Maratzer Tanzgruppe: vierzigjährige Erfolgsgeschichte

Quelle: Neue Zeitung
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Reformierte Deutsche leben in der malerischen Gemeinde Maratz/Mórágy im Talboden, deren Ahnen bei der Ansiedlung eine entwickelte musikalische Kultur mitgebracht haben. 88 Prozent der deutschen Bevölkerung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben, damit geriet die Musik- und Tanzkultur fast in Vergessenheit.

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Ab 1972 besuchte der Leiter des Leipziger Tanzarchivs, Dr. Kurt Petermann, zahlreiche Siedlungen, um Volkstänze und Volkslieder zu dokumentieren. Er sammelte auch in Maratz. Die Lehrerin Elisabeth Glöckner (geb. Krémer) begann begeistert mit Hilfe von Keresztély Forster, Rosa Theisz und Lena Schäfer Lieder zusammenzutragen. Die Frauen, die bei Begräbnissen sangen, machten gern mit und gründeten einen Liederkranz, der beim „Reicht brüderlich die Hand“-Wettbewerb in Waroli das erste Mal vor die Öffentlichkeit trat mit dem Lied „Wenn man die Welt umgeht“.

Als dann 1976 die junge Tanzgruppe aus Pari in Maratz zu Gast war, meinten die Gastgeber, so was auch auf die Bühne stellen zu können. So gründete Elisabeth Glöckner mit dem Akkordeonspieler Imre Forster das Maratzer Ungarndeutsche Volkstanzensemble. Mitgetanzt haben damals SchülerInnen der 7.- 8. Klassen. Die Tanzgruppe veranstaltete im Jänner 1977 den ersten Schwabenball. Der Eröffnungstanz bestand aus originalen Tanzschritten. Mit dem Erlös wurden die Senioren der Gemeinde bewirtet, wobei der eine Gast Elisabeth Glöckner „Neubelebung des Volksbundes“ vorwarf. Frau Glöckner ließ sich nicht einschüchtern, machte sich kundig über die Rechte der Ungarndeutschen und wurde dabei aus Bonnhard, Fünfkirchen und Budapest gestärkt. Sie vertrat dann Maratz lange Jahre im Landesrat des Demokratischen Verband der Deutschen aus Ungarn, wirkte in den deutschen Leselagern des Komitates Tolnau in Sötétvölgy bzw. in Waroli mit. Mit der ersten Choreographie „Tänze aus Nadwar“ ernteten die Maratzer im Leselager von Sötétvölgy großen Erfolg. Johann Glöckner, Katalin Donovald, Ilona Köhler-Koch und Agnes Pintér führten die Tanzgruppe zu weiteren Erfolgen. Gegenwärtig ist László Nagy der künstlerische Leiter, der seit 36 Jahren mit dabei ist.

Hauptziel ist, die alten Bräuche auf die Bühne zu stellen: Die Spinnstube, die Kirchweih, die Hochzeit, den Fasching oder die Weinlese („Auf dem Kellerberg“ – diese Choreographie werden die Maratzer voraussichtlich bei der Gala der Ungarndeutschen im Jänner 2017 präsentieren). Goldene, silberne, bronzene Qualifizierungen, der Titel „Hervorragendes Ensemble“ und die Liszt-Gedenkplakette zeigen die fachliche Anerkennung der Tanzgruppe, die großen Wert auf die Nachwuchsarbeit legt. Kontakte ins Ausland (Deutschland, Österreich, die Schweiz, Rumänien, Slowenien und Serbien) bringen zusätzliche Motivation.

Es war ein angenehmes Gefühl, beim Konzert zum 40-jährigen Bestehen am 16. Juli dabei zu sein. Ein großes Fest mit Einblicken in die Geschichte der Tanzgruppe, einer Trachtenschau mit Erläuterungen, Auftritt der Kinder, erfolgreichen Choreographien der Erwachsenen und selbstverständlich der Würdigung der Tätigkeit der Gründungsmitglieder und derjenigen, die einen großen Anteil an der 40-jährigen Erfolgsgeschichte der Maratzer Tanzgruppe hatten und haben. Hoffentlich werden die Maratzer auch die Sprache genauso eifrig und erfolgreich pflegen und weitergeben wie ihre Tänze.

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