Sprache, Kultur, Ethnizität, … – Identität

Quelle: Zentrum

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Kulturen verbinden. Steht auf dem Roll-up des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), das im Fellbachsaal des Lenau Hauses aufgebaut wurde. Vor diesem Hintergrund unter diesem Motto fand im ungarndeutschen Kulturzentrum am 3. und 4. Juni 2016 eine Konferenz unter dem Titel „Sprache, Kultur, Ethnizität, … – Identität“ statt, woran 
zahlreiche Akademiker, Experten aber auch Interessenten aus den anerkannten Nationalitäten Ungarns teilnahmen, die neben den Vorträgen rege Diskussionen führten und sich untereinander austauschten. Es waren die Bulgaren, die Deutschen, die Griechen, die Kroaten, die Polen, die Romas, die Rumänen, die Serben und die Slowaken vertreten.

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Hierbei ergab sich ein gemeinsamer Faden, den Frau Dr. Susanne Gerner, Leiterin des Germanistischen Instituts der Universität Fünfkirchen, in der thematischen Behandlung der Dynamik der Sprachkontakte sah, die überwiegend im 17.-18. Jh. zwischen den heute in Ungarn vorhandenen Minderheitensprachen und der ungarischen Sprache entstanden sind. 
In den Beiträgen wurden verschiedene objektive und subjektive Faktoren aufgeführt, wie Veränderungen in der Anzahl der noch sprechenden Personen, des Siedlungsbildes, der politischen Rahmenbedingungen, der Schulpolitik, der Religion (Endogamie bei unterschiedlicher Religion von Mehrheit und Minderheit und Exogamie bei gleicher Religion) sowie sprachliches Repertoire und Sprachkompetenz (Grad und Verbreitung der Zweisprachigkeit auf individueller bzw. gesellschaftlicher Ebene).

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Dabei wurde auch der Aspekt der Assimilation angesprochen, die sich kulturell, in den Städten (2. Hälfte des 19. Jh) und in den ländlichen Siedlungen (im Allgemeinen nach dem 2. Weltkrieg) vollzog und die Aneignung der Sprache und des typischen Verhaltensmusters der Integrationsgesellschaft zur Folge hatte. Eine strukturelle Assimilation erfolgte wiederum u.a. durch die Eingliederung in ungarische Institutionen wie Schule, Religionsgemeinschaft, Arbeitsplatz etc., was auch zu einem Sprachverlust führe. 
Rege diskutiert wurde ebenfalls die Rolle der Familie bei der Vermittlung von Sprache und Kultur, wobei es eine große Zustimmung gab, dass dieser ein unentbehrlicher Faktor ist, und nicht allein von der Schule übernommen werden soll und kann. 
In ihrer Ausgangsrede appellierte Frau Dr. Gerner, dass man nicht das Vergangene oder Verlorene neu zu beleben versuchen solle. Anstatt des ewig Gestrigen nachzutrauern, solle man versuchen nach vorne zu schauen und die Minderheitenidentität attraktiv zu machen, damit junge Leute sich dafür interessieren und sie auch gern annehmen. 
Wobei sie die Identität mit dem philosophischen Paradoxon des Theseus‘schen Schiffs gleichsetzte.

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Zu der Konferenz hatten das ifa, das Lenau Haus, die Arbeitsgemeinschaft zur Minderheitenkunde der Ungarischen Akademie (MTA) und das Germanistische Institut der Universität Pécs eingeladen, die diese interkulturelle Zusammenkunft mit der finanziellen Unterstützung der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen und der Landesselbstverwaltung der Bulgaren realisieren konnten. 
Insgesamt 17 Referenten nahmen an der Veranstaltung teil, wobei kurzfristig noch ein Kurzvortrag von Dr. Krisztina Kakuk-Partics zur griechischen Minderheit in Ungarn eingeschoben wurde. Die Anwesenden begrüßten János Haász, den Abgeordneten der Selbstverwaltung der Stadt Pécs, Stefan Szeitz, Geschäftsführer des Lenau Hauses und Dr. Susanne Gerner, Lehrstuhlleiterin des Germanistischen Instituts der Universität Fünfkirchen. Das Schlusswort gab Sandra György, Kulturmanagerin des Instituts für Auslandsbeziehungen.

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Zum Ausklang der Konferenztage wurden drei Musterprojekte der ungarndeutschen Nationalität vorgestellt. Die vom Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum organisierten Projekte „Abgedreht! – Ungarndeutsches JugendFilmfest“ und „TrachtTag“, sowie ein Projekt des Goethe-Instituts, „Enkelgeneration“.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Austausch untereinander sehr befruchtend war und weiterhin wichtig sei, so dem Wunsch nach weitere Veranstaltungen dieser Art folgen müssen. 
Die Zusammenstellung einer mehrsprachigen Schriftenreihe ist bereits in Planung.

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Themen:

Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi / Dr. Márta Müller: „Die Informationsstrukturen der Mundartwörterbücher“
Dr. Mária Zsilák: „Die Bestrebungen der slowakischen Nationalität in Ungarn für die Bewahrung der Muttersprache im 21. Jahrhundert
Tímea Bockovac: „Über die Rolle der kroatischen Sprache im ungarischen Bildungssystem“
Dr. Mária Dudás: „Die Situation des bulgarischen Sprachunterrichts und der Hilfsmittel im Unterricht der bulgarischen Sprache und Kultur“
Dr. Anna Orsós: „Die aktuelle Lage der Erziehung und des Bildungssystems bei den Zigeunern/Romas“
Dr. Éva Márkus: „Die Rolle der Nationalitätensprache im Grundschulunterricht“
Dr. István Blazsetin: „Identität und Lehrbücher – im Spiegel der Kroaten in Ungarn“
Dr. Szilvia Lakatos: „Die Rolle der Romani-Sprache bei der Erhaltung der Identität“
Dr. Mónika Farkas Baráthi: „Die Möglichkeiten der Identitätsbewahrung im Kreis der Szegediner Nationalitäten“
Dr. János Gyurok: „Minderheiteneliten und Nationalitäten“
Péró Lásztity: „ Die Sprache und Identität im Falle der Serben in Ungarn“
Dr. Mária Erb: „Ungarisch kann ich besser, … inkább magyarok vagyunk, mint svábok (wir sind eher Ungarn als Schwaben)“ – Muttersprache und Identität in der deutschen Gemeinde Tarian“
Dr. Anna István: „Die Zusammenhänge zwischen der Lehrerausbildung bei den Slowaken in Ungarn und ihrer Nationalitätenidentität“
Dr. Krisztina Menyhárt: „Die Situation der Demografie und Sprache der bulgarischen Nationalität“
Dr. Mihaela Bucin: „Die Rolle der Kirchen bei der Erhaltung der Sprache der Rumänen in Ungarn im 21. Jh.“
Dr. Ernő Barics: „Die Vor- und Nachnamen als Mittel zur Erhaltung der Identität“

Sandra György

Magyarwechsle die Sprache

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