70 Jahre Ankommen in Geretsried

Quelle: Neue Zeitung
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Rot als Symbol für Trauer und Schmerz bei der Flucht und Vertreibung. Rot ist aber auch die Farbe der Freude und Liebe zur neuen Heimat.

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Die rote Marmorplatte ist folglich die passende Erinnerungstafel für Geretsried, sagte Georg Hodolitsch, stellvertretender Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern bei der Einweihung. Bei ihm ist bei der Zeitzeugenbefragung die Idee gereift, die Flucht aus Pußtawam, aber auch das Ankommen über Beuerberg in Geretsried festzuhalten. Dabei haben ihn die Geflüchteten voll unterstützt. Durch die Spenden von 21 Familien und Mithilfe der Pußtawamer ist dies jetzt gelungen. Der Stein selbst stammt aus einem Steinbruch nur etwa 35 km nördlich von Pußtawam.

Bürgermeister Michael Müller erinnerte an die besondere Entwicklung von Geretsried. Die junge Generation könne kaum noch erahnen, was sich damals abgespielt hat. Nach dem Krieg wurde durch die geflüchteten und vertriebenen Eltern und Großeltern aus den osteuropäischen Siedlungsgebieten ein blühendes Gemeinwesen geschaffen. Darauf ist man zu Recht stolz. Es steckt aber für alle eine große Aufgabe und Verantwortung darin, dieses Werk zu erhalten und fortzuführen. Bürgermeister Gerhard Zapfl aus Nickelsdorf bestätigte, dass die Geschichte leider aus Migration bestehe. Sein Ort an der österreichisch-ungarischen Grenze betreute in der Vergangenheit mehrfach Flüchtlinge aus dem Osten. Für János Lisztmayer, Bürgermeister von Pußtawam, war es schwer, über die Vertreibung zu sprechen. Er bedankte sich, dass die Vertriebenen in Geretsried heimisch werden durften. Hans Schmuck, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, nannte die Gedenktafel ein sichtbares Zeichen der Erinnerungskultur.

Über erste Erfolge in der Nachhaltigkeit konnte Hodolitsch berichten. Eine Doktorandin der Humboldt-Universität in Berlin befasst sich bereits mit diesem Thema in Bezug auf Geretsried. Eine Schülerin am Gymnasium in Geretsried hat ihre Projektarbeit über die Ansiedlung der Vertriebenen in Gelting und dabei auch über einen Landsmann aus Pußtawam geschrieben. Erstaunlich für Hodolitsch war, dass die 31 Pferdegespanne mit Familien aus Pußtawam ab 09. 12. 1944 gut bis Zillingdorf, südlich von Wien, kamen und nach der Bahnverladung schnell im sicheren Beuerberg, in Bayern, waren. Die Frauen und Kinder, die zuvor in der Kreisstadt Moor in Viehwaggons verladen wurden, und die später Vertriebenen brauchten mehrere Monate nach Deutschland. Auf der Flucht starben viele Säuglinge – es kamen aber auch Kinder zur Welt! Die ersten Pußtawamer siedelten sich im September 1945 in Schwaigwall, damals noch Gemeinde Gelting, an. Heute leben die meisten Landsleute im Blumenstraßenviertel (Dr. Bleyer-Siedlung) von Geretsried.

Die Enthüllung der Erinnerungstafel nahmen vor rund 80 Personen im überfüllten Foyer des Geretsrieder Rathauses gemeinsam Zapfl, Lisztmayer, Müller und Hodolitsch vor. Ben Dreier mit seinem Akkordeon sorgte für die musikalische Umrahmung. Beim anschließenden Empfang beim Wein aus Pusztavám, Nickelsdorf und Geretsried mit frisch gebackenem Gebäck der ungarndeutschen Frauen wurde vieles wieder in Erinnerung gerufen. Damit wurde die bestehende Freundschaft und geschichtliche Verbundenheit der drei Gemeinden weiter vertieft.

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