„Gesicht zur Wand” – Filmvorführung im Goethe-Institut Budapest

Quelle: Zentrum

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Stefan Weinerts Dokumentarfilm „Gesicht zur Wand” beschäftigt sich mit der Gefängniszeit von Ostdeutschen, die während eines Fluchtversuchs nach Westen verhaftet worden waren. Am 17. September fand die ungarische Uraufführung des Films im Budapester Goethe-Institut statt.

Die Bewältigung der Vergangenheit war für Deutschland in den letzten hundert Jahren von besonderer Wichtigkeit. Bei dem Nationalsozialismus ist die Arbeit getan: die Fakten sind bekannt, die Verantwortlichen zum größten Teil tot, die noch lebenden Kriegsverbrecher werden vor Gericht gestellt. Bei der DDR-Ära ist das aber anders: die Übeltäter sind unter uns, unbestraft, die Nachfolgepartei der SED ist im Bundesparlament, Mecklenburg-Vorpommerns amtierender Ministerpräsident äußerte sich sogar in einer seiner Reden, dass die DDR überhaupt keine Diktatur gewesen sei.

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Im 2009 gedrehten Film wurden fünf einstige Flüchtlinge interviewt. Sie waren in vieler Hinsicht verschieden: Ältere und Jüngere, Stadtbewohner oder Provinzler. Was gemeinsam ist aber, dass ihre Haftzeit ihnen ein lebenslanges Trauma verursachte.

Die Erlebnisse der Inhaftierten waren ähnlich: sie wurden wie Schwerverbrecher behandelt, man versuchte, sie mit ausgesuchten Foltermethoden zu brechen. Sie erzählten von Gräueltaten von Häftlingen und Wärtern, psychischer und physischer Terror gehörte zum Alltag. Man konnte niemals wissen, was einen am nächsten Tag erwartet. Die Wende brach ihnen auch keine Genugtuung, einer der Interviewten sprach von einer Begegnung mit einem seiner Verhörer. Der Mann habe seine Taten keineswegs bereut, was seinen Opfer sehr verblüffte.

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Nach der Vorführung des Films sprach Bogáta Sárossi, Mitarbeiterin des Goethe-Instituts mit dem Regisseur. Stefan Weinert stammt aus Westdeutschland. Mit der Ostthematik wurde er zuerst konfrontiert, als er in Barcelona lebend merkte, er wisse kaum etwas darüber. Er habe begonnen zu recherchieren: eins der Produkte seiner Forschungen sei dieser Film geworden. Weinert findet es sehr wichtig, dass die Stasi-Vergangenheit – besonders für die Jugendlichen – bekannt wird. Seiner Meinung nach aber müsse man die SchülerInnen vorbereiten, bevor ihnen „Gesicht zur Wand” vorgeführt wird. Aus diesem Grund wäre er mit einer/m der DarstellerInnen mit dem Film unterwegs gewesen.

Der Dokumentarfilm war bereits im Fernsehen gestrahlt, aber der Regisseur habe hart daran arbeiten müssen, da der Aufbau des Filmes nicht den heutigen Trends entspricht. Er versucht weder zu erklären noch zu kommentieren oder zu rekonstruieren, er konzentriert einfach auf das Wesentliche, also auf die Rückerinnerungen.

Bei der Diskussion waren die Meinungen überraschenderweise nicht ganz einig. Einer der Zuschauer wies sogar die Unterscheidung Täter und Opfer ab, da er meinte, diejenigen, die die Flucht versuchten, im Klaren amit gewesen seien, was sie riskieren und deshalb seien sie nicht zu bemitleiden (sic!).

Erst spät erreichte Stefan Weinerts Werk Ungarn, hoffentlich wird es in kurzer Zeit auch auf ungarischen Fernsehkanälen zu sehen sein.

István Mayer

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