Theresia Rónai (1943 – 2015)

Quelle: Neue Zeitung

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in euren Herzen. (Epheser 5:19)

Theresia Rónai, geb. Kiszler, erblickte am 25. Dezember 1943 in einer deutschen Familie in Ziko/Cikó das Licht der Welt. Ihren Lebensabend verbrachte sie mit Tochter und Enkelin im Elternhaus. Schon als kleines Kind lernte sie die deutschen Volkslieder kennen, ohne Singen konnte sie auch später nicht leben. Ihr Motto war immer „Singen heilt die Seele…“. Musik und Gesang spielten in ihrem Leben eine wichtige Rolle.

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Die Grundschule besuchte sie in ihrem Heimatort, das Abitur machte sie am Sándor-Petőfi-Gymnasium in Bonnhard. An der Pädagogischen Hochschule in Fünfkirchen erwarb sie ihr Diplom als Lehrerin für Deutsch, Ungarisch und Musik. Ihre pädagogische Tätigkeit begann sie an der Mihály-Vörösmarty-Grundschule in Bonnhard, wo sie bis zu ihrer Pensionierung arbeitete. Als junge Pädagogin half sie mit, in der Vörösmarty-Grundschule 1971 den deutschen Nationalitätenunterricht und im Schuljahr 1986/87 den zweisprachigen Unterricht einzuführen. Sie versuchte schon damals, in den Unterricht die Volkskunde mit einzubeziehen.
Sie gründete einen Schülerkreis, in dem die Kinder mit Herz und Seele ungarndeutsche Sitten und Bräuche, Volkslieder und Kinderspiele kennen lernen und dann auf die Bühne stellen konnten, auch bei Veranstaltungen des örtlichen Deutschklubs, zur Freude der älteren Generation. Später hat Theresia Rónai mit den Schulkindern das von ihrer Mutter in der Umgebung von Bonnhard gesammelte Christkindelspiel vorgetragen. In den achtziger Jahren haben die Schüler ihr Können auch beim Wettbewerb „Reicht brüderlich die Hand!“ bewiesen. Sie ernteten großen Erfolg beim Festival der Nationalitäten in Békéscsaba. Beim Wettbewerb Rolf Zukowski holten sich ihre Schülerinnen und Schüler mit der „Vogelhochzeit“ den 1. Platz.

36 Jahre lang leitete Theresia Rónai den Kinderchor der Vörösmarty-Grundschule, begleitete den Chor mehrmals nach Deutschland. Sie half tatkräftig bei der Kontaktaufnahme mit den deutschen Schulen in Freiberg und in Wernau, der Partnerstadt von Bonnhard, mit. Sie nutzte jede Möglichkeit, die deutschen Sprachkenntnisse ihrer Schüler zu erweitern und zu vertiefen. Der Schüleraustausch mit dem Schullandheim in Bautzen und dem Ferienlager Bélatelep erwiesen sich ebenfalls als ausgezeichnete Sprachübung.

In den achtziger und neunziger Jahren war sie zuerst als Gruppenleiterin, dann als Lagerleiterin im deutschen Nationalitäten-Leselager in Waroli tätig, wo die Kinder und Jugendlichen nähere Bekanntschaft mit Sitte und Brauch, Tänzen, Liedern, Gedichten und Speisen der Ungarndeutschen schließen konnten.

Neben der Leitung des Kinderchors der Vörösmarty-Grundschule und des Gemischten Chors der Stadt Bonnnhard übernahm Theresia Rónai auch die Leitung des Chors des Deutschen Kulturvereins, der heuer seinen 35. Geburtstag feiert. Sorgfältig stellte sie Lieder zusammen, achtete sehr darauf, einen möglichst einheitlichen Klang zu erreichen, egal, ob es um Volkslieder oder um Kirchenlieder ging.

Auch in ihrem Heimatdorf Ziko stand sie seit Jahrzehnten an der Spitze eines ungarndeutschen Chores, leitete auch den Chor in Kleindorog. Diese Chöre sangen oft in der deutschsprachigen Messe in Fünfkirchen sowie bei sonstigen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen.

Theresia Rónai interessierte sich seit ihren Studienjahren für Sitte und Brauch der Ungarndeutschen und für Heimatkunde. Sie half ihrer Mutter bei der Zusammenstellung und schriftlichen Fassung des Buches „Bei uns in Cikó“. In letzter Zeit arbeitete sie an einer Volksliedersammlung der Umgebung, damit sie auch für die Nachkommen erhalten und erreichbar bleiben.
Als Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung in Ziko und Vizevorsitzende der Sektion Kirchenmusik beim Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen konnte sie ihre Erfahrungen hervorragend nutzen und weitergeben. Gerne war sie bereit, Studierenden beim Schreiben ihrer Diplomarbeiten mit Rat und Tat beizustehen.

Ihre Arbeit wurde mit folgenden Preisen anerkannt

1994: Goldenes Verdienstkreuz der Republik Ungarn
1999: Merész-Konrád-Preis (gestiftet durch die Stadt Bonnhard für herausragende pädagogische und gesellschaftliche Tätigkeit)
2000: Für das Ungarndeutschtum in der Tolnau
2007: Gedenkurkunde für herausragende Tätigkeit im Bereich Volkskunde
2007: Stefan-Kerner-Preis
2008: KÓTA-Preis in der Kategorie Nationalitätenarbeit
2010: Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum
2013: Pro Cultura Minoritatum Hungariae (Für die Kultur der Minderheiten in Ungarn)
Theresia Rónai, geborene Kiszler – Terike, Resi – schloss nach schwerer, mit Würde ertragenen Krankheit am 26. August 2015 für immer die Augen und kehrte zu ihrem Herrn zurück. Ruhe in Frieden!
Theresia Rónai wurde am 7. September um 15 Uhr auf dem evangelischen Friedhof in Bonnhard zu Grabe getragen.

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