Die Musiklust fliegt von Generation zu Generation

Quelle: Landesrat

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25 Jahre Partnerschaft mit dem Musikverein Gerstetten „Harmonia“

Fünfundzwanzig Jahre ist eine lange Zeit im Leben einer Musikkapelle. Die Zeit fliegt schnell dahin. Wenn es viel Arbeit gibt, die Kapelle oft Auftritte hat, dann gibt es keine Zeit für Langeweile. Seit 1995 pflegen Gerstetten und Werischwar eine Städtepartnerschaft. Und so kam es, dass am 27. September 2015 in Werischwar das 25. Jubiläum der Partnerschaft zwischen dem Musikverein „Harmonie“ und der Deutschen Nationalitätenblaskapelle Werischwar/Pilisvörösvár gefeiert hat.

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Im voll besetzten Musiksaal der György-Cziffra-Musikschule nahmen wir an einem großartigen musikalischen Ereignis, an dem Konzert des Musikvereins Gerstetten und der Werischwarer Blaskapelle, teil.

Nach der Begrüßung aller Ehrengäste vom Bürgermeister der Stadt Werischwar István Gromon und den Worten des Vorsitzenden des Musikvereins Stefan Szabo bzw. der Übergabe der Ehrengeschenke und dem Austausch der Partnerschaftsurkunden wurde mit dem schon sehnsüchtig erwarteten Konzert des Musikvereins Gerstetten begonnen. Dirigiert wurde die Formation mit vielen jungen Musikanten von Herrn Marco Erhardt. Polkas, Märsche und Walzer standen auf dem Programm, Unbekanntes und Bekanntes.

Zur Zeit der Vertreibung wurden viele Noten nach Deutschland mitgenommen, sie wurden gesammelt. All dieser Lieder hat der Musikverein „Harmonie“ auf dem Repertoire, darüber hinaus spielt er auch böhmisch-mährische Blasmusik – Walzer, Polkas, Märsche, dann Konzertstücke und Werke aus der klassischen und Volksmusik.

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Nach diesem mehr als einstündigen Konzert, das mit einigen Zugaben gewürzt und mit stehenden Ovationen vom Publikum verlängert wurde begann nun das gemeinsame Spiel beider Kapellen. Dirigiert wurden sie von Marco Erhardt und Bálint Buzás. Bekannte Stücke wie „Auf der Vogelwiese“, „Böhmischer Traum“, „Rosamunde“, „Wenn der Wein blüht“ und anderes waren auf dem Programm. Gewürzt wurde dies alles durch die Gesangseinlagen von Fritz Erhardt und Johann Feldhoffer.

Ein lang anhaltender Sturm des Applauses war der Dank des Publikums an die engagierten Musiker. Anschließend wurde zu einem Stehempfang eigeladen.

Zum Musikverein Gerstetten „Harmonie“

Blättern wir in die Chronik des Musikvereins Gerstetten:

Im Jahre 1906 wurde die erste Gerstettener Musikkapelle mit Satzungsstatus gegründet. Aus der ursprünglichen Musikervereinigung ist also der „Musikverein Gerstetten” hervorgegangen.1906 wurde die Bahnlinie Amstetten – Gerstetten gebaut. Das „Eisenbahnjahr 1906″ brachte neue Impulse für das Wirtschafts- und Vereinsleben. Die Blaskapelle des neu gegründeten Musikvereins hatte am 30. Juni bei der Einweihungsfeier und dem Einfahren des ersten Dampfzuges aus Amstetten ihren ersten Auftritt.

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Nach langen Jahren des Friedens brach im August 1914 der 1. Weltkrieg aus. Das hatte auch für die bisher erfolgreiche Vereinsarbeit seine Folgen. Nach Weitmanns Tod im Jahre 1914 übernahm Zigarrenmeister Wilhelm Seizinger die Vereinsleitung. Für die im Felde stehenden Soldaten fand ein grobes Wohltätigkeitskonzert statt unter Mitwirkung des Turnvereins und der beiden Gesangvereine. Aus dem Erlös wurden Feldpostpäckchen an die Front gesandt. Im Jahre 1916 waren nur noch vier Musiker ortsanwesend und an eine Weiterführung der Musikproben war nicht zu denken. Festlichkeiten und Konzerte fanden während dieser Zeit ohnehin nicht statt.

Das Jahr 1919 brachte den Musikverein in eine schwere Krise. Die Vorstandschaft erklärte ihren Rücktritt – der Verein sollte aufgelöst werden, was glücklicherweise verhindert werden konnte. Die deutsche Wirtschaft und die Währung waren erschüttert, die Geldentwertung nahm rapide zu. Im Jahre 1923 betrug der Vierteljahresbeitrag zum Musikverein 50.000,- Mark. Der letzte Beitrag vor der Inflation wurde in Form von Getreide eingezogen und das Jahresgehalt des Dirigenten mit 160 Pfund Hafer abgegolten. Kassier Wilhelm Ketterle hatte noch 120.000,- Mark in der Kasse und wurde vom Ausschuss beauftragt, dafür eine Schachtel Zigarren zu kaufen. „Tritt Geldmangel ein, kann man dieselben mit weit höherem Preis wieder an den Mann bringen” steht im damaligen Protokoll. „Wegen der hohen Lichtpreise werden die Musikproben tagsüber, und zwar sonntags abgehalten” ist weiter zu lesen!

