Zur Zukunft der Ungarndeutschen: Symposium im Haus der Ungarndeutschen

Quelle: Zentrum

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Am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen wurde nicht nur über die Vergangenheit gesprochen. In Kooperation von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und dem Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum fand im Haus der Ungarndeutschen ein Symposium darüber statt, wie die Zukunftschancen der Volksgruppe aussehen.

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Beim voll besetzten Veranstaltungssaal begrüßte als Erste Zentrum-Direktorin Monika Ambach die Anwesenden, insbesondere den Ehrengast des Abends, Hartmut Koschyk, den Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Frank Spengler, den Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung, Otto Heinek, den Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Honorarkonsulin Dr. Susanne Gerner, Miklós Soltész, den Staatssekretär für die Beziehungen zu den Kirchen, zu den Volksgruppen und zur Zivilgesellschaft und Imre Ritter, den Fürsprecher der deutschen Nationalität im ungarischen Parlament.

In seiner Einleitung erzählte Otto Heinek, dass beim Planen der Veranstaltung von Anfang an klar gewesen sei, dass man etwas bezüglich der Jugend organisieren wolle. „Es ist selbstverständlich, dass der Verschleppung und Vertreibung gedacht werden soll, aber Identität kann nicht auf Tragödien basieren”

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Frank Spengler stellte in seiner Rede kurz Hartmut Koschyk vor, und erinnerte an die Wichtigkeit der Frage der Identität und des friedlichen Nebeneinanderlebens der Minderheiten. Die ethnische Vielfalt sieht er nicht als Drohung, sondern als eine Chance. Durch die Minderheiten könne man kulturelle Brücken zwischen Ländern aufbauen.

Staatssekretär Miklós Soltész wies auf die Parallelität zwischen den Csángó-Ungarn und den Ungarndeutschen hin. Beide Volksgruppen hätten eine doppelte Identität – sie seien in der Mehrheitsgesellschaft integriert, aber bewahren ihre Sprache und Kultur. Soltész meint, dass die Zukunft einer Nationalität auf drei Ebenen entschieden werde: Auf die Ebene der Familie, der kleineren Gemeinschaften und des Staates. Er betonte, dass ein starkes Europa man auch die Minderheiten benötige.

Hartmut Koschyk beantwortete die Frage, ob die Ungarndeutschen eine Zukunft hätten, eindeutig mit Ja. Er sprach über das Trauma der Verschleppung und Vertreibung: Fast genauso schwer sei es gewesen dass die Opfer nicht darüber sprechen durften, und so die Ereignisse nicht vollständig verarbeiten konnten. Ungarn und Deutschland müssten wegen ihrer Vergangenheit besonders sensibel gegenüber Intoleranz sein, und man dürfe nicht noch einmal die Entstehung einer Diktatur erlauben. In dieser Frage dürfe man nicht pragmatisch, sondern von einem Sendungsbewusstsein geführt handeln. Koschyk ehrte die Arbeit der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen und kritisierte die EU, dass sie sich nicht genug mit der Minderheitenproblematik auseinandersetze. Er bezeichnete Ungarns minderheitenrechtliche Regelungen als beispielhaft, obwohl sie selbstverständlich noch verbessert werden können. Die größte Herausforderung bei den Minderheiten lege nach dem Beauftragten der Bundesregierung an der Bildung. Es sei vorteilhaft, wenn man in zwei Kulturen zu Hause ist. Es sei wichtig, dass man die Jugend ihren eigenen Weg gehen lässt, und man dürfe die neuen Bedürfnisse der „Web 3.0-Generation” nicht außer Acht lassen.

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 Nach der Rede von Hartmut Koschyk folgte die Diskussionsrunde. Die Teilnehmer waren  Kinga Gáspár, Tekla Matoricz, Éva Priegl, Emil Koch und Gábor Werner. Frau Gáspár und Herr Koch sind Mitglieder der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), Frau Matoricz ist Vorsitzende der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU), Frau Priegl und Herr Werner sind Mitglieder vom Verein für Ungarndeutsche Kinder (VUK). Moderatorin des Gesprächs war Monika Ambach.

Den Zuhörern der Diskussion wurden die Tätigkeiten der Organisationen vorgestellt. Die GJU, die vor kurzem ihr 25jähriges Jubiläum feierte, fokussiert auf Kinder zwischen 10 und 14 Jahren bzw. junge Erwachsenen. Die Zielgruppe vom VUK sind die Kleinsten und die Familien mit Kleinkindern. Zur Zeit kooperieren die beiden Institutionen nicht, was aber wahrscheinlich nicht so bleibt. Die Gesprächspartner waren einig, dass das Ansprechen der Jugendlichen im Mittelschulalter auch noch heutzutage ein immer wiederkehrendes Problem sei.
Es wurde letztes Jahr ein Jugendausschuss in der LdU gegründet, dessen Aufgabe unter anderem die Erarbeitung einer Strategie zur Koordination von Jugendinstitutionen sei, sagte Emil Koch. Bei der Kommunikation mit den Jugendlichen sei die Benutzung der Online-Medien essentiell, das haben die Vertreter der anwesenden Institutionen schon erkannt. Leider sind einige ihrer Webseiten nicht mehr up-to-date, aber man plant sie aufzufrischen. Es wurde auch darüber geredet, wie wichtig es ist, dass die ungarndeutschen Eltern mit ihren Kindern Deutsch sprechen sollten: vieles hänge selbstverständlich von der einzelnen Familiensituation ab.

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Monika Ambach stellte am Ende der Diskussion Hartmut Koschyk die Frage, was er den Jugendlichen raten würde, damit sie ihre Interessen mehr durchsetzen können. Der Bundesbeauftragte meinte, dass das Wichtigste sei, ihnen den Rahmen für die Pflege der Identität, Sprache und Kultur zu sichern. Die ungarndeutschen Jugendlichen seien seiner Meinung nach auf dem richtigen Weg.

István Mayer

Am Symposium waren Vertreter unterschiedlicher Medien präsent. Unter anderem berichtete die Nachrichtensendung von m1 noch am selben Tag über das Ereignis. Hier können unsere Leser einen Teil der Rede vom Staatssekretär Miklós Soltész anschauen/anhören. Das Video hat die Ungarische Regierung auf YouTube hochgeladen.


Video: kormany.hu, Magyarország Kormánya YouTube-Kanal

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