Ansiedlung in der Erinnerungskultur: Vortrag von Márta Fata an der ELTE

Quelle: Zentrum

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Die berühmte Forscherin der donauschwäbischen Vergangenheit, Mitarbeiterin des Instituts für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, Dr. Márta Fata war am 6. Oktober Gast der Loránd-Eötvös-Universität. Für die anwesenden Studenten und Interessenten sprach sie darüber, welches Bild man von den einstigen Ansiedlern gehabt hatte bzw. in welcher Form dies erhalten blieb.

Erinnerungskultur ist heute in Konjunktur. Besonders durch die Tätigkeit von dem Ehepaar Assmann wurde sie ein populäres Forschungsfeld. Márta Fata nahm sich vor, den Spuren der Donauschwaben in den Epochen nach der Ansiedlung nachzugehen.

Im ersten Teil des Vortrags sprach die Forscherin über konkurrierende Narrativen. Als Beispiel wurde zuerst das bekannte Feszty-Rundbild gezeigt. Das kolossale Gemälde, welches zum ungarischen Millennium angefertigt wurde, ist ein Symbol des ungarischen nationalen Bewusstseins. Es inspirierte wenigstens zwei weitere Werke: ein serbisches Gemälde und das bekannte Bild von Stefan Jäger, das die Einwanderung der Deutschen nach Ungarn darstellt.

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Als die Ansiedlungen nach den Türkenkriegen begannen, wurde den späteren Kolonisten ein falsches Bild von den ungarischen Verhältnissen vermittelt. Man sprach von der Fruchtbarkeit des Landes, über die bezaubernde Natur, es wurde aber nie betont, dass es mehrheitlich um Ödland oder Sumpf handelt und das es kaum von jemandem bewohnt wird. Keine Überraschung, dass die Siedler enttäuscht waren. Dies bezeugen vor allem aus dieser Zeit erhalten gebliebene Briefe, Berichte wie zum Beispiel der Reisebericht von Francesco Griselini aus dem späten 18. Jahrhundert.

Parallel zur Entwicklung des Landes wurde auch dessen Bild positiver. Als 1784 in der Pfalz gegen die Auswanderung nach Ungarn agitiert wurde, wussten die künftigen Ansiedler bereits, dass das Land in Wirklichkeit durchaus bewohnbar ist.

Im nächsten Teil des Vortrag wurde die Rolle literarischer Werke bzw. Schriften in der kollektiven Erinnerung untersucht. Als Erstes wurde die sogenannte Bogároser Petition besprochen. In diesem Dokument aus dem Jahr 1849 erscheinen bereits die meisten Topoi, die man mit den Donauschwaben verbindet.

Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich zwei Richtungen anhand der Einstellung gegenüber der ungarischen Mehrheit. Eine der Gruppen war der Meinung, dass die Deutschen sich in die ungarischen Kultur integrieren sollen, und betrachteten die deutschen Leistungen in Ungarn als Teil der ungarischen Geschichte. Ein typischer Vertreter der anderen, deutschnationalen Partei war der gebürtige Banater Schriftsteller, Adam Müller-Guttenbrunn, in dessen Romanen erst die Deutschen die Kultur ins halbbarbarische Land brachten.

In der Zwischenkriegszeit wurde besonders die opferreiche Arbeit der einstigen Kolonisten betont, zum Beispiel vonJakob Bleyer. Franz Anton Basch nannte dies einen „Pionierkampf”. In dem südlichen Teil der Batschka hatten die Feste anlässlich des Jubiläums der Ansiedlung für die Identitätsbildung eine besondere Bedeutung. Es wurden auch Denkmäler errichtet: früher gab es in diesen Orten nur sakrale Skulpturen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet wieder die familiäre Erinnerung in Vordergrund. Für den Erhalt der donauschwäbischen Identität waren auch die von den Vertriebenen veröffentlichten Heimatbücher von großer Bedeutung.

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Am Ende des Vortrages wurden die Geschehnisse der letzten Jahren behandelt. Zahlreiche Ansiedlungsdenkmäler wurden gebaut, es gibt wieder Jubiläumsfeierlichkeiten. Die ungarndeutsche Geschichte wird neu, als Teil der ungarischen interpretiert. In der Zukunft bleibt dennoch die Familie der Träger der nationalen Identität.

István Mayer

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