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Nach langen Kriegs- und Krisenjahren ging es bald wieder aufwärts unter der Leitung vom Fabrikanten Matthäus Wachter und einer neuen Vorstandschaft. 145 Mitglieder unterstützten den Musikverein. Nach der Rückkehr der Soldaten in die Heimat probte man bereits wieder für das Süddeutschen Musikfest 1921 in Heidenheim, von dem die Musikkapelle mit einem ersten Preis heimkehrte.

In den Jahren des Wiederaufbaus wurde unter dem Dirigenten Jakob Kiener die Freundschaft mit den umliegenden Musikvereinen besonders gepflegt. Beim Gaumusikfest 1924 in Giengen/Brenz beteiligten sie sich als kleinste Kapelle mit nur 9 Musikern. Die Abfahrt mit zwei vollbeladenen Pferdefuhrwerken war frühmorgens um 4 Uhr. Freudig heimgekehrt ist man am Abend mit einem 1. Preis, Diplom und silbernem Pokal.

Neuer erster Vorsitzender wurde 1938 Hans Berger sen., der den Verein mit Umsicht und Tatkraft durch diese schwierigen Zeiten führte. Ein Jahr später wurde der Musikverein zur „Gemeindekapelle” ernannt und musste sich bei allen nationalen und gemeindlichen Anlässen zur Verfügung stellen.

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Im September 1939 trug der damalige Chronist den Beginn des 2. Weltkrieges im Protokoll ein: „Gleich zu Beginn wurden viele Musiker, Mitglieder, der Vorsitzende, Kassier und Schriftführer zum Wehrdienst gerufen. Stellvertretend führte Karl Junginger den Verein weiter“. Dirigent Jakob Kiener schrieb 1941 ins Protokoll, dass er auch in schwierigen Zeiten gewillt sei, das hohe Ideal der Kapelle in friedliche Zeiten hinüberzuretten. Die Kameradschaft wurde unter den in der Heimat verbliebenen Musikern besonders gepflegt und den im Urlaub weilenden Soldaten Ständchen vorgespielt. 1943 war die Kapelle schließlich spielunfähig, da kaum ein Musiker noch ortsanwesend war. Auch Dirigent Jakob Kiener vermerkte in bewegten Zeilen, dass er durch seine Einberufung zur Wehrmacht die Ausübung seiner geliebten Musik unterbrechen muss. Bis zum April 1945 war das bittere Wirklichkeit.

Im Jahre 1946 setzten sich wieder einige Musiker zu regelmäßigen Musikproben zusammen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Kapelle neu organisiert und dem Musikverein der Name „Harmonie” beigefügt. Peter Witzenleiter war von nun an neuer Vorsitzender und leitete den Verein durch die Nachkriegsjahre. Am Ostersonntag des Jahres 1948 fand nach 8 Jahren wieder ein Platzkonzert statt. Im Juli 1950 erreichte die Kapelle beim Bezirksmusikfest in Hüttlingen als einzige Gruppe beim Wertungsspiel ein „Sehr Gut” in der Unterstufe. Ab dem Jahre 1952 wurde Hans Berger sen. wieder zum 1. Vorsitzenden gewählt, Vizedirigent wurde Erwin Kiener. Nach erfolgreicher Aufbauarbeit erspielte die Blaskapelle beim Bezirksmusikfest und Wertungsspiel in Oberkochen im gleichen Jahr die Note „Sehr Gut” in der Mittelstufe.

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In der Zwischenzeit hatte der rührige Dirigent Jakob Kiener eine Jugendkapelle mit 20 Knaben aufgebaut. Ihr Debüt gab diese Gruppe beim Wertungsspiel 1953 in Neresheim mit der Note „Sehr Gut”, bis dahin eine Einmaligkeit in der Vereinsgeschichte. Mit einem Ständchen auf der „Halde” trat die neue Jugendkapelle erstmals in Gerstetten auf und ließ danach öfters von sich hören. So konnten gleichzeitig zwei Veranstaltungen musikalisch bestritten werden.

