1000 Jahre Bawaz: Schwäbischer Hof – Kirmesbaum – Gedenkstein

Quelle: Neue Zeitung

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Der 20. August ist ein festes und wichtiges Datum im Jahresablauf in Bawaz, denn an dem Tag wird Kirmes gefeiert. 1807 wurde die schöne und geräumige, dem heiligen Stephan gewidmete katholische Kirche an der Stelle des mittelalterlichen Gotteshauses fertig gestellt. Jahr für Jahr feiern die Bawazer mit ihren Verwandten und Freunden bzw. den ehemaligen Dorfbewohnern dieses Ereignis mit Messe bzw. Musik und Tanz.

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2015 erstreckten sich die Feierlichkeiten sogar auf fünf Tage, denn es ist doch etwas Besonderes, wenn eine Gemeinde das 1000-jährige Jubiläum ihrer Gründung feiern darf. Die Siedlung wird bereits in der Gründungsurkunde des Stiftes zu Petschwar aus dem Jahre 1015 erwähnt, die Gegend war aber laut archäologischer Funde schon früher bewohnt. 1325 erscheint der Name Baborch in einer Originalurkunde. In einer Urkunde aus dem Jahre 1474 tritt Bawaz als Marktflecken in Erscheinung. Der Entwicklung setzte aber die Türkenherrschaft im 16. – 17. Jahrhundert ein Ende. Zwischen 1698 und 1752 kamen 318 deutsche Familien ins Dorf, von denen aber viele weiterzogen, doch zwischen 1784 und ’86 ließen sich weitere 46 Familien im sog. schwäbischen Dorf nieder. Die Gemeinde erlebte bis zum 20. Jahrhundert erneut einen Aufschwung, die zwei Weltkriege hinterließen aber ihre Spuren. Die Verschleppung zur Zwangsarbeit und die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. die Ansiedlung neuer Familien aus dem Oberland veränderten zwar das Dorf, aber die Menschen taten alles, um den Mut nicht zu verlieren.

Die Bawazer sind stolz auf ihre Gemeinde. Sie arbeiten stets für deren Wohl, wobei sie sowohl Vergangenheit als auch die Traditionen stets vor Augen halten. Auch das Kirmesprogramm wurde demgemäß ausgerichtet. Am 19. August eröffnete der Schwäbische Hof das erste Mal seine Tore. Das alte schwäbische Bauernhaus erwarb die Familie Tóth-Schiebelhut und erweckte es mit Sorgfalt zu neuem Leben. Von hier aus wurde der Kirmesbaum zum Festzelt getragen und bei Musik aufgestellt. Am 20. August wurden nach der festlichen Messe das renovierte Weltkriegsdenkmal, der Gedenkstein für die 1000 Jahre, eingeweiht. Auf dem Hofe des Pfarrhauses wurde die Gedenktafel zu Ehren von Dr. Franz Schwartzer (1818 – 1889), dem gebürtigen Bawazer und Begründer der Psychiatrie in Ungarn, enthüllt. Auf der Festbühne im Zelt wechselten sich die Kulturgruppen von Bawaz ab. Selbstverständlich war auch die Tanz- und Trachtengruppe der deutschen Partnergemeinde Willingshausen-Loshausen vertreten, die ebenfalls großen Beifall erhielt. Diese Partnerschaft wurde nicht gestern geschlossen. Schon vor 30 Jahren wurden die Urkunden unterzeichnet und nächstes Jahr soll es in Hessen in der Schwalm ein großes Fest geben, denn diese Freundschaft läuft bereits über Generationen. Am dritten Tag der Feierlichkeiten konnte man alte Spiele ausprobieren bzw. beim Fußball mitfiebern, ein kleiner Zug transportierte die Gäste durchs Dorf, die an mehreren Orten Ausstellungen besichtigen konnten. Den Samstag widmete man der Blasmusik, die Bawazer Dorfmusikanten und die Grazer Blaskapelle spielten nicht nur in der Kirche, sondern gestalteten auch das Nachmittagsprogramm und machten richtig Stimmung für den Ball am Abend. Am Abschlusstag legten die Bawazer mit der Branauer Stimmungsparade noch eins drauf. Zum Schluss wurde traditionsgemäß der Kirmesbaum ausgetanzt. Die Bawazer in ihrer Jahrtausendgemeinde wissen eben, wie man feiert, und die Bawazer Kirmes war auch dieses Jahr ein Fest, an dem richtig ausgelassene Stimmung herrschte.

M. Ambach

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