Ungarndeutsche Schicksale: Dokumentarfilme und Gespräch

Quelle: Zentrum

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Zwei bewegende Dokumentarfilme von Gábor László wurden am 25. März im Haus der Ungarndeutschen vorgeführt. In der Spalte Auf dem Teppich der Reihe Zentrum-Programme im HdU führte Direktorin Monika Ambach ein Gespräch mit Gábor László, dem Schöpfer der Filme.

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Besonders dramatische und berührende Ereignisse stehen im Mittelpunkt der an der Veranstaltung gezeigten Filme: beide behandeln tragische Zeiten der ungarndeutschen Geschichte. Der erste, mit dem Titel Ez volt a sorsom (Das war mein Schicksal) beschäftigt sich damit, was die Bewohner von Kapeln/Kápolnapuszta 1944 von den sowjetischen Besatzern erleben haben mussten, der zweite – Isten veled, hazánk! (Gott mit dir, unsere Heimat!) behandelt die Vertreibung aus Bogdan/Dunabogdány.

Kapeln liegt im Komitat Fejér neben Gánt. Heute ist es ein Geisterdorf: nur einige Ruinen der einstigen schwäbischen Gemeinde stehen noch. Das Schicksal erreichte sie Ende 1944 mit der „befreienden” sowjetischen Armee. Viele Soldaten kamen in den Kämpfen und auf den Straßen des Dorfes um, aber das Schlimmste lag noch vor den Bewohnern: Die Russen schonten die Zivilbevölkerung auch nicht. Kaltblütige Morde folgten, die Opfer durften nicht einmal beerdigt werden. In dem Film erinnern sich Zeitzeugen an die damaligen Ereignisse. Sie alle mussten ihr Heimatdorf verlassen. Einer von ihnen sagte, nach all dem Erlebten würde er nicht mehr wiederkehren wollen. Heute erinnert nur eine 1993 errichtete Gedenktafel an die Grausamkeiten, aber die einstigen Kapelner werden sie nie vergessen.

Zwischen den zwei Vorführungen befragte die Gastgeberin des Abends den Regisseur über die Entstehung der Filme. Gábor László erzählte, dass er auch schwäbischen Hintergrund habe, da seine Großeltern, mit denen er als Kind viel Zeit verbrachte, aus Tscherwenka/Cservenka in der Batschka stammten. Als er mit dem Filmemachen anfing, merkte er, dass lediglich wenige Werke das ungarndeutsche Schicksal behandeln. Bei dem Ungarischen Fernsehen, wo er auch heute arbeitet, hat er einen Kollegen aus Bogdan, der ihn auf das Thema Vertreibung aus Bogdan aufmerksam gemacht hatte. Über Kapeln habe er aus der Fernsehreihe Sírjaik hol domborulnak? erfahren.

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Gábor László bewarb sich mehrmals um die Finanzierung der Projekte zu sichern, leider aber ohne Erfolg. Da es wegen des Alters der Zeitzeugen wir in den letzter Stunde sind, fertigte er die Filme aus eigener Kraft, mit Hilfe seiner Familie und Freunde an. Er widmete dieser Arbeit einen Großteil seiner Freizeit. Bevor den Dreharbeiten gab es wenig Möglichkeiten zum Recherchieren, folglich musste manchmal improvisiert werden, zum Beispiel als einer der Bogdaner Zeitzeugen im letzten Moment das Interview absagte. Selbstverständlich berührten die bearbeiteten Ereignisse auch ihn, er drückte sich aus, er habe während der Nacharbeiten in einer anderen Welt gelebt.

Der Regisseur rief alle auf, die ähnliche Erinnerungen aus der Epoche dieser Ereignisse haben, sich bei ihm zu melden, damit diese aufgenommen und für die Zukunft – möglicherweise in Form weiterer Filme – aufbewahrt werden.

Nach dem Gespräch wurde das Programm mit der Vorführung des mehrmals an Filmfestivals gezeigten Dokumentarfilms Isten veled, hazánk! (Gott mit dir, unsere Heimat!) fortgesetzt. Laut der im Werk befragten Zeitzeugen habe es in Bogdan niemals Konflikte zwischen den Nationalitäten gegeben. Die ganze Vertreibung sei dort in anderthalb Tagen abgelaufen: Ende August 1947 seien 900 Ungarndeutsche aus der Ortschaft abtransportiert worden. Sowohl die Vertriebenen als auch die Dagebliebenen erwarteten schwere Zeiten. Ersteren drohte Hungersnot und sie quälte Heimweh, während die Letzteren viele ihrer Rechte verloren.

Anna Perczel (geb. Knad), wurde ebenfalls vertrieben, siedelte aber 1989 nach Ungarn zurück. Sie sprach darüber, dass sie auch in Deutschland immer wieder nostalgisch an ihre ungarische Heimat erinnert habe, und sie in ihren Schularbeiten wenn möglich über Ungarn geschrieben. Ferenc Bonifert, dessen Familienangehörige und Verwandte ihr Heimatort verlassen mussten meinte, es sei falsch über Aussiedlung zu sprechen: den Vertriebenen sei in Wirklichkeit ihre Heimat weggenommen worden.

István Mayer

(Die Filme sind in der Ungarndeutschen Bibliothek vorzufinden.)

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