Für die ungarndeutsche Musikkultur

Quelle: Landesrat

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VI. Treffen der Schwabenkapellen in Schorokschar am 25. Oktober 2015

Wer Musik nicht liebt, verdient nicht, ein Mensch genannt zu werden; wer sie nur liebt, ist erst ein halber Mensch; wer sie aber treibt, ist ein ganzer Mensch. (Goethe)

Der Budapester Stadtbezirk Schorokschar/Soroksár verfügt über ein reiches kulturelles Leben. Tanzgruppen, angefangen von den Kleinsten bis zu den Erwachsenen, Chöre und Kapellen repräsentieren die ungarndeutsche Kultur und die Traditionen, die sie mit großem Engagement seit vielen Jahren pflegen.

Zur Vorgeschichte:
Herrn Ladislaus Kreisz lag seit vielen Jahren die Idee am Herzen, einmal auch die kleinen Kapellen, die sogenannten „Schrammelkapellen” zu einem Treffen mit gemeinsamem Musizieren zusammenzurufen. Nun wurde diese Idee bereits zum sechsten Mal hier in Schorokschar verwirklicht. Sie wurde die von der örtlichen und Nationalitätenselbstverwaltung, sowie dem Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen gefördert.

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Zu Beginn des Programms wurden beide Hymnen, die ungarische und die der Ungarndeutschen gespielt. Darauf trug uns der Schorokscharer Männerliederkreis drei ungarndeutsche Lieder vor, bevor wir zum Hauptprogramm des Abends, dem Treffen der Schwabenkapellen kamen.

Die Moderation übernahm Manfred Mayrhofer, Schriftleiter des LandesratForums. Hier einige Auszüge aus der Eröffnungsmoderation:
„Der heutige Tag ist der sechste Versuch. [...] Warum? [...] Wir haben uns fast ausschließlich auf die großen Blaskapellen konzentriert. Und der Landesrat, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Gesangs-, Tanz- und Musikkultur des Ungarndeutschtums zu fördern, zu sammeln und neu zu beleben, zu bewahren und der Nachwelt zu überliefern, darf in diesem Kreise der Kapellen eben diejenigen nicht unberücksichtigt lassen, die zur unmittelbaren Vermittlung der Musikkultur imstande sind. Zur Vermittlung an uns Alle. [...] Sie können die Musikkultur des ungarländischen Deutschtums am besten vermitteln und vielleicht sogar prägen. Wenn sie die Musikkultur unserer Vorfahren wirklich gelernt haben und nun an uns alle weitervermitteln, dann können wir uns mit dieser Kultur identifizieren [...]”

Darauf wurden die Ehrengäste begrüßt, die aus nah und fern kamen um diesem Treffen beizuwohnen. Dieses Schwabenkapellentreffen bietet traditionell immer wieder hervorragende donauschwäbische Musik und das kann man sich ja nicht entgehen lassen.

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Nun begann der musikalische Wettstreit der fünf angetretenen Kapellen:
Die erste Kapelle, die wir hörten, war „Mini Sramli“ aus Werischwar/Pilisvörösvár unter der Leitung von Balázs Kozek. Diese Formation war im Jahre 2011 in der Werischwarer Musikschule gegründet worden. Sie trat auch am Fest der ungarndeutschen Schwabenjugend 2015 mit großem Erfolg auf. Zu Gehör brachten sie uns den Marsch „Auf zum Sieg“, den Walzer „Schön ist die Jugend“ und die Polka „Kannst Du Knödel kochen“. Gesanglich unterstützte sie Barbi Mester.

Die nächste Kapelle war die in Schorokschar und in ihrer Heimatgemeinde, sowie in ganz Ungarn weit bekannte „Lustigen Musikanten“ aus Tschepele unter Gábor Kaltenecker. Sie präsentiert ungarndeutsche Musikkultur nicht nur in Ungarn, sondern auch über die Landesgrenzen hinweg. Von den Musikanten hörten wir die Polkas „Kurz ist die Soldatenzeit“, „Wenn der Tag erwacht“ und den „Schneewalzer“.

