„Wenn ich Blasmusik höre schlägt mein Herz höher…”

Quelle: Landesrat

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Erinnerungen und Erlebnisse aus unseren Kinderjahren, wie tief sie auch in der Vergangenheit wurzeln, werden durch irgendwelche Umstände immer wieder wachgerufen. Mir kommen, wenn ich das Wort Blechmusik höre, meine Kindheit, besser gesagt, die Festtage meiner Kindheit in den Sinn. Ich sah den Feiertagen immer mit großer Spannung entgegen, nicht nur ihrer Seltenheit wegen, sondern auch deshalb, weil ich an diesen Tagen immer Blasmusik hören konnte. Sicher ist es vielen so ergangen. In den auch von Deutschen bewohnten Gegenden Ungarns gehört die Blasmusik zum alltäglichen Leben wie die Sonne zum Sommertag. Es ist ein Geschenk der Natur dass es unter den Jugendlichen immer welche gab, die für die Musik aufgeschlossen, empfänglich waren. In den Blaskapellen hatten sie die Möglichkeit, ihr Können, ihre Begabung zu beweisen. Und unter den älteren Musikanten wiederum gab es immer welche mit gutem pädagogischem Sinn. Die Voraussetzungen zur Gründung bzw. zur Aufrechterhaltung einer Blaskapelle waren also gewöhnlich vorhanden. Das Musizieren bei verschiedenen Gelegenheiten hatte seine eigene Ordnung, seine Tradition. Das Brauchtum vererbte sich von Generation zu Generation und verschmolz mit der „Geschichte”. Das Musizieren war eng verbunden mit dem alltäglichen Leben des Volkes. Das Fortbestehen unserer schwäbischen Blaskapellen hat über die Pflege der Traditionen hinaus auch musikgeschichtliche Bedeutung. Man müsste die Noten der schönen Weisen, die die „Alten” so prächtig zu spielen verstanden, sammeln. Und es ist höchste Zeit. Denn die alten Kommoden werden durch neue modernere Schränke ersetzt und es ist leider oft der Fall, das mit den alten Möbeln auch die alten Notenblätter in den Ofen wandern.

Ungarns deutsche Jugendblaskapellen im friedlichen Wettstreit
Wertungsspiel in Kalasch / Budakalász

Der Ablauf des Landesrat-Wertungsspiels am 30. April 2016 gestaltete sich so wie beim Bläsertreffen in Petschwar: Hymnen, Grußworte, gemeinsames Stück und Wertungsprogramm mit dem obligaten Pflichtstück, der „Lentschi Polka”.

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In Kalasch richtete László Wagner, der Vorsitzende der örtlichen DNSV sowie Katalin Wágner-Klupp, die Vorsitzende des Kalascher Deutschen Nationalitätenvereins die Begrüßungsworte an die jungen Musiker und an das zahlreich erschienene Publikum.

László Kreisz, der Vorsitzende es Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen sprach seine Grußworte an die jungen Musiker beim VII. Jugend-Blasmusikwertungsspiel, sprach den Dank an die Gastgeber aus und meinte: „… Für die ungarndeutsche Blasmusikkultur sind diese Festivals besonders wichtig, denn die Musiker, die heute auf der Bühne ihr Können zeigen werden, spielen nicht nur Musik, sondern pflegen auch unsere musikalische Muttersprache. Wenn ich Blasmusik höre schlägt mein Herz höher, denn die Blasmusik ist ein Markenzeichen der Ungarndeutschen, der Donauschwaben. Sie ist wirklich unsere musikalische Muttersprache…“.

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Dann wurde die Jury vorgestellt. In beiden Gemeinden war die Jury mit denselben Persönlichkeiten besetzt. Den Vorsitz hatte Árpád Apáthy, pensionierter Direktor der Franz Liszt Musikhochschule in Fünfkirchen, als Beisitzer waren Komponist und Kapellmeister Tamás Farkas, Sohn des weitbekannten ungarndeutschen Kapellmeisters und Musiklehrers Antal Farkas und Josef Fricz, Kapellmeister und Dirigent, Mitglied des Führungskreises der Blasmusiksektion des Landesrates, anwesend. Erfreulich war auch, dass die gesamte Vorstandsriege der Sektion Blasmusik im Landesrat zu dieser Veranstaltung erschienen war, vermisst wurden (wie schon öfters) die Vertreter der ungarndeutschen Medien. Leider war auch niemand von den überregionalen Würdenträgern der Ungarndeutschen anwesend. Die Jugendlichen hätten es sicher verdient.

