Ethnische Fragen zur Zeit des Dualismus: internationale Konferenz an der AUB

Quelle: Zentrum

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Zwischen dem 18. und 20. September wurde an der Andrássy Universität Budapest (AUB) die internationale Konferenz Nationalstaat und ethnische Homogenisierung. Ungarn und Rumänien im Vergleich (1867-1914) veranstaltet. Die Tagung kam in Zusammenarbeit der Kommission zur Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa (KGKDS), des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL) und der AUB zu Stande. Verantwortliche der Tagung waren Dr. Mathias Beer, Vorsitzender der KGKDS, Dr. Ellen Bos und Dr. Gerhard Seewann.

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Die in den Vorträgen untersuchte Epoche brachte viele Änderungen hinsichtlich der Nationalitäten mit. Mit dem Fortschritt des Nationalismus wurde sowohl die Identität der ethnischen Gruppen als auch die Bestrebung zur Assimilation stärker. Jedoch kann man nicht von einer eindeutigen Gegenüberstellung von Minderheit und Mehrheitsgesellschaft sprechen.

Im Eröffnungsvortrag am Donnerstag stellte Judit Pál aus Klausenburg die Verhältnisse zwischen Ungarn, Rumänen und Sachsen in Siebenbürgen des 19. Jahrhunderts dar. Am Freitag, dem zweiten Tag der Sitzung wurden zwei Panels gehalten. Das Thema der Ersten war die Nationalitätenpolitik. Gábor Egry schilderte die ungarische Nationalitätenpolitik der Ära, Friedrich Gottas aus Salzburg beschäftigte sich mit den Magyarisierungstendenzen unter den Zipser Sachsen. András Balogh F. von der ELTE sprach über Fremdwahrnehmung in der zeitgenössischen Reiseliteratur. Während in den früheren Jahrhunderten meistens Ausländer das Land bereist hätten, würden die meisten Reiseberichte im 19. Jahrhundert von hiesigen Staatsbewohnern stammen. Diese Epoche sei auch Beginn des modernen Tourismus, auch die neuen Transportmittel wie das Dampfschiff oder der Zug seien zum Thema geworden. Die Form des „Bädekkers” sei auch zu dieser Zeit entstanden. Manche Autoren hätten sich auf das Zusammentreffen der Nationalitäten konzentriert. Mehrere Schriftsteller wurden erwähnt, unter anderem Max Norden und Adam Müller-Guttenbrunn, beim Letzteren wurde besonders das Motiv der Magyarisierung hervorgehoben.

Der Titel des zweiten Panels lautete „Minderheit”. Enikő Dácz verglich drei siebenbürgische Zeitungen hinsichtlich der Ethnizitätsdiskussion: die Ellenzék aus Klausenburg, Telegraful Român aus Hermannstadt und die Kronstädter Zeitung. Dácz analysierte die thematische Zusammenstellung der Periodika, wie sie die Nationalitätenthemen behandelten bzw. sich gegenüber den anderen Nationalitäten verhielten. Bei Ellenzék seien Politik und kirchliche Angelegenheiten im Vordergrund gewesen, die Anderen hätten mehr Aufmerksamkeit der Kultur gewidmet. Alle drei Zeitschriften hätten ähnliche Strategien bei ethnischen Differenzen verwendet, aber die aus Kronstadt sei am meisten an die anderen Minderheiten interessiert gewesen.

Agnieszka Barszczewska aus Warschau beschäftigte sich mit der rutenischen und Csángó Minderheit im Karpatenbecken. Sie seien ethnisch und religiös zwar verschieden, würden dennoch Ähnlichkeiten vorweisen, zum Beispiel dass sie genau in diesen Hinsichten „Inseln” bilden würden.

Victor Karády untersuchte in seiner auf Englisch gehaltenen Präsentation die Repräsentanz von Ungarn, Deutschen und Juden im Unterricht. Man erfuhr, in welchen Unterrichtsfächer sie am Besten beim Abitur leisteten und welche Hochschulfakultäten sie bevorzugten. Es war deutlich zu erkennen, dass es Fächer gibt, an denen eine oder andere der Bevölkerungsgruppen wesentlich überrepräsentiert war. Auch bei Angehörigen derselben Nationalität waren Unterschiede anhand des unterschiedlichen religiösen Hintergrundes zu erkennen. Als Grund dafür nannte Karády unter anderem den unterschiedlichen Grad der Urbanisierung.

Elena Mannová aus der Universität von Pressburg sprach über die ethnische Zusammensetzung von bürgerlichen Vereinen. Man könne es gut erkennen, dass der Nationalität keine vorrangige Rolle in diesen zugeordnet wurde. Es gebe wesentlich mehr Vereine, wie in den Statistiken angegeben, aber von deren ethnischen Homogenität könne man nicht sprechen, selbst bei den volksbildenden ungarischen Organisationen nicht. Sogar nicht-ungarische Mitglieder hätten oft ungarische Indizien benutzt, beispielsweise magyarische Kleidung getragen. Ungarisch sei in vielen Fällen die Kommandosprache gewesen. Die Gemischtheit des Landes zeige, dass im Jahre 1900 Budapest als die größte slowakische Stadt gegolten habe. Heterogenität sei nicht als positiv anerkannt, jedoch sei es sie typisch gewesen.

Nach Panel 3 fand die Mitgliedsversammlung der KGKDS statt, der ein gemeinsames Abendessen im Építész Keller folgte. Am abschließenden Tag der Konferenz wurden drei weitere Vorträge gehalten. Zoltán Imre (Budapest) und Ursula Wittstock (Hermannstadt) analysierten das Theater als Mittel der ethnischen Homogenisierung. Die Tagung war die erste von drei, die mit derselben Problematik in drei nacheinander folgenden Zeitabschnitten untersuchen.

István Mayer

Magyarwechsle die Sprache

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