Mutter der Chöre

Quelle: Neue Zeitung

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Gedenktafel an Margarethe Kelemen in Schaumar

Von der Schaumarer Musiklehrerin Frau Margarethe Kelemen (Gréti néni) hörte ich zum ersten Mal in meiner Kindheit, in den 60er Jahren, als ich noch die Grundschule in Wudigess besuchte. An dem jährlich organisierten Chorwettbewerb hat der Schaumarer Kinderchor auf Komitatsebene fast immer den ersten Platz belegt, so konnten die Schaumarer Schüler als Belohnung 10 Tage in Csillebérc, im Jugendlager verbringen. Ihre Chorleiterin war Gréti néni.

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Ungefähr 42 Jahre später, als wir mit Frau Maria Milbich-Tallér bei einem persönlichen Treffen über die Entstehung ihrer CDs sprachen, ist der Name der bekannten und beliebten Musiklehrerin, Chorleiterin und Kantorin oft gefallen.

Die feierliche Enthüllung der Gedenktafel an Kelemen Istvánné (1917 Kaposvár –1998 Schaumar) an dem Gebäude in Schaumar in der Kálvária-Straße, in dem sie mit ihrer Familie zuletzt lebte, hat am 6. Juni stattgefunden. Aus der Festrede, die Maria Milbich-Tallér, die einstige Schülerin, hielt, erfuhren die Teilnehmer, dass Frau Kelemen, geborene Margit Hansághy, aus einer Intelektuellenfamilie stammte. Sie studierte deutsche und ungarische Sprache und parallel beschäftigte sie sich auch mit Musik. Im Jahre 1941 kam sie nach Schaumar und unterrichtete jahrzehntelang in der Grundschule. Sie hatte schon fünf Kinder, als sie ihr Diplom als Musiklehrerin erwarb. Gréti néni hielt es für sehr wichtig, dass die Schüler neben dem Musikunterricht in der Schule auch in einem Chor singen. Die Liebe zur Musik und die Freude am Chorleben hat sie immer vor Augen gehalten, ihre einstigen Schüler singen heute in vier Chören in Schaumar.

Von 1973 bis 1983 war sie (mit ihrem Mann) in der Kirche als Kantorin tätig. Wegen ihres Glaubens und ihrer Religiosität hatte sie im Kommunismus viele Schwierigkeiten.

Auf Initiative von Ferenc Magyar (Chefredakteur der katholischen Zeitschrift „Új Ember“) wurde Frau Kelemen Dirigentin des Schaumarer Männerchors, in dessen Repertoire sich nicht nur ungarische, sondern auch örtliche deutsche Lieder befanden. Damals begann ihre Sammelarbeit: es ist ihr nämlich aufgefallen, dass man in Schaumar viele solche Lieder singt, die in anderen Ortschaften unbekannt sind. Als Mitglied der Ortshistorischen Gesellschaft nahm Gréti néni das Sammeln der Lieder sehr ernst, diese Tätigkeit wurde allmählich ihr Hobby. Die von alten Frauen gehörten Volkslieder und Kirchenlieder hat sie gleich notiert und vertont. Im Laufe von mehreren Jahrzehnten hat sie 400 weltliche und 250 Kirchenlieder aufgezeichnet, die auf diese Weise für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Für ihre Sammelarbeit, deren Ergebnis mit dem Titel „Liedgut des ungarndeutschen Dorfes Schaumar“ erschien, ist die Vielfalt charakteristisch.

Im Jahre 1974 gründete Frau Kelemen den Traditionspflegenden Frauenchor, in dessen Programm noch oft diese Lieder zu hören sind. Ihre Chöre waren unter den besten in Ungarn. Es ist kein Wunder, dass Gréti néni mit zahlreichen Auszeichnungen, unter anderen mit der Auszeichnung „Für Solymár“ posthum geehrt wurde. (Sie wurde zehnmal ausgezeichnet.)

Schaumar wird heutzutage „das singende Dorf“ genannt – dank der vier Chöre, in denen die ehemaligen Schüler singen. Alle diese vier Chöre haben am 6. Juni bei der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel mitgewirkt. Im Namen des Schaumarer Männerchors und der Ortshistorischen Stiftung sprach László Enczmann über das Leben und Wirken der hervorragenden Musikpädagogin, Chorleiterin und hat seine Ehrerbietung ausgedrückt. Die Direktorin des Heimatmuseums, Maria Jablonkay, betonte in ihrer kurzen Rede diejenigen guten Eigenschaften von Gréti néni, die für die jüngere Generation als Beispiel dienen können. Der Feier wohnten nicht nur die ehemaligen Schüler, zahlreiche Dorfbewohner und die eingeladenen Gäste, sondern auch ihre Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder bei.

Maria Milbich-Tallér, die einst dem Mann von Gréti néni das Versprechen gab, eine Gedenktafel an ihrem Wohnhaus anzubringen, hat das 40-jährige Jubiläum des Traditionspflegenden Frauenchors als Zeitpunkt für aktuell gehalten, ihr Versprechen einzulösen.

Zu dem schönen Gedenkprogramm gehörte auch die heilige Messe für die vor 17 Jahren verstorbene Margarethe Kelemen, wo für die musikalische Umrahmung die vier Chöre – der Schaumarer Männerchor, der Traditionspflegende Frauenchor, der Szokolay-Bálint-Frauenchor und der Gemischte Chor Corvinus sorgten. Anschließend haben alle Chöre je zwei Musikstücke vorgetragen, sie haben ihr Bestes gegeben. Für alle, die Gréti néni kannten und liebten, war dieses Erinnern ein schönes Erlebnis.

Viele ungarndeutsche Ortschaften bräuchten eine solche engagierte Musiklehrerin und Chorleiterin, wie Gréti néni eine war. Von ihr konnte man neben der Musikliebe Ausdauer, Konsequenz, Gewissenhaftigkeit, Toleranz und gegenseitiges Verständnis sowohl im Berufs- als auch im Privatleben lernen.

Maria Herein-Kőrös

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