Dritte Station des LdU-Wanderbündels in Hartian

Quelle: Zentrum

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Es war schwer, die Last des Bündels zu tragen

Das Wanderbündel der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ist unterwegs, und ist am 12. Mai aus Wetschesch auch in Hartian angekommen. So versammelten sich Schüler der Deutschen Nationalitätengrundschule, um sich im Rahmen einer interaktiven Volkskundestunde an die größten Schicksalsschläge der Ungarndeutschen, an die Verschleppung und Vertreibung zu erinnern.

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Direktorin Adrien Sós-Lauter und Katalin Ruttersmid, Leiterin der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der Schule begrüßten die Schüler, erzählten den geschichtlichen Hintergrund der traurigen Ereignisse, und wie die Verschleppung der Ungarndeutschen in Hartian verlief. Am 13. Januar 1945 mussten insgesamt 168 Hartianer mit einem Bündel ihre Heimat verlassen. In diesem einzigen Bündel mussten sie ihre Vergangenheit, die Erinnerungen über ihre Heimat und Familie mittragen. Sie wurden in Berzel mit den Ungarndeutschen anderer Siedlungen einwaggoniert und in die Sowjetunion nach „Novi Donbas” (Donezbecken) transportiert. Da mussten sie unter unmenschlichen Umständen schwere physikalische Arbeit (in Bergwerken, Industrieanlagen, auf dem Feld) errichten. Die Hartianer – etwa die Hälfte der Verschleppten – konnte erst am 5. November 1949 nach Hause kehren.

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Eine der letzten Hartianer, die über dieses traurige Schicksal noch persönlich erzählen kann, ist Frau Manger „Bözsi néni”. Zwar sind mehr als 70 Jahre seit der Verschleppung vergangen, erinnerte sich Bözsi néni an die Geschehnisse so lebhaft, als ob dies gestern geschehen wäre. Die Schüler waren beeindruckt vom Gehörten, sie haben interessiert Frau Manger zugehört. Bözsi néni hat auch noch eine andere besondere Verbindung zu dem Lager: dort hat sie nämlich ihren aus Sankt Martin stammenden Mann kennengelernt. Ihr Sohn – János Manger, der auch an der Gedenkstunde anwesend war – wurde noch im Lager geboren. Frau Manger habe dem Priester aus Újlengyel, Nándor Tábori – der ursprünglich aus Taks stamme – sehr viel zu verdanken, denn er habe heimlich das junge Paar getraut und den kleinen Sohn getauft. Als Bözsi néni und die anderen Verschleppten heimkehrten, seien sie – so Frau Manger – von Massen auf den Straßen, mit Blaskapellenbegleitung und Glockenschlägen begrüßt worden. Die Familie der jungen Frau sei ganz überrascht gewesen, da sie als Mädchen weggegangen und als Frau und Mutter nach Hause gekommen war.

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Die Schüler stellten ein rührendes Programm zusammen: sie haben Gedichte über die Verschleppung, und ein – von den Verschleppten oft gesungenes – Lied mit Akkordeonbegleitung von Anton Lauter vorgetragen.

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Die Schule von Hartian hat den Inhalt des Wanderbündels durch einige Gegenstände weiter bereichert: durch ein Dokument mit den Namen der Verschleppten, durch Bilder u. a. über das Symbol unserer Verschleppung: über ein erhalten gebliebenes „pufajka”, das in dem Heimatmuseum ausgestellt ist, und über das Kreuz, das vor zwei Jahren in Novi Donbas mit den Nachrichten der Hartianer niedergelegt wurde.

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Danke schön für die Möglichkeit, dass auch wir das Bündel mittragen durften!

Martin Surman-Majeczki

Magyarwechsle die Sprache

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