Ein Bündel geht auf die Reise

Quelle: Zentrum

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Der Projekttag am Valeria-Koch-Gymnasium
zur Verschleppung der Ungarndeutschen

Eine unfreiwillige Reise…
Was nimmt man mit?
Was lässt man zurück?
Was bleibt?
Fotos von Zurückgebliebenen.
Das Zuhause, die Familie, die Heimat.
Erinnerungen an bittere Jahre – und die Hoffnung darauf, dass nicht der Staub der Geschichte verwehen möge, was Menschen einst geprägt hat.

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Die Erinnerungen an die Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen waren das Thema des Projekttages im Valeria Koch Gymnasium. Im Zentrum stand die „malenkij robot“, die viele Angehörige der ungarndeutschen Minderheit in den weit entfernten Gebieten des Donezbeckens, des Urals und Sibiriens ableisten mussten. Die Gedenkstunde und der Schulprojekttag waren für uns Schüler eine Geschichtsstunde zum Anfassen. Historisch betrachtet sind die Zeit der letzten Kriegsjahre und die nachfolgende Zeit für uns Schüler eine Ewigkeit her. Aber doch nah in unseren Gedanken und Empfindungen. Dies brachte auch unsere Direktorin Frau Ibolya Hock-Englender in ihrer bewegenden Rede zum Ausdruck, in der sie darauf hinwies, dass aus der Generation derer, die Verschleppung und Vertreibung am eigenem Leib erleben mussten, nur noch wenige am Leben sind.

Anlässlich des Geburtstages der Namenspatronin unserer Schule – Valeria Koch – waren einige der inzwischen betagten Zeitzeugen zu Gast: Anna Trunk, Josef Rott und Lujza Győri hatten ihr Bündel mit in die Schule gebracht. Ein großes, rotes Bündel, wie es die Verschleppten mit auf den Weg nahmen, packten die Zeitzeugen Frau Lujza Győri und Herr Josef Rott unter Tränenvor den Gästen aus. Zum Vorschein kamen: Bettzeug, Töpfe, Besteck, Heiligenbilder, eine Bibel und ein Rosenkranz. Nachdem das Bündel erneut vor den Anwesenden verschnürt worden war, setzte sich die rüstige Greisin, die traditionell in die Schomberger Tracht gekleidet war, das Bündel auf den Kopf, um es ein paar Schritte bis zum Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Herrn Otto Heinek, zu tragen und es ihm zu übergeben.

Dieser erinnerte in seiner Rede an das, was nicht im Bündel mitgenommen werden konnte: Die Heimat, die Gerüche, die Menschen. Auch Herr Dr. János Hargitai, Parlamentsabgeordneter aus der Branau, beschwor in seinen Worten, die Erinnerungskultur nicht zu vernachlässigen.

Ganz in diesem Sinne wurde auch der Projekttag der Schule von den verantwortlichen Lehrern Ágnes Pesti-Amrein und Josef Weigert ausgerichtet. Im Anschluss an den Festakt haben wir Schüler in einem Stationenlernen vielseitige und interessante Aufgaben zur Verschleppung lösen können. Danach haben wir uns einen Dokumentarfilm über persönliche Schicksale in diesen schweren Jahren nach dem Krieg angesehen. Anschließend hat uns Nikolett Szikszai von ihrer Reise in den Ural berichtet, die sie im Jahr 2000 auf den Spuren der Verschleppten unternommen hat.

Zur Erinnerung an diesen Teil der ungarndeutschen Geschichte geht nun symbolisch das Bündel aus Schomberg auf die Reise. Die erste Station des Bündels ist das Valeria-Koch-Schulzentrum, von hier aus wird es seinen Weg in alle deutschen Nationalitätenschulen bis nach Werischwar nehmen. Die Schüler jeder Schule, die das Bündel empfängt, fügen dem Bündel eine Gabe hinzu. Die Valeria-Koch-Schüler haben dem Bündel eine Schatulle mit selbstverfassten Gedichten beigegeben.

Anlässlich des Erinnerungsjahres und des Projekttages am Valeria-Koch-Schulzentrum wurde eine neue Gedenktafel in der Aula eingeweiht. Auf der Tafel aus schwarzem Marmor führen Gleise ins Ungewisse, die den Transport in das Donezbecken, in den Ural und nach Sibirien andeuten. Links neben den Gleisen ist der Satz: „Unsere einzige Schuld war unsere Abstammung…“ zu lesen. Rechts unten erscheint die Jahreszahl des Beginns der Verschleppung: 1944. Auffallend ist, dass es keine Jahreszahl gibt, die das Ende der Verschleppung markiert. Dass viele, gerade auch jüngere Schüler neugierig stehen bleiben, um die Gedenktafel und die Ausstellung der Projektarbeiten anzuschauen, bezeugt das breite Interesse am Schicksal der Verschleppten.

Wenn in diesen Tagen die Absolventen des Valeria-Koch-Gymnasiums auch ihr Bündel schnüren, werden sie leicht daran zu tragen haben:

Unser Bündel, von uns „Tarisznya“ genannt, enthält nur eine Münze, ein Zitat, ein Schulfoto und eine Pogatsche. Wir sind in Friedenszeiten aufgewachsen, nehmen eine ausgezeichnete Schulbildung mit und verlassen die Schule mit Hoffnung und Zuversicht.

Aber in unserem Gepäck sind auch die Erinnerungen derer aufgehoben, die an ihrem Bündel schwer zu tragen hatten.

Wir werden sie bewahren.

Klaudia Kőszegi, Gabriella Kiss
Klasse 11, Valeria-Koch-Gymnasium

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