Ein Leben für Sprache und Kultur

Quelle: Neue Zeitung

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Katharina Szabó, eine bestimmende Persönlichkeit des ungarndeutschen Bildungswesens, ist gestorben

Kaum haben wir Theresia Klinger in Tarian am 7. März unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen, ist eine weitere bestimmende Persönlichkeit des ungarndeutschen Bildungswesens, Katharina Szabó (Kreisz) in Taks von uns gegangen. Sie stand ihr ganzes Leben lang im Dienste der Schule, des Deutschunterrichts, der Weitergabe der ungarndeutschen Traditionen an die Kinder.

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Sie hat in Taks den deutschen Nationalitätenunterricht 1968, den zweisprachigen Unterricht 1989 eingeführt. 1976 wurde sie Fachinspektorin der deutschen Nationalitätensprache in den Komitaten Pesth und Naugrad.

Katharina Kreisz wurde am 28. März 1942 in Taks geboren. Als kleines Kind erlebte sie, wie die Verwandten aus dem Heimatort vertrieben wurden (lesen Sie die Geschichte unten). Sie studierte von 1956 bis 1960 an der Teleki-Blanka-Lehrerbildungsanstalt in Fünfkirchen, wo alle Fächer auf Deutsch unterrichtet wurden. In der Schule befasste sie sich viel mit der Erforschung von Traditionen, mit Mundarten und sammelte Volkslieder. Diese Ausbildung absolvierten in Ungarn insgesamt 36 Studierende. 1961 machte sie ein Praktikumsjahr, erwarb das ungarisch-deutsche Diplom für Unterstufenlehrer. 1971-73 studierte sie Deutsch als Nationalitätensprache auf Lehramt an der Hochschule für Lehrerbildung in Fünfkirchen und 1988/89 an der Budapester ELTE. Sie hat ihre Diplomarbeit zum Thema „Angaben zur Siedlungsgeschichte und Volkskunde des Dorfes Taksony“ geschrieben und dazu viel Stoff über Takser Traditionen, Bräuche gesammelt. Sie war in Taks vielleicht die einzige, von der man die Mundart noch erlernen konnte. Die Bräuche sammelte sie bei Familienmitgliedern, Nachbarn, älteren Mitbewohnern, Mitgliedern des Chores. Sie hat Lieder und Geschichten auf Tonband aufgenommen. Zur Siedlungsgeschichte recherchierte sie im Landesarchiv und im Archiv des Komitats Pesth.

Sie nahm an zahlreichen Fortbildungsmaßnahmen in Deutschland und Ungarn teil. Von 1960 bis 2000 betätigte sie sich als Deutschlehrerin an der Nationalitäten-Grundschule Taks, ab 1974 stand sie der Arbeitsgemeinschaft für Deutsch vor. Seit 1976 war sie Fachinspektorin der Komitate Pesth und Naurad. Sie leitete zahlreiche Weiterbildungen in Didaktik und Methodik für Lehrer und Kindergärtnerinnen im Bereich Deutsch als Nationalitätensprache. Ab 1986 war sie Beraterin und Jurymitglied bei vielen Fachwettbewerben. Nach 1989 beteiligte sie sich an der Umschulung von Russischlehrern. 1997 wurde sie ins nationale Expertenregister aufgenommen. Sie organisierte Arbeitsgemeinschaften für Deutschlehrer auf Komitats- und Kreisebene. Mehrere Schüler und Schülerinnen von ihr wurden Deutschlehrer. Der zweisprachige Unterricht wurde durch ihre Mitwirkung im Komitat Pesth zuerst in Taks eingeführt. Sie lektorierte zahlreiche Lehrbücher für Deutsch als Nationalitätensprache, gab Lehrpläne heraus und betreute Hörmaterialien für den Sprachunterricht. Sie bearbeitete für die Oberstufe der Grundschule den gesamten Grammatikstoff in Form von Arbeitsblättern.

Auch in ihrer minderheitenpolitischen Tätigkeit setzte sie sich stets für den Deutschunterricht und die Pflege der Traditionen ein. In diesem Sinne arbeitete sie ab 1963 als Mitglied des Landesausschusses (später Landesrates) des Demokratischen Verbandes der Deutschen in Ungarn und in seinem Bildungsausschuss mit. Sie gründete den Freundeskreis von Taks und nahm an der Einrichtung des Takser Heimatmuseums teil. 1994 wurde sie zum Mitglied der örtlichen deutschen Minderheitenselbstverwaltung gewählt. Sie sang bis zuletzt im örtlichen Chor mit und bereitete sich mit Freude auf das 20-jährige Bestehen des Frauenchores vor.

Sie wurde für ihre Verdienste öfters ausgezeichnet: Ministerielles Lob, Ehrenurkunde des Ministerrates der Volksrepublik Ungarn, Silbermedaille der Liga für Völkerfreundschaft der DDR. 2012 dankte ihr die Heimatgemeinde für ihre vorzügliche Arbeit mit dem Lebenswerkpreis.

In ihrer Freizeit widmete sie sich dem Garten und der Handarbeit und löste gerne Kreuzworträtsel. Im geliebten Garten fand man sie am 10. März tot auf. Sie wurde am 24. März auf dem Friedhof ihres Heimatortes zu Grabe getragen.

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