Altglashütten – die „ungarische Schweiz“

Quelle: Neue Zeitung
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Altglashütten/Óbánya liegt im Komitat Branau und zählt zu den kleinsten Dörfern Ungarns. Die deutschen Siedler kamen gegen 1720 aus dem Schwarzwald, dem Elsass und aus Mitteldeutschland nach Altglashütten, das damals zum Fünfkirchner Bistum gehörte.

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Die römisch-katholische Kirche Maria Namen wurde 1850 errichtet, Kirchweih ist am 12. September. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 120 Personen, von denen sich ungefähr 50 % zur deutschen Nationalität bekennen. Die Bevölkerung geht seit Jahren stark zurück, gegenwärtig gibt es nur ein Kleinkind, drei Schulkinder und zwei-drei Gymnasiasten im Dorf. Die Kinder besuchen den Kindergarten und die Grundschule in Nadasch. Der größte Teil der Bevölkerung lebt vom Tourismus.

Trotz der niedrigen Einwohnerzahl ist die Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung in Altglashütten sehr aktiv, dank ihr und vor allem der Vorsitzenden Maria Heim. Es gibt im ganzen Jahr Programme, die nicht nur die Einwohner zusammenbringen, sondern auch Touristen anlocken. Ein besonderes Highlight ist das „Hutzelrod“ bzw. sein Hinunterrollen an der Winterseite, das am ersten Fastensonntag jeden Jahres begangen wird. Diese alte Tradition der Winterverabschiedung wurde bis zu den 1970er Jahren ausgeübt und 2001 neu wiederbelebt, was dem Engagement der Deutschen Selbstverwaltung zu verdanken ist. Es gehört zu den meistbesuchten Attraktionen von Altglashütte, jährlich wird mit etwa 1000 Zuschauern gerechnet. Am Wendelinitag (20. Oktober) findet das „Hahnenschlagen“ statt, das die Deutschen nachweislich aus ihrer Urheimat mitgebracht haben. In Altglashütten gibt es einen Deutschen Leseverein, der ursprünglich 1923 gegründet und nach dem Weltkrieg 1997 neugegründet wurde. Er setzt sich für die Pflege und Bewahrung der ungarndeutschen Traditionen in Altglashütten ein und organisiert von handwerklichen Beschäftigungen bis hin zu Sportveranstaltungen viele Programme. Gute Kontakte pflegt die Deutsche Selbstverwaltung auch mit Pahl/Nagypall, mit der sie gegenseitig Beschäftigungen wie Maispuppenbasteln und Ferienlager für Kinder abhalten. Die Partnergemeinde von Altglashütten ist seit 21 Jahren St. Marein bei Graz in Österreich. Die Gemeinden besuchen sich jedes Jahr, 2016 war vom 15. bis 17. Juli eine Delegation aus St. Marein in Altglashütten.

Die wunderbare Umgebung, der Wald, reines Quellwasser und die malerische Natur locken im Sommer wie im Winter viele Touristen und Wanderer ins Dorf. Nicht umsonst wird Altglashütten auch als die „ungarische Schweiz“ bezeichnet. Das Einstraßendorf liegt im Naturschutzgebiet