Die Staatsgründung

Quelle: Zentrum

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Die 1100 Jahre der deutsch-ungarischen Kontakte Teil 1

Die Geschichte des ungarischen und des deutschen Volkes ist tausendfach verknüpft. In unserer neuen Reihe möchten wir einige Episoden dieser Beziehungen erleuchten. Als Erstes nehmen wir die Epoche der Landnahme und der Staatsgründung unter die Lupe.

Das Magyarentum tritt mit den über Westtransdanubien herrschenden Franken als Erstes unter den deutschsprachigen Völkern in Verbindung. In der Zeit der Streifzüge wurde in erster Linie das Leben der deutschen Staaten von den Pfeilen der Ungarn erbittert, bis zu den schweren Niederlagen im Jahre 933 bei Merseburg und 955 bei Augsburg. Es ist weniger bekannt, dass die Plünderungsstreifzüge mit diesen nicht endeten, nur andere Richtung nahmen. Aber 970 bei Arkadiopolis brachte auch Byzanz die Ungarn zu einem Halt, so dass Fürst Taksony neue Wege suchen musste, damit die Katastrophe verhindert werden konnte. Eingeengt zwischen den zwei Großmächten, Byzanz und dem jungen Deutsch-Römischen Reich, musste das Land ein Bündnis schließen.

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Die Wahl zwischen Ost und West war nicht eindeutig. Géza, der Sohn von Taksony stimmte für Westen: 973, auf dem Reichstag in Quedlinburg verlangte er Priester für die Bekehrung der Magyaren. Die meisten Missionare kamen – wegen seiner geographischen Nähe – aus dem Bistum Passau, aber die Tätigkeit von Bruno von Sankt Gallen ist auch bekannt: er taufte selbst Géza. Waik, späterer König Stephan der Heilige wurde erst um 994, wie die Überlieferung besagt, vom Bischof Adalbert getauft.

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Neben der Annahme des christlichen Glaubens dienten auch die dynastischen Verbindungen der Stabilität. Stephans Frau Gisela, Schwester des späteren Kaisers Heinrich, wollte ursprünglich Klosterfrau werden, aber die Politik änderte ihre Pläne. Zur Zeit ihrer Eheschließung im Jahre 996 war das Verhältnis zwischen dem Reich und Ungarn noch nicht geklärt. Letzteres hätte noch ein Vasall des Kaisers werden können, aber Stephan wählte einen anderen Weg. Er ersuchte Papst Sylvester II. um die Krone, die an der Wende von 1000 und 1001 auf seinen Kopf gesetzt wurde. Seine königliche Lanze erhielt er von Otto III., die seine weltliche Macht symbolisierte.

Neben den Kirchenleuten kamen auch Siedler ins Land. Die Nachfahren der sogenannten Hospites waren stolz auf ihre deutsche Herkunft, zur Zeit der Árpáden gilt die als vornehm. Im Gesta Hungarorum unterstellte Anonymus – der nicht von seiner Glaubwürdigkeit bekannt ist – vielen seiner Zeitgenossen, die er in gutem Licht erscheinen lassen wollte, deutsche Ahnen. Stephans Ungarn war ein Gastland, dies betonen auch die an seinen Sohn Imre richteten Mahnungen: die ungarische Gastfreundschaft war bereits im Mittelalter ein Begriff.

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Die außenpolitische Stabilität des ungarischen Staates war also garantiert, doch die inneren Gegner mussten besiegt werden. Die Angehörigen der alten Elite nahmen die neue Herrschaft nicht an, Stephan musste mit ihnen abrechnen. Der Kampf hätte ohne der deutschen militärischen Unterstützung nicht erfolgreich sein können. Gegen Koppány, dem Herrscher der Schomodei wurde das königliche Heer von Vecellin geführt, er war derjenige, der Koppány tötete. Die Namen von den Rittern Hont, Paznan und Orci sind auch erhalten geblieben, sie wurden für ihre Dienste mit wertvollen Besitztümer beschenkt.

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Seinen Sohn benannte Stephan nach seinem Schwiegervater und Schwager, den Namen Heinrich „magyarisierte” er als Imre. Die deutsch-ungarischen Beziehungen waren bis zum Tod Heinrichs II. gut, aber der neue Kaiser, Konrad II. tritt aggressiv auf. 1030 führte er einen Feldzug gegen Ungarn. István benutzte die Taktik der verbrannten Erde und besiegte damit die Deutschen: So blieb die Souveränität des Landes erhalten.

Der ungarische Staat hätte ohne die Unterstützung des Heiligen Römischen Reiches nicht konsolidiert werden können, sowohl die Heiratspolitik als auch die militärische Hilfe war für die Sicherung von Stephans Herrschaft nötig. Ohne die deutschen Priestern wäre das Land nicht christlich geworden, die Rolle der Hospites war unerlässlich in der Stabilisierung und Entwicklung Ungarns. Obwohl das ungarische Herrscherhaus später mit dem Kaiser oft in Gegensatz geriet, soll man nicht vergessen welche Rolle das Schwert und das Kreuz der Deutschen in der Gründung des ungarischen Staates gespielt hatte.

István Mayer

Magyarwechsle die Sprache

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