Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum – Die Ausgezeichneten des Jahres 2015

Quelle: LdU

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Im Rahmen der Landesgala der Ungarndeutschen wurde die höchste Auszeichnung der Ungarndeutschen, die Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum an drei Persönlichkeiten überreicht.

Die Auszeichnung kann jedes Jahr Ungarndeutschen, anderen ungarischen Staatsbürgern sowie Ausländern verliehen werden, die:

  • im Interesse der Ungarndeutschen eine hervorragende Tätigkeit geleistet haben,
  • durch ihre Tätigkeit in Ungarn oder im Ausland zur Bewahrung der Sprache, des materiellen und geistigen Kulturerbes, der historischen Tradition des hiesigen Deutschtums und zur Förderung anderer Spezifika, die mit der Existenz als Nationalität zusammenhängen, beigetragen haben.

10887427_779595345452878_4825322721469281264_o

Die Auszeichnungen erhielten dieses Jahr:

Dr. Elisabeth Knáb

Dr. Elisabeth Knáb ist aufgrund ihrer vielfältigen Tätigkeit im Nationalitätenbereich eine landesweit bekannte und geschätzte Person. Sie wurde in Nadwar in der Batschka geboren.

Die Grundschule besuchte sie in ihrem Heimatdorf. Ihr Weg führte anschließend nach Baja, an das Leo Frankel deutschsprachige Gymnasium, und von dort zum Germanistik- und Geschichtsstudium in die damalige DDR. In Nadwar, im Elternhaus, in der Gemeinschaft der Ungarndeutschen im Dorfe, in einem „schwäbischen“ Milieu hat sie die Liebe und Ehrfurcht zu dieser Sprache und Kultur in sich aufgesogen, jene Ehrfurcht, die sie ein Leben lang mit sich trägt. Wohin auch immer sie das Leben verschlagen hat, zog es sie immer wieder zurück in die Batschka, wo sie ihre Träume und Vorstellungen über ein Ungarndeutsches Bildungszentrum in die Realität umgesetzt hat. Ein Bildungsinstitut, in dem ein hochqualifiziertes und international anerkanntes Modell der europäischen Bildungsintegration durch ihre Leitung verwirklicht wurde, an dem gleich zwei Abiturzeugnisse den Schülern ausgehändigt werden können, an dem sehr viel auf die Vermittlung von Nationalitäteninhalten gesetzt wird, wo das Nationalitätenbewusstsein der Schülerinnen und Schüler von hochqualifizierten und überzeugten Lehrern aufgebaut und weiterentwickelt wird.

10506883_779594475452965_4605293213650876705_o

Als Diplomgermanistin hatte sie mehrere Lehrbücher für den Hochschulbereich verfasst. Sie promovierte an der Universität in Pécs zu einem dialektologischen Thema. Sie organisierte zahlreiche Fort- und Weiterbildungen für Lehrerinnen und Lehrer. Sie war immer bestrebt, gut qualifizierte Deutschlehrerinnen und –lehrer als Multiplikatoren auszubilden. Dies geschah an der Hochschule in Baja, an der Uni in Pécs und in Budapest, und zuletzt am UBZ.

Zwischen 1999 und 2014 wirkte Frau Dr. Knáb als stellvertretende Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Es ging ihr auch hier, wie in allen Bereichen ihres Lebens, immer um die hohe Qualität, um das Ganze, das sie mit ihrem Weitblick immer ins Auge fasste, weil sie nicht nur an die Gegenwart, sondern vielmehr an die Folgen und Auswirkungen des Handelns zu denken pflegt.

Auch ihre Tätigkeit als Bürgermeisterin ihres Heimatdorfes bereicherte sie mit neuen Erfahrungen.

Auch zurzeit bekleidet sie einen überaus verantwortungsvollen Posten: sie leitet das Personalwesen von AUDI Győr.

Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen bedankt sich bei Frau Dr. Elisabeth Knáb für diese äußerst vielfältige Tätigkeit, das Engagement und die Mühe mit der „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“. Frau Dr. Knáb möchte die Geldprämie der Zeitschrift „Batschkaer Spuren” spenden.

Herzlichen Glückwunsch!

Gespräch mit Dr. Elisabeth Knáb >>>

Prof. Dr. Gerhard Seewann

Prof. Dr. Gerhard Seewann widmete sein auf mehrere Jahrzehnte zurückblickendes Lebenswerk der historischen Minderheitenforschung, der geschichtlichen Erschließung des multiethnischen Zusammenlebens in Ungarn und dem Karpatenbecken sowie der Erforschung der Geschichte der Deutschen in Ungarn. Seine sich ab den 1970er Jahren entfaltete fachliche Betätigung bereicherte einerseits die bundesdeutsche und westeuropäische Geschichtsschreibung, andererseits brachte sie eine neue Sichtweise in die Länder des südlichen Mitteleuropas zu einer Zeit, in der nur eine offizielle, den tatsächlichen historischen Ereignissen und Prozessen sich verschließende „Parteigeschichtswissenschaft“ existierte.

10622923_779594538786292_5302698576966124864_n

Seit der Wende spielte Gerhard Seewann weiterhin eine wichtige Rolle dabei, dass die von ihm vertretene objektive, von Vorurteilen befreite Sichtweise auch in der ungarischen Historiografie immer mehr Wurzeln schlug. Als Höhepunkt dieser schöpferischen Tätigkeit ist anzusehen, dass er als erster die Synthese der Geschichte der Deutschen bieten konnte, deren zwei Bände 2012 erschienen sind. Es ist ein Handbuch umfangreichen Wissens zum Thema, eine Alternative zur ungarischen Nationalgeschichtsschreibung, aber auch ein Angebot an die Deutschen in Ungarn, sie als Basis zu ihrer Identität zu benützen.

