Ungarn und das Herrscherhaus Habsburg

Quelle: Zentrum

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Die 1100 Jahre der deutsch-ungarischen Kontakte, Teil 6

Sie bestimmten die ungarische Geschichte für fast ein halbes Jahrtausend. Aus ihrer Blutlinie stammen 18 ungarische Könige. Während der Jahrhunderte wurden sie als Symbole der Unterdrückung angesehen, aber ohne sie hätten wir die türkische Herrschaft nie beseitigen können und obwohl unsere Freiheitskämpfe stets von ihnen niederschlagen worden waren, förderten sie indirekt doch das Entstehen des ungarischen Nationalbewusstseins. Ohne ihre Tätigkeit würde die Volksgruppe der Donauschwaben heute nicht existieren. In unserem Artikel überblicken wir das Verhältnis von Ungarn mit dem Haus Habsburg.

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Das Haus Habsburg stammt aus dem Gebiet der heutigen Schweiz, aber eine Vielzahl seiner Besitztümer lag in Elsass. Der ursprüngliche Name des Stammes ist vom Namen der Burg der Familie abzuleiten, hinter der laut der Herkunftssage der Familie der Ausdruck „Habichts Burg” steckt. Die Habsburger tauchten um 1000 n. Chr. in der europäischen Politik auf. Die zum Anfang unbedeutende Grafenfamilie wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zum weltpolitischen Faktor: Mit Rudolf I. erwarben sie im Jahr 1273 zum ersten Mal den deutschen Königstitel, dabei hatte die militärische Unterstützung des ungarischen Königs Ladislaus IV. (der Kumane) eine bedeutende Rolle.

Im 14. Jahrhundert erreichte die Familie nur einen deutschen Gegenkönigstitel, aber im 15. Jahrhundert nahm die einzigartige Erfolgsreihe der Habsburger ihren Anfang: Ab 1438 bis zu dessen Fall stammten – mit der Ausnahme von einem – alle Herrscher des Heiligen Römischen Reiches aus dem Haus.

Den ungarischen Thron erbte zuerst Albert von Habsburg, der Schwiegersohn von Sigismund von Luxemburg, im Jahre 1437. Seine Herrschaft war kurz, aber wechselvoll, 1439 starb er, wahrscheinlich als Folge einer Ruhrinfektion. Seine Frau war damals mit dem späteren Ladislaus V. schwanger. Der rechtliche Thronfolger wurde er aber erst nach dem Tod von Wladislaw I., Anfang 1445 als König anerkannt. Bis zu seiner Volljährigkeit wurde die eigentliche Macht vom Gouverneur Johann Hunyadi ausgeübt.

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Während der Herrschaft von Mathias war der Kontakt zu den Habsburgern nicht abgebrochen, aber nahm eine eindeutig feindliche Wende: Kaiser Friedrich III., der größte Rivale des „Rabenkönigs”. 1485 „stöhnte die stolze Wiener Burg unter Mátyás zornigen Truppen”, letztendlich erwies sich jedoch Friedrich als erfolgreicher in der Eroberung neuer Gebieten.

Die Habsburger gerieten nach der Niederlage bei Mohatsch im Jahre 1526 wieder in den Mittelpunkt der ungarischen Geschichte. Nach dem tragischen Tod von Ludwig II. teilten sich die Stände Ungarns in zwei Parteien je nachdem, ob sie Johannes Szapolyai oder den österreichischen Erzherzog Ferdinand auf dem Thron sehen wollten. Dies führte zur Zwei-, und nach der türkischen Besetzung von Buda im Jahre 1541 zur Dreispaltung des Landes.

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Nach Ferdinand I. stammten alle ungarischen Herrscher aus dem Haus Habsburg. Obwohl die ständische Verfassung die Rechte des Herrscherhauses theoretisch eingrenzte, wurde Ungarn praktisch als Teil des Reiches behandelt. In unserem Geschichtsunterricht wurden die „deutschen” Könige lange einseitig als Unterdrücker dargestellt. Heute ist das Bild ausgewogener, aber es braucht noch Zeit, bis die Rolle der Habsburger auch im allgemeinen Bewusstsein neu bewertet wird.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Habsburger neben dem ungarischen Thron auch den Kaisertitel des Heiligen Römischen Reiches ganz bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806 besaßen. Damit waren sie unter den einflussreichsten Gestaltern der europäischen Politik.

Die Herrschaft der Habsburger umfasste nicht nur die so genannten Erbländer. Obwohl sie – teilweise wegen der geographischen Lage – kein Kolonialreich ausbauten, stammten zwischen 1581 und 1640 die spanischen Könige aus der Dynastie, viele italienische Städte wurden auch von ihnen geleitet. Dank ihrer Heiratspolitik beeinflussten sie auch Frankreich, zum Beispiel durch Marie Antoinette.

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Das Verhältnis zu den Ungarn änderte sich während der Jahrhunderte viel. Maria Theresia (1740-1780) richtete Leibwächtergarde aus Ungarn ein, währenddessen es allgemein bekannt ist, dass Franz Joseph (1848-1916) das Bild der Arader Hinrichtungen im Jahre 1849 in seinem Arbeitszimmer hängen hatte. Im 20-21. Jahrhundert fühlten sich die Mitglieder der Familie ebenso als Ungarn als Österreicher. Otto von Habsburg war immer ein Vorkämpfer der ungarischen Sache im Westen, Georg von Habsburg lebt auch heute in Ungarn.

Was niemand bezweifeln kann: Ungarn wäre ohne die Habsburger heute nicht dasselbe.

István Mayer

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