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Quelle: Neue Zeitung

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Erlebnisbericht ungarndeutscher Studierender über ihr Auslandssemester in München

Das Auslandssemester bedeutet im Leben eines Studenten moderner Sprachen und Kulturen immer etwas Besonderes, Einmaliges und Gewinnbringendes. Eben deshalb verlangt es lang dauernde Vorbereitungen in Bezug auf einen längeren Aufenthalt in einem bis dato fremden Land. Bei uns dreien kam es dennoch anders.

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Erst im September 2014 wurde uns von den Lehrkräften des Germanistischen Instituts der ELTE Bescheid gegeben, dass wir die Möglichkeit hätten, das Semester in München zu verbringen – die Entscheidung musste nun schnell getroffen werden. Binnen eines Monats saßen wir alle schon in den Vorlesungen an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Die meisten unserer Kommilitonen fahren dank dem europaweiten Erasmus-Programm für ein halbes Jahr ins Ausland. In unserem Fall handelte es sich aber um einen Rahmenvertrag, geschlossen zwischen der Internationalen Forschungsstelle für Mehrsprachigkeit (IFM) der LMU und dem Germanistischen Institut der ELTE, gefördert durch Mittel des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Im Programm „Förderung der deutschen Minderheiten Europas“, durften drei Germanistikstudentinnen und -studenten mit Schwerpunkt Deutsch als Minderheitensprache an der ELTE – Rebeka Berzéki, Izabella Bíró und Zoltán Varga – das Wintersemester 2014/15 an der LMU, immatrikuliert in Deutsch als Fremdsprache, absolvieren.

An der LMU wurden wir in die Tätigkeit der IFM integriert. Die erst anderthalb Jahre alte Forschungsstelle unter der Leitung von Frau Professorin Claudia Maria Riehl will in unserer globalisierten Welt sowohl die individuelle als auch die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit erforschen, fördern und unterstützen; dazu nutzt sie unter anderem auch ausländisches Potential. Bilanzierend zwischen Theorie und Praxis belegten wir aus diesem Zwecke solche Lehrveranstaltungen wie Psycholinguistik, Zweitspracherwerb oder eben Varietätenlinguistik, welche nicht nur der künftigen Laufbahn angehender Lehrer des Deutschen als Fremdsprache dienen, sondern auch in den sprachwissenschaftlichen Beschäftigungen mit der ungarndeutschen Minderheit anwendbar sind. Besonders herzerfreuend war das Interesse seitens der Mitarbeiter (von Frau Riehl und ihrer Kollegin Frau Julia Meyer) der IFM an der ungarndeutschen Minderheit, das sich in offenen Fragen innerhalb der einzelnen Vorlesungen artikulierte. In den Kursen tauchten ungarndeutsche Beispiele immer wieder auf, eingebettet in deutsche Sprachvarietäten in Osteuropa oder eben in der Mehrschriftlichkeit, bei denen auf die uns bekannten Wissenschaftlernamen bezogen wurde. Die IFM organisierte des Weiteren am 28. Jänner 2015 einen
Plenarvortrag, in dem Frau Knipf, Frau Erb und Frau Müller von der ELTE ihre Ergebnisse in Bezug auf die Sprachsituation und das Schulwesen der Ungarndeutschen bekannt gaben.

Da zwei von uns gerade ihre Abschlussarbeiten sichten, nutzten wir auch die Gegebenheiten deutscher Bibliotheken aus. Sie haben den enorm großen Vorteil ungarischen Bibliotheken gegenüber (außer dem riesengroßen Vorrat an wissenschaftlichen Publikationen), dass sie bis in den späten Abend geöffnet sind. Was aber die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ihrer Kollegen angeht, könnten sie sich aufgrund unserer subjektiven Beobachtung etwas von unseren heimischen Sammlungen abgucken.

An den Wochenenden unternahmen wir Ausflüge in und rund um München. Wir konnten nach Berlin fliegen zu den Jubiläumsfeierlichkeiten um den Mauerfall vor 25 Jahren. Zwei von uns absolvierten ihre Praktika in ihren Nebenfächern: Rebeka unterrichtete Kindern Sport, Zoltán brachte Studierenden am Institut für Finnougristik/Uralistik Ungarisch bei.
Wir versuchten unser Auslandssemester trotz aller Schwierigkeiten sinnvoll zu gestalten, die deutsche Alltagskultur mitzuerleben und uns inter- und multikulturell zu entwickeln. Peirisch redn mia no ned, aber wir lernten das Gefühl des „Mia san dahoam“-Seins kennen, wofür wir unseren Dozentinnen, Frau Prof. Dr. Elisabeth Knipf, Frau Dr. Maria Erb und Frau Dr. Márta Müller, weiterhin den Kolleginnen der IFM, insbesondere Frau Prof. Dr. Riehl und Frau Meyer sehr-sehr dankbar sind. Der Rahmenvertrag zwischen den zwei Instituten läuft weiter, somit werden andere Kommilitonen ihre Erlebnisse mit uns teilen.

Z. V.

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