Frauenschicksale

Quelle: Neue Zeitung
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Erinnerungen von Alojsia Finta aus Elek

Der 25. November ist der offizielle Gedenktag der in die Sowjetunion deportierten politischen Häftlinge und Zwangsarbeiter. Am 11. Januar 1945 wurde Alojsia Finta (Foto mit Nachbarin) aus Elek mit 17 für zweieinhalb Jahre nach Kriwoj Rog zur Zwangsarbeit verschleppt.

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Finta Elekné geb. Alojsia Jámbor (03. 04. 1927, Elek, Mutter: Alojsia Hoffmann, Vater ein Ungar aus Jula) ist jetzt zufrieden. 30 000 Ft Rentenzuschuss als Wiedergutmachung für die zweieinhalb Jahre Zwangsarbeit in der Sowjetunion ist eine echte Hilfe für sie. In Elek leben nur noch fünf Frauen, die ihr Schicksal teilen, die sich aber nicht gern an diese grausame Zeit erinnern.

„Am 2. Januar haben die Kleinrichter der Gemeinde in der Früh mit Trommelschlag bekannt gegeben, dass alle Frauen von 17 bis 35 und alle Männer von 16 bis 48 Jahren verpflichtet sind, sich an den vorgegebenen Sammelstellen zu melden, mit Verpflegung und warmer Kleidung und Bettzeug für drei Wochen.“ Es gehe um eine kleine Arbeit, „Malenki Robot“ im Lande, in Zuckerfabriken oder beim Maisbrechen – hieß es zuerst.

„Im eigenen Ort waren wir neun Tage in diesen Sammellagern eingesperrt und von russischen Soldaten bewacht. Bald erfuhren wir auch, dass wir in die Sowjetunion zur Aufbauarbeit transportiert werden, dort aber als freie Arbeiter leben können. In die „Soldatenkiste“ meines Vaters habe ich mir also auch ein schönes Kleid mit Seidenschal eingepackt, was ich dann später für Essen verkaufte“, fängt Luisi néni mit dem Erzählen an.

Heute würde eine Siebzehnjährige fragen, wieso man diesen Befehlen ohne Widerrede gefolgt ist? Die schrecklichen vorhergehenden Monate geben darauf eine Antwort. Diese Geschehnisse sind in Elek auch heute noch nicht allgemein bekannt. Schon am 24. September haben die Russen Elek, als den ersten Ort im Land besetzt. Plünderungen, Vergewaltigungen, im Oktober zwei Wochen lang schreckliche Straßenkämpfe zwischen den Ungarn und der Roten Armee – in der Bevölkerung herrschte natürlich große Angst. Am 1. Januar 1945 wurde Elek von der GPU-Mannschaft hermetisch abgesperrt.

Luisi néni erinnert sich weiter: „Die Fahrt nach Kriwoj Rog hat 21 Tage gedauert, und aus den paar Wochen sind zweieinhalb Jahre geworden. Im Sommer 1947 bin ich 45 kg ‚schwer’ zurückgekehrt. Ein Glück, dass ich es überleben konnte und dass meine Eltern während dieser Zeit nicht aus Elek vertrieben wurden. Und wie konnte ich es überleben? Es gab ja kaum etwas zu essen, keine richtige Unterkunft, keine Heizung, keine Hygiene – nur schwere Arbeit und immer mehr Krankheiten. Die Frauen haben noch am Anfang eine Spritze bekommen, damit ihre Periode ausbleibt. Es wurde empfohlen, auch später eine Zeit lang kein Kind zur Welt zu bringen. Viele sind für immer kinderlos geblieben. Andererseits wurden im Lager aber auch Kinder geboren. Einmal wurde ein Transport Kleinkinder mit Müttern nach Hause geschickt, von den Kindern ist – wegen der schrecklichen Verhältnisse – nur eins am Leben geblieben. Leider haben wir verstorbene Säuglinge auch im Plumpsklo gesehen.

Mit der Arbeit hatte ich ein bisschen Glück. Ich war in einer Zementfabrik, außerdem habe ich eine russische Frau kennen gelernt, bei der ich im Haushalt helfen konnte, und so manchmal etwas mehr zum Essen hatte, zum Beispiel Kartoffeln. Sonst haben wir aus Kirschbaumzweigen Tee, aus Brennesseln Suppe gekocht. Mit einem Lastwagen wurden wir zur Arbeit gefahren. ‚Dawai, dawai!’– auch heute höre ich noch den Befehl.

Ob wir junge Frauen etwas Unterhaltung gehabt hätten? Die größte Hilfe war unser Glaube, und an Abenden haben wir gemeinsam gesungen.

„In dem Lande, wo man keinen Sonntag find‘t,
wo die Läuse wachsen wie das grüne Gras,
wo man alle Tage nur mit dem Trager schwingt,
da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.’“

Bei der letzten Zeile fließen ihr schon die Tränen…

Klára Mester

Magyarwechsle die Sprache

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