Forschungen und Gemeinschaften – Junge Ungarndeutsche im HdU

Quelle: Zentrum

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Die Ansichten und Meinungen der Jugend über die Ungarndeutschen standen im Mittelpunkt des letzten Zentrum-Programms. Das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum lud im Rahmen der Reihe Auf dem Teppich drei junge Ungarndeutsche ins Haus der Ungarndeutschen ein, damit sie am 6. April dem Publikum über ihre Forschungsergebnisse und über die Tätigkeiten ungarndeutscher Jugendgemeinschaften berichten.

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Eszter Rita Katona studiert zurzeit Survey Statistik an der Eötvös-Loránd-Universität. Letztes Jahr übernahm sie sowohl in Gesellschaftswissenschaften, als auch in Germanistik das BA-Diplom. Sie behandelte in ihrer Diplomarbeit die Erinnerungskultur der Ungarndeutschen in Sanktiwan bei Ofen und wurde dafür dieses Jahr mit dem Valeria-Koch-Preis der LdU ausgezeichnet.

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Eszter beschäftigte sich mit dem Ansiedlungsspiel Wurzeln und Flügel, das im April 2009 in Sanktiwan bei Ofen stattfand. Es gab insgesamt sieben Stationen an verschiedenen Orten des Dorfes, wobei die wichtigsten Geschehnisse der Gemeinde vorgeführt wurden, wie zum Beispiel die Ankunft der Ansiedler im Jahre 1723, der Kirchenbau, der von 1780 bis 1796 dauerte, oder die Rosenhochzeit aus dem Jahre 1822. András Frigyesi, damaliger Direktor des Deutschen Theaters Budapest wurde mit der Regie beauftragt. Von ihm stammt auch die Idee der Stationen. Während des Spiels zogen die Darsteller mit den Zuschauern zusammen von Station zu Station.

Eszter wollte mit ihrer Forschung auch andere Gemeinden motivieren, damit sie ähnliche Programme veranstalten können. Die gründliche Dokumentation des Spieles in ihrer Diplomarbeit dient auch als eine hervorragende Vorlage für weitere Projekte. Mit dem Ansiedlungsspiel wurde in Sanktiwan eine neue Tradition ins Leben gerufen, womit auch die junge Generation motiviert werden kann, und eine identitätsstärkende, gemeinschaftsbildende Funktion hat.

Die gemeinschaftsbildende Funktion und Bewahrung der Identität waren auch Forschungsaspekte von Tekla Matoricz, zumindest im Zusammenhang mit der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher.

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Tekla, ebenfalls Trägerin des Valeria-Koch-Preises, kommt aus Fünfkirchen, ist als Tochter einer ungarndeutschen Mutter und eines Vaters kroatischer Abstammung geboren. Sie absolvierte ihr BA-Studium letztes Jahr. Zurzeit arbeitet sie bei einer IT-Firma und macht gleichzeitig ihr Masterstudium in kultureller Vermittlung an der Universität zu Fünfkirchen. Seit 2013 ist sie ehrenamtliche Vorsitzende der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher, wo sie seit 2005 Mitglied ist. Tekla studierte Soziologie, darunter natürlich auch Minderheitensoziologie als Bachelorstudium und hat ein Thema für ihre Diplomarbeit genommen, welche die GJU zu einem eventuellen Fortschritt verhelfen kann. Sie untersuchte den Einfluss der Jugendorganisation auf ihre Mitglieder, auf deren gesellschaftliche Rollen und Persönlichkeitsentwicklung. Die Themen hat sie durch verschiedene Fragebögen, Interviews und Analysen behandelt. Für ihre Forschung erhielt auch sie den Valeria-Koch Preis der LdU, worauf sie sehr stolz ist, weil diese Anerkennung ihr vermittelte, dass ihre Arbeit nicht nur für die GJU-ler, sondern auch für andere Angehörige der deutschen Nationalität wichtig ist und geschätzt wird.

Die empirische Forschung bestand aus Online-Fragebögen und Online-Interviews mit Hilfe von Facebook und E-Mails. Die Fragebögen wurden an 50 GJU-ler (auch ehemalige GJU-ler) geschickt, die strukturierten Interviewfragen an die früheren Vorstandsmitglieder der GJU gerichtet. Die Hypothese der Studentin „Die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher hat eine wichtige Rolle im Leben ihrer Mitglieder, hat eine große Wirkung auf deren gesellschaftliche Rollen und Persönlichkeitsentwicklung” erwies sich als vollständig angebracht. Einige ehemalige Gründungs- bzw. Vorstandsmitglieder waren am Abend dabei und bestätigten das auch persönlich.
Der neueste Freundeskreis der GJU wurde in Budapest im November 2015 gegründet. Zurzeit sind sie zu 30 und haben bereits viele Veranstaltungen organisiert.
Patrik Schwarcz-Kiefer, Vorsitzender des Freundeskreises, sprach über die bisherigen Veranstaltungen und Geschehnisse der GJU Budapest. Seit November hatten sie unter Anderem eine Gedenkveranstaltung für Jakob Bleyer mit Kranzniederlegung an seinem Grab, eine Wohltätigkeitsaktion für einen ungarndeutschen Kindergarten, ein Tanzhaus und eine deutsche Retroparty organisiert. Obwohl sich als Ungarndeutsche/r in Budapest schwer zu definieren ist, haben die Jugendlichen viele Zukunftspläne.

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Zu dem vom Zentrum organisierten TrachtTag am 22. April möchten sie mit einem Flashmob beitragen, wobei sie Flyers über die Ungarndeutschen verteilen und die Passanten über die Nationalität befragen möchten. Mit einer Kampagne möchten sie die Zweisprachigkeit unter den Jugendlichen auch stärken. Die Geschichte spielt für ebenfalls sie eine wichtige Rolle, deswegen planen sie einen Ausflug nach Recsk.

Seitens des Publikums wurde nach allen drei Vorträgen eine wiederkehrende Frage an die Vortragshaltenden über die Sprachbenutzung gerichtet. Man stellte fest, dass man bemüht ist überwiegend Deutsch zu sprechen, die jedoch nicht immer erfolgt. Im GJU-Vorstand wird übermäßig Deutsch gesprochen, aber z.B. bei Kinderprogrammen kann man das Ungarische nicht vermeiden, denn manche teilnehmenden Kinder haben keine ausreichenden Deutschkenntnisse. In solchen Fällen wird übersetzt, Kinder die gering oder wenig Deutsch sprechen möchte man nicht aus den Programmen ausschließen. Auch bei GJU Budapest spricht man in verschiedenen Situationen Ungarisch, aber sie unterstreichen die Wichtigkeit der Benutzung der deutschen Sprache.

Diese Frage galt als Anreiz für weitere Diskussionen unter den Gästen.

Nándor Frei


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