145 Jahre Agendorfer Blaskapelle

Quelle: Neue Zeitung

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Agendorf: Die Ergebnisse der 145 Jahre ihres Bestehens kann die Blaskapelle stolz auf ihre Fahne schreiben

Die Blaskapelle in Agendorf wurde 1870 neben dem damals schon sieben Jahre alten Chor gegründet. Da aus der damaligen Zeit keine vollständigen schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, ist über die frühere Tätigkeit der Kapelle nur wenig bekannt. Das Dorf hatte in den 1920-er und 1930-er Jahren zwei Kapellen, die von den Einwohnern in den schwierigen Zeiten nur schwer finanziert werden konnten. Im Jahre 1927 wurde sogar eine Tombola veranstaltet, von deren Erlös in Höhe von 2400 Kronen Musikinstrumente gekauft wurden. Die Musiker haben auf ihren eigenen Instrumenten gespielt, die Jüngeren lernten von den Älteren. Nicht alle konnten Noten lesen, viele von ihnen spielten nach Gehör.

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Bei den Dorffesten, Hochzeiten und Beerdigungen war die Kapelle immer fester Bestandteil des Geschehens. Auch vom berühmten Burschentanz, der zu den wichtigsten Traditionen der Region zählt, war sie kaum wegzudenken. Nach Aufzeichnungen aus dem Jahr 1936 konnten die Musiker unter der Leitung von Dirigent Mathias Fürster beim Wettbewerb der Blaskapellen in Westungarn große Erfolge für sich verbuchen.

Nach 1945 wurde die Kapelle von Mathias Lagler und Johann Vass neu organisiert. In der ersten Zeit hielt sie sich vom Erlös ihrer Veranstaltungen über Wasser, später wurde ihre Tätigkeit aus staatlichen Förderungen und durch Unterstützungen von verschiedenen Unternehmen finanziert. Auch Robert Payer, ein gebürtiger Agendorfer, begann seine musikalische Laufbahn in dieser Kapelle, später wurde er Gründer und Dirigent der Original Burgenland-Kapelle und ließ dem Orchester im Laufe der Jahre viel Notenmaterial zukommen.

Die Kapelle ist aktive Teilnehmerin bei den Veranstaltungen der umliegenden Dörfer, Städte und nimmt auch an zahlreichen Events auf Komitats- und Landesebene teil. Beim Volksmusikfestival der Blaskapellen 1975 hat es die Qualifikation „Goldene Laute“, 1978 die Qualifikation „Diplom Goldene Laute“ erhalten, zunächst unter der Leitung von Johann Vass, später unter der Leitung von Mathias Kranixfeld. Unter seiner Leitung gewann das Orchester auch zwei hervorragende Sängerinnen, seine Frau Ani und Teri, die Gattin des Flügelhornspielers Michael Graf, haben das Publikum durch ihre Lieder erfreut.

Der ehemalige Direktor der Musikschule Ödenburg, Johann Fohner, stand dem Orchester bis 2013 vor, dann übernahm der Agendorfer Mathias Prinner den Dirigentenstab. Die Musik ist durch einen eigenartigen Stil geprägt, der in erster Linie auf die Pflege von Traditionen ausgerichtet ist. Die Kapelle hatte immer viele Unterstützer und Helfer. Man denkt bis heute noch gern an Johann Paar und Johann Sir, die den Großteil ihrer Freizeit mit der Kapelle verbracht haben.

Die Kapelle folgt gerne Einladungen aus den Partnerstädten und trat mehrmals in Schefflenz, Bad Wimpfen, Loipersbach, Schattendorf und Cham auf, sie war aber auch in Frankreich, Bulgarien, Portugal, Kroatien, der Tschechischen Republik und sogar in Tunesien auf Tournee. Dank den intensiven Beziehungen zu den Majoretten in Ödenburg begleiteten diese das Orchester zu zahlreichen Auftritten im In- und Ausland.

Der vor einigen Jahren eingerichtete Probesaal bietet angemessene Bedingungen für die fachliche Arbeit, die Proben finden wöchentlich statt. Unter dem umfangreichen Notenmaterial harren noch mehrere hundert Musikstücke der Aufführung, das Orchester trifft immer eine passende Auswahl für den jeweiligen Auftritt, so zum Beispiel für die Gala der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen oder für die Feierlichkeiten zum Gedenken an die Vertreibung in der örtlichen evangelischen Kirche.

Die Blaskapelle ist seit 15 Jahren als eingetragener Verein tätig. Das älteste Mitglied, Flügelhornist Nandor Kolosits, ist 82 Jahre alt, die jüngste Musikerin Nóra Varga spielt Klarinette und ist 11 Jahre alt. Die Gründung des Vereins verbindet sich mit dem Namen von Gyula Huszár, der der erste Vereinsvorsitzende war. Der jetzige Vorsitzende István Kálmán führt schon seit neun Jahren die Geschäfte, die von der Organisierung der Auftritte bis hin zur Beschaffung von Fördermitteln viele Aufgaben umfassen und insgesamt einen harten Job bedeuten.

Die Ergebnisse der 145 Jahre ihres Bestehens kann die Blaskapelle stolz auf ihre Fahne schreiben, sie sind aber gleichzeitig auch mit einer großen Verantwortung verbunden, denn es ist keine leichte Aufgabe im Zeitalter einer intensiven elektronischen Berieselung, Zeit für traditionelle Musik zu finden und für deren Akzeptanz zu sorgen.

(Quelle: Karl Weinberger)

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