Die Heimattöne Kapelle aus Schemling/Vértessomló unter Nándor Berendi war die nächste musikalische Formation, die dem Publikum die donauschwäbische Musikkultur näher brachte. Sie spielen vor allem solche Lieder, die in ihrer unmittelbaren Umgebung gesungen und gespielt wurden. 2015 war diese Kapelle – zusammen mit der donauschwäbischen Volkstanzgruppe „Füzes“ aus Kleinturwall/Biatorbágy der ungarndeutsche Beitrag beim großen Treffen der Donauschwaben Nordamerikas in Los Angeles gewesen. Von der Kapelle hörten wir die Polka „Grossturwaller“, die Polka „Festwies“ und den Walzer „Kleine Anuschka“.

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Die Kleinturwaller Musikanten unter Tamás Pete folgten im Anschluss. Eine Formation, die bereits international Aufsehen erregt hat. Sie war die erste ungarndeutsche Kapelle, die Mitglied des Freundeskreises der donauschwäbischen Blasmusik wurde und bereits zweimal beim großen Konzert des Freundeskreises in Mannheim (2009 und 2015) aufgetreten war. Weiterhin ist sie die einzige ungarndeutsche Kapelle, die beim großen Kubesfestival in Sobeslav (Tsch.) zweimal auftreten durfte. Eine Polka, die „Boradicska“, der Walzer „Die Liebste“ und der Schorokscharer Marsch standen auf ihrem Pflichtprogramm.

Die Hausherren, die Schorokscharer Burschen, unter Tamás Solti, bildeten den Abschluss des ersten Teils. In der 2012 gegründeten Kapelle spielen Musiker aus Schorokschar, Pestszentimre und Adony, aber auch Gastmusiker helfen bei Notfällen aus. Dieses Mal war es Dávid Solymosi aus Taks/Taksony, der zur Verstärkung mit seiner Harmonika zum Gelingen des Vortrages beitrug. Drei Polkas wurden uns gespielt, die „Annalina“-Polka, die „Neujahrspolka“ und die unvermeidliche „Inselbaum-Polka“.

Nach Gesang und hervorragender Blasmusik wurde dieser Teil des Programms mit tänzerischen Darbietungen der Nationalitätentanzgruppe „Schwung“ aus Schorokschar abgeschlossen. Gezeigt wurden der „Berzeler Hüpfer” und die „Heimatmelodie” bzw. zwei Choreographien des unvergesslichen Tanzmeisters Nikolaus Manninger. Der Applaus des Publikums war auch dementsprechend groß. Leiterin der Tanzgruppe ist Anna Schuszter-Galambos.

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Nach Ende des Programms wurden die Ehrenurkunden vom Vorsitzenden des Landesrates überreicht. und Er bedankte sich bei den Sponsoren, bei den Mitarbeitern der DNSV unter der Leitung von Anna Schirling-Drexler und bei allen Gästen für die Unterstützung, ohne die diese Veranstaltung nicht hätte stattfinden können.

Mit Tanz in bester Laune wurde dieser Abend abgeschlossen, dafür sorgten alle fünf Kapellen die alle nochmals zur Freude des Publikums je ein 45-minütiges Musikprogramm brachten.

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Einige Stimmen der Kapellmeister zu diesem Tag:
„Das ist jetzt das sechste schwäbische Musikantentreffen und wir hoffen, dass aus dieser Veranstaltung eine Tradition auswachsen wird. Die großen Chöre und Tanzgruppen haben schon Landesfestivale, aber wir, die kleinen Kapellen hatten noch keine, deswegen kam diese Idee vor einigen Jahren und jetzt haben wir das alles organisiert…”

„Diese Initiative freut uns sehr, denn wir hatten den Eindruck, dass die kleinen Kapellen vernachlässigt wurden. Die anderen großen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen haben ihre eigenen Verbände, wo sie ihre Probleme, wie Auftritte, Noten usw., mit den anderen besprechen können. Wir, die kleinen Schrammelkapellen, haben dieses Forum nicht. Deshalb würde es uns freuen, wenn diese Initiative etwas in Bewegung setzen und die Sache vorantreiben könnte. Wir möchten uns auch der Jugend gegenüber offener zeigen, ihnen diese Musik näher bringen, damit sie nicht meinen, dass eine Blaskapelle nur Tschindara spielt, sondern auch etwas anderes kann…”

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Danke den Künstlern für ihre Mühe und den Sponsoren für ihre finanzielle und organisatorische Unterstützung – dem Ministerium für Humanressourcen, der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, dem Mihály-Táncsics-Kulturhaus, der Selbstverwaltung und der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung von Schorokschar und dem Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen.

Text und Fotos: Manfred Mayrhofer – LandesratForum

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