1989: Generationswechsel im Musikverein – Nach dem Wechsel im Dirigentenamt strebte auch der Vorsitzende Walter Zimmermann eine Verjüngung in der Vereinsleitung an. Vierundzwanzig Jahre lang hatte er den Musikverein geleitet, länger als all seiner Vorgänger. Ein Leben für die Volksmusik und eine schöne Wegstrecke mit dem Musikverein, wie er bei seiner Verabschiedung an der 83. Hauptversammlung am 10. März 1989 sagte. Zimmermanns Wirken im Musikverein und in Gerstetten wurde mit zahlreichen Ehrungen, zuletzt mit der Bundesfördermedaille in Gold des Deutschen Volksmusikerbundes und der Verleihung der Landesehrennadel vom Bürgermeister Merkle gewürdigt. Ein wohlgeordnetes Vereinsschiff „Harmonie” hat der scheidende Vorsitzende an Hans Berger, seinen bisherigen Stellvertreter, übergeben können. Hans Berger dankte seinem Vorgänger herzlich und ernannte Walter Zimmermann zum Ehrenvorsitzenden. Der neue Vorsitzende ist ebenfalls „mit dem Musikverein aufgewachsen”. Er ist im Musikverein seit 1952 aktiv, unter anderem als Musiker, Schriftführer, Jugendleiter, Jugend- und Vizedirigent.

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1990 war für den Musikverein sowohl arbeitsreich als auch erfolgreich. Zur Aufbesserung der Vereinskasse wurde am 13. März das 1. Gerstettener Schlachtfest des Musikvereins abgehalten. Kulinarisches bei gepflegter Blasmusik wird seitdem jedes Jahr in der kalten Jahreszeit angeboten und von den Besuchern gerne angenommen. Im Frühjahr desselben Jahres nahm Dirigent Gerd Henning mit der Blaskapelle erstmals am Wertungsspiel in der Waldorfschule Heidenheim teil und erspielte in der Mittelstufe einen ersten Rang mit Auszeichnung. So gut vorbereitet unternahm der Musikverein vom 1. bis 7. Juni 1990 seine erste Konzert- und Ausflugsreise nach Werischwar/Pilisvörösvár in Ungarn. Beim „Pfingstfest in Werischwar” erfuhren die Gerstettener echte ungarische Gastfreundschaft, in die Wege geleitet von Eduard Gillitzer aus Gerstetten und dem Musikvereinsvorsitzenden Lorenz Schäffer aus Werischwar. Viele herzliche Begegnungen sind inzwischen zustande gekommen und gute Freundschaften entstanden. Ein Jahr später hat Musiker Martin Halemba eine neue Jugendkapelle mit 27 Jugendlichen gegründet.

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Das 17. Albkonzert ging nach hervorragenden Konzertvorträgen am 17. November 2001 in der Georg-Fink-Halle in Gerstetten zu Ende. Damit endete auch die Dirigententätigkeit des musikalischen Leiters Gerd Henning. Dreizehn Jahre lang, seit 1988, hatte er das Dirigentenamt im Musikverein Gerstetten inne. Dieses füllte er mit der nötigen Strenge, Disziplin und konsequentem Arbeiten aus. Dafür dankte ihm Hans Berger mit Blumen und einem Geschenk sowie die Musiker und Konzertbesucher mit stehenden Ovationen. Die Nachfolge vom Dirigenten Gerd Henning trat Musiker Marco Erhardt an. Im Alter von erst 24 Jahren wurde er von den Musikern zum Dirigenten gewählt, wie damals sein Vorgänger Gerd Henning. Seine Musikerlaufbahn begann in der Jugendkapelle. Später führte sie ihn zu den Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr in Münster und München. Beim Weihnachtskonzert am 15. Dezember hatte Marco Erhardt sein Debüt als Dirigent gegeben.

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Bei der 97. Jahreshauptversammlung am 21. März 2003 vollzog sich ein erneuter Generationswechsel in der Vorstandschaft. Der 1. Vorsitzende Hans Berger gab sein Vorstandsamt an die nächste Generation weiter. Wie er schon mehrfach angekündigt hatte, wolle man im Musikverein mit einer verjüngten Führungsmannschaft ins Jubiläumsjahr 2006 und ins 2. Jahrhundert des Vereins gehen. Die Weichenstellung sei jetzt richtig. Hans Berger war im Musikverein seit 1952, also über 50 Jahre, tätig. Neben seiner aktiven Zeit als Musiker bekleidete er die Ämter des Schriftführers, des stellvertretenden Vorsitzenden, des Jugendleiters, des Jugenddirigenten und des Vizedirigenten. In der Vorstandschaft war er seit 1961 tätig und 14 Jahre lang Vorsitzender des Musikvereins. Drei Dirigenten hatte er während seiner Musikertätigkeit erlebt. Hans Berger hat für sein Engagement zahlreiche Auszeichnungen des Deutschen Volksmusikerbundes erhalten. Einmütig wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Die Versammlung wählte den 40-jährigen Musiker Stefan Szabo zum neuen 1. Vorsitzenden. Er gehört dem Musikverein seit dem Jahr 1976 an und spielt Klarinette und Saxophon. Sechs Jahre war er der Stellvertreter Bergers und kannte sich daher bereits mit der Vereinsführung bestens aus.

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2006 fand die 100. Jahrfeier der Gründung des „Harmonie“ Musikvereins Gerstetten mit Beteiligung der ungarndeutschen Blaskapelle aus Werischwar statt. Seitdem gibt es immer wiederholende gegenseitige Besuche der beiden Partnerkapellen.

Text und Bilder: Chronik des Musikvereins; Manfred Mayrhofer (LandesratForum)

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