorsitzende in einem Gespräch mit dem Deutschen Kalender (erschienen im DK 2001). Im gleichen DK wurde auch der Wortlaut der Vereinbarung zwischen LDU (Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn) und LdU (Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen) veröffentlicht, die am 28. 10. 2000 in Gerlingen, der Patenstadt der vertriebenen Ungarndeutschen, unterzeichnet wurde.

Bestimmendes Erlebnis war für ihn die Vertreibung: „Bei unserer Vertreibung in Kaltenstein/Levél am 27. 8. 1945 aus den Häusern und dem Transport in das benachbarte Dorf Zanegg/Mosonszolnok war ich elf Jahre alt; wir waren bis zum Abtransport April 1946 in diesem Ghetto Zanegg“, erinnerte er sich bei der von Parlamentspräsidentin Katalin Szili organisierten Gedenkfeier im Parlament.
Zimmermann hat nach der Matura an der Universität in Tübingen Chemie studiert. Schon früh kam er mit der landsmannschaftlichen Arbeit in Berührung, sein Onkel war Mitbegründer der Landsmannschaft. 25 Jahre hindurch war er Vizevorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Baden-Württemberg. 1999 wurde er zum Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft gewählt. Dr. Friedrich A. Zimmermann hat sich stets zu den Gedanken der Versöhnung hingezogen gefühlt und dafür viel getan. Seit der Wende ist er ein Vorkämpfer der Intensivierung der Partnerschaftsbeziehungen zwischen Ungarn und Baden-Württemberg. Als Vertreter der Organisationen der vertriebenen Ungarndeutschen hat er rege Kontakte zu den wichtigsten Politikern Deutschlands gepflegt, um sie für die Lage der Ungarndeutschen zu sensibilisieren. In der gemischten Kommission Baden-Württemberg – Ungarn war er für seine kritischen Anmerkungen bekannt. Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel nahm ihn im März 2002 zu seinem offiziellen Besuch nach Ungarn mit, wo die Delegation auf den Einsatz von Zimmermann auch das Haus der Ungarndeutschen besuchte.

Die Landsmannschaft ehrte ihn mit der goldenen Ehrennadel der LDU Baden-Württemberg und der Jakob-Bleyer-Medaille, 2010 erhielt er bei der Kulturtagung in Gerlingen das Bundesverdienstkreuz, überreicht von Innenminister Heribert Rech. Auch von der Republik Ungarn wurden seine Verdienste gewürdigt. Auf dem Bundesschwabenball in Gerlingen 2007 konnte er die vom ungarischen Bildungsminister István Hiller verliehene Auszeichnung „Pro Cultura Hungarica“ übernehmen. Und 2008 erhielt er bei der Gala am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen die Auszeichnung „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“. Die mit der Ehrennadel verbundene Geldprämie spendete Dr. Zimmermann an die Grundschule in Kaltenstein.

Im Gespräch mit dem Deutschen Kalender sagte Dr. Zimmermann zur Auszeichnung: „Von allen Vertriebenen … hatten die Ungarndeutschen den stärksten Kontakt zu der alten Heimat. Schon in den 60er Jahren fuhren Familien nach Ungarn zurück. Diese Heimatbezogenheit war sehr stark und ist auch heute noch stark. Viele Vertriebene wurden zum Beispiel Ehrenbürger in ihrer ehemaligen Heimatgemeinde. Das war und ist auch eine starke Basis der politischen Zusammenarbeit. Ich habe auch deswegen die Auszeichnung mit Stolz angenommen, weil ich dies auch im Namen derjenigen gemacht habe, die sich aktiv für die Kontaktpflege einsetzten. Durch sie sind die Beziehungen stärker geworden…

Die Erlebnisgeneration hat natürlich einen starken Blick zurück. Wir brauchen aber auch einen Blick nach vorne. In meiner Arbeit habe ich immer versucht zu erreichen – und als ich mein Amt abgelegt habe, habe ich mir das auch vor Augen gehalten –, daß die Generation, die draußen geboren wurde, aber durch ihre Familie eine Beziehung zu Ungarn hat, das Erbe weiterpflegt, solang sie nur kann. Sicherlich wird das nach einer Zeit einschlafen, denn wir in Deutschland sind schon zu sehr integriert. Die Jüngeren zeigen Interesse, aber das ist schon eine andere Basis. Ich bewundere diejenigen, die sich auch heute für diese Sache einsetzen, auch die Ungarndeutschen, die ihre Sprache, Kultur pflegen. Nicht umsonst habe ich einmal gesagt, die Heimatvertriebenen und die Heimatverbliebenen sind Zwillinge, die gewaltsam getrennt wurden. Nur die Chance der Entwicklung war lange Zeit anders.“

Wir gratulieren dem Jubilar aufs Herzlichste und wünschen ihm und seiner Frau Gesundheit und alles Gute.

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