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Angetreten zum Wertungsspielen sind drei Jugendblaskapellen und zwar die Jugendblaskapelle „Kamp János” aus Kalasch (Dirigent Balázs Binda), die Blaskapelle „Lukin” von Hanselbek/Érd mit dem Dirigenten Ágoston Zwickl und die Bläserjugend des Musikvereins Wetschesch/Vecsés unter ihrem Dirigenten Imre Szábó.

In der Pause begann die Jury ihr schweres Amt, brachte die Ergebnisse und Wertungen zu Papier, führten mit den Kapellmeistern Bewertungsgespräche und auch die Urkunden vom Landesrat wurden ausgefertigt. Um die Wartezeit für das Publikum erträglich zu machen, fand sich die Jugendblaskapelle aus Kalasch ein und spielte für die vielen Zuhörer flotte ungarndeutsche Weisen. Mit dem Galaprogramm wurde fortgesetzt. Jede Kapelle konnte sich noch einmal dem erwartungsvollen Publikum präsentieren und ihr Können zeigen.

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Die Spannung stieg, und mit dem Eintreffen der Jury im Saal wusste man, dass der Zeitpunkt der Entscheidung gekommen war. Der Vorsitzende der Jury Apáthy Árpád berichtet einige Worte an das Publikum und die anwesenden Musiker. Worte des Dankes und der Anerkennung für die gezeigte Arbeit, Worte der Ermunterung auf diesem Weg fortzufahren bzw. er dankte den Dirigenten dafür, dass es wieder eine Qualitätssteigerung zu erkennen war. „Es ist immer wieder schön zu sehen, dass so viele Jugendliche die traditionelle ungarndeutsche Blasmusik auf diesem hohen Niveau spielen”, meinte er. Die Jury hatte bei ihrer Urteilsfindung wahrlich keine leichte Arbeit, sind doch die Qualitätsunterschiede minimal gewesen.

Die Jugendblaskapelle „Kamp János” aus Kalbach (Dirigent Balázs Binda), erreichte die Wertung Gold, die Blaskapelle „Lukin” von Hanselbek/Érd mit dem Dirigenten Ágoston Zwickl Silber und die Bläserjugend des Musikvereins Wetschesch unter ihrem Dirigenten Imre Szábó erreichte Gold mit Auszeichnung.

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Zum Schluss bedankte sich Landesrat-Vorsitzender László Kreisz bei den Musikern, ihren Kapellmeistern, bei dem Organisatoren dieser Feste und bei allem, die dazu beigetragen hatten, dass dieses Festival ein wahres Fest der Musik wurde. Auch der Direktion des Kulturhauses sowie allen Mitarbeitern hinter der Bühne und in der Verwaltung sei gedankt. Aber auch an die Eltern und Großeltern hat László Kreisz gedacht, denn ohne deren Erziehung und Einfluss, ohne deren finanziellen Opfer es nicht möglich wäre, so gut ausgebildete Jungmusiker unter uns zu haben. Er bedankte sich auch bei den Förderern dieser Veranstaltung. Ebenso gedankt wurde den Partnern vor Ort: der Selbstverwaltung und der DNSV von Kalasch, dem Deutschen Nationalitätenverein sowie den Hauptsponsoren, der LdU bzw. dem BMI und dem Landesrat.

Neben den musikalischen Ereignissen wurde in Petschwar und in Kalasch auch Konsultationen mit interessierten Mitgliedern der Kapellen und Gästen zum Thema „Die Arbeit des parlamentarischen Sprechers der Ungarndeutschen und die Auswirkung auf das Volksgruppenleben, den Landesratvorstand und seine Zukunftsplanung, Medien und Stärkung der Vereinsstruktur, Jugendarbeit und ihre Verbesserung“ gehalten. In einer freundlichen und aufgabenorientierten Diskussion – an der reger Anteil genommen wurde – wurden diese Themen angesprochen und versucht Lösungen zu finden bzw. die Auswirkungen zu erkennen. Wir danken allen Teilnehmern für ihr engagiertes Mittun.

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PS.: Wir wissen das einige Leistungsträger der vergangenen Wertungsspiele aus dem Jugendalter herausgewachsen sind – aber es wäre schön gewesen, wenn sich mehr Jugendkapellen der Bewertung unserer hochrangigen Jury gestellt hätten. Liebe Jugendmusiker, liebe Kapellmeister, wie könnt Ihr wissen wo Ihr im Vergleich zu anderen Musikkapellen qualitätsmäßig steht wenn Ihr euch nicht an den Qualifikationen beteiligt. Der Landesrat hat aus diesem Grunde diese Wertungsspiele eingeführt um einen Überblick über die Qualität der Kapellen zu erhalten und eventuell Hilfestellung zu gewähren. Also bitte: das nächste Mal mehr Beteiligung.

Manfred Mayrhofer, LandesratForum

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