Die Verbundenheit mit der Vergangenheit ist kein Selbstzweck

Quelle: Neue Zeitung

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Deutsche aus Budapest in Sathmar und Semplin

Traditionelle Insel-Siedlungen des Deutschtums in Ungarn kennen lernen, Erfahrungen austauschen, neue Kontakte knüpfen: Das setzten sich die neu gewählten Abgeordneten der Deutschen Selbstverwaltung des Budapester XIII. Bezirkes zum Ziel, als sie Ende Oktober ihre dreitägige Studienreise antraten, die sie nach Sathmar und Semplin führte.

Besuch im deutschen Kindergarten in Trautsondorf (Foto: Gábor Katona)

Nach einem kurzen Trip über die Grenze nach Großkarol, dem einstigen Sitz der mächtigen Familie Károlyi, der die erste organisierte, großangelegte Ansiedlung der Schwaben in Ungarn zu verdanken ist, erreichten sie das Hauptziel des ersten Tages: Wallei/Vállaj. Hier erwartete sie Richard Tircsi, Abteilungsleiter für Nationalitäten im Ministerium für Humanressourcen, der stolz und sehr kundig durch sein Heimatdorf führte.

raditionelle Insel-Siedlungen des Deutschtums in Ungarn kennen lernen, Erfahrungen austauschen, neue Kontakte knüpfen: Das setzten sich die neu gewählten Abgeordneten der Deutschen Selbstverwaltung des Budapester XIII. Bezirkes zum Ziel, als sie Ende Oktober ihre dreitägige Studienreise antraten, die sie nach Sathmar und Semplin führte.

Nach einem kurzen Trip über die Grenze nach Großkarol, dem einstigen Sitz der mächtigen Familie Károlyi, der die erste organisierte, großangelegte Ansiedlung der Schwaben in Ungarn zu verdanken ist, erreichten sie das Hauptziel des ersten Tages: Wallei/Vállaj. Hier erwartete sie Richard Tircsi, Abteilungsleiter für Nationalitäten im Ministerium für Humanressourcen, der stolz und sehr kundig durch sein Heimatdorf führte. Dank der Vorbereitung durch Bürgermeister István Vilmos wurden die Gäste in der Begegnungsstätte der Deutschen Selbstverwaltung – ein originaltreu erneuertes stattliches Bauernhaus mit Scheune – von vielen einheimischen Interessenten erwartet. Den besonderen Anlass zur Begegnung gab die Neuvorführung des zweisprachigen Dokumentarfilms „Hát annak születtem“ von Johann Wolfart, einst Redakteur von „Unser Bildschirm“, der mit seinem Team im Herbst 1983 die fast schon versunkene Welt einer einst blühenden deutschen Kultur heraufbeschworen hatte. Wie stark die Wurzeln dieser Traditionen sind, wie sie auch heute, nach 30 Jahren weiterleben, zeigt sich nicht nur im geordneten Dorfbild, in den gepflegten Gärten, neu verputzten Fassaden, sondern auch in der Einstellung der Einwohner. Aus dem Gespräch mit dem Publikum, Nachkommen, Freunde, Nachbarn der Protagonisten des Filmes, Vertreter von drei Generationen, stellte sich heraus, dass die Verbundenheit mit der Vergangenheit kein Selbstzweck ist: Man besinnt sich gern darauf und schöpft aus dem positiven Ethos der Vorfahren Kraft und Ideen für die Gegenwart und die Zukunft, wie das die junge Abgeordnete der Deutschen Selbstverwaltung Zsuzsa Szolomájer unterstrich. Anschließend gab es noch Gelegenheit, den benachbarten Bauernhof zu besuchen, die Ausmaße, die architektonische Schönheit und die rationelle Struktur der Scheune wie auch des Bauernhauses zu bewundern.

Der zweite Tag gehörte der Perle des Sempliner Landes, dem wunderschön gelegenen, von Deutschen bewohnten Trautsondorf/Hercegkút. Dank der Vorbereitung durch die Notarin und Leiterin des Regionalbüros Dr. Enikő Stumpf konnte den Gästen aus Budapest, geleitet von der Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung Katalin Mayer-Katona ein vielseitiges Programm geboten werden. Die Vorsitzende der örtlichen Deutschen Selbstverwaltung, Frau Stumpf, und ihre Stellvertreterin, Frau Joósz-Naár, sowie Abgeordneter Franz Naár berichteten über die Ergebnisse in der Pflege und Bewahrung der Traditionen, die von den in Vereinen wirkenden Tanz- und Musikgruppen getragen werden. Da der örtliche deutsche Dialekt nur von den ältesten Dorfbewohnern aktiv gebraucht wird, ist es auch hier den Bildungseinrichtungen überlassen, die deutsche Hochsprache zu vermitteln, was in Trautsondorf im Nationalitätenkindergarten und in der Unterstufe der Grundschule geschieht – mit schönem Erfolg. Leider ist es bisher nicht gelungen, die Weiterführung des Spracherwerbs in einer Grundschule in Potok/Sárospatak, wo die Kinder die Oberstufe besuchen, zu erreichen. Trotzdem trägt die geleistete Arbeit der engagierten Pädagogen vor Ort ihre Früchte: Die Jugendlichen kehren jedes Wochenende heim und nehmen am kulturellen Leben als Mitglieder in den Vereinen aktiv teil, der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft ist weiterhin tragende Kraft und kann Garant für die Zukunft sein. Das behauptete auch Bürgermeister József Rák, der am Nachmittag dem Programm beiwohnte und mit Überzeugung von den erreichten Zielen sprach, wie auch über die Bedeutung der vielfachen Partnerbeziehungen der Gemeinde, so auch in deutschsprachigen Ländern.

Ein kurzer Besuch des Kindergartens überzeugte die Gäste, allen voran die neue Abgeordnete Eva Tüttő-Rácz, selbst Kindergärtnerin, die mit ihren Kolleginnen bestrebt ist, einen deutschen Nationalitäten-Kindergarten im XIII. Bezirk zu gründen, wie professionell und engagiert die Kleinsten des Dorfes betreut werden. Nach einer Führung in der rundherum erneuerten Kirche und der Vorstellung der lebendigen Glaubensausübung in der Gemeinde erlebten die Gäste im sonnigen Spätherbst das Einzigartigste, das Trautsondorf bieten kann: die beiden Kellerdörfer, Teile des Weltkulturerbes und einen Gang auf den Kalvarienberg, mit dem herrlichen Ausblick von der Kapelle. Zum Abschluss des Tages kam es im Naár-Keller, wo beim edlen Tropfen der Weinberge die geplante Vereinbarung über die Zusammenarbeit der beiden deutschen Selbstverwaltungen das Hauptthema war. NZ-Redakteurin Angela Korb, selbst Abgeordnete im VII. Bezirk der Hauptstadt und in der Landesselbstverwaltung, die aktive Teilnehmerin der Studienreise war, sprach anerkennend über die verschiedenen Publikationen, die zur Bewahrung des Kulturerbes und zur Förderung der Identität beitragen.

Am dritten Tag besuchte die Gruppe die Sehenswürdigkeiten der historischen Stadt Potok und stattete der ungarndeutschen Gemeinde Ratka noch einen kurzen Besuch ab, wo ihnen beim Spaziergang im Dorf vorwiegend von der wechselvollen Geschichte des Dorfes, insbesondere im 20. Jahrhundert, berichtet wurde.

Mária Wolfart-Stang

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