Gerhard Seewann arbeitet im Moment an einem Schulbuch für die deutschen Nationalitätenschulen Ungarns und der Nachbarländer, sowie an einem Internetportal, das jedem Interessenten zur Verfügung stehen wird. Er leistete mit seinen Vorträgen und Tagungsteilnahmen ebenfalls eine wertvolle Tätigkeit. Durch seine wissenschaftlichen Veranstaltungen führte er die Wissenschaftler Deutschlands und der südosteuropäischen Region zusammen, und verhalf sie aufgrund der fachlichen und menschlichen Annäherung zu einem erfolgreichen Austausch.

Dank seines Einsatzes konnten die Deutschen in und außerhalb Ungarns wieder eine Perspektive in der eigenen Geschichte erblicken, sich von den Krämpfen der vorausgehenden Zeit befreien, aus dem Zustand der Zweitrangigkeit heraustreten und ihre Identität weiter verstärken.

Gerhard Seewann ist auch in der Gegenwart engagierter Vorreiter des gegenseitigen Dialogs, des Kennenlernens und des Abbaus der Vorurteile in Deutschland und im südöstlichen Mitteleuropa.

Er ist 70 Jahre alt geworden, aus diesem Grund beendete er seine institutionelle wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Pécs.

Wir wünschen Herrn Prof. Dr. Seewann noch viele gesunde und aktive Jahre und gratulieren ihm ganz herzlich zur Ehrennadel.

Gespräch mit Prof. Dr. Gerhard Seewann >>>

Martha Stangl

Martha Stangl ist eine anerkannte Journalistin, die sich während ihrer ganzen Laufbahn für die Nationalitäten einsetzte. Sie ist in einer ungarndeutschen Familie in Fünfkirchen geboren, in der sie Sprache und Traditionen der deutschen Nationalität kennen lernte.
Nach ihrem Deutsch- und Biologiestudium an der Pädagogischen Hochschule in Fünfkirchen absolvierte sie die Journalistenschule des Ungarischen Journalistenverbandes, und begann 1975 als freie Mitarbeiterin beim Regionalstudio des Ungarischen Rundfunks zu arbeiten. Ab 1980 war sie Moderatorin und Redakteurin des ungarndeutschen Magazins „Unser Bildschirm“ des Ungarischen Fernsehens. Ihre Arbeit erledigte sie stets kompetent, gewissenhaft, offen und sehr einfühlsam. Das Vorstellen alten Handwerks, die Thematisierung von Lebensgeschichten und die Bewahrung der Werte der deutschen Nationalität lagen ihr besonders am Herzen.

1622819_916691738340933_9195118545381860462_n

Sie hatte eine besondere Art, Themen aufzugreifen, zu bearbeiten, und sie recherchierte mit viel Umsicht. Dadurch weckte sie nicht nur die Sympathie ihrer Interviewpartner, sondern auch die der Fernsehzuschauer. In ihren Berichten und Interviews ertönte sowohl die deutsche Sprache, als auch die Mundart auf hohem Niveau. Dank ihrer Arbeit sind im Archiv von „Unser Bildschirm“ unwiederholbare Momente in Form von Dokumentarfilmen und Beiträgen zu finden: so zum Beispiel der Film über die Martinikirmes in Großnarad, Portraits über Miklós Manninger, Paul Umenhoffer, Robert König oder über den Jinker Gastlehrer Gerald Hühner. Der Film über die Architektur in Polan, ihre zahlreichen Aufzeichnungen von niveauvollen Darbietungen führender ungarndeutscher Volkstanzgruppen und Musikformationen, und auch ihre Dorfsoziologien – von Farkasgyepü über Waschludt, Großnarad, Taks bis Wakan oder Khascha – lagen ihr besonders am Herzen.

Ab 2000 übernahm sie auch die Aufgabe der verantwortlichen Redakteurin der Sendung „Gemeinsam“/„Együtt“ und redigierte interethnische und interkulturelle Sendungen hervorragend.

Martha Stangl trug durch ihr Schaffen enorm dazu bei, dass die Nationalitäten in Ungarn – und insbesondere die Ungarndeutschen – in weiten Kreisen bekannt geworden sind. Für ihre Reportagen bzw. für ihre journalistische Tätigkeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, beispielsweise den Preis „Kamera Hungaria“, den Ritterkreuz der Republik Ungarn oder den Ungarndeutschen Medienpreis.

2011 verließ sie zwar das Ungarische Fernsehen, aber für ihre ehemaligen Kollegen blieb sie weiterhin eine kompetente und hochqualifizierte Ansprechpartnerin.

Liebe Frau Stangl, wir wünschen auch Ihnen alles Gute und gratulieren Ihnen zur Auszeichnung!

Gespräch mit Martha Stangl >>>

XIX. Landesgala der Ungarndeutschen >>>

Die Preisträgerinnen des Valeria-Koch-Preises 2015 werden vorgestellt >>>

Fotogalerie des Zentrums >>>

Die offiziellen Fotos von der Veranstaltung >>>

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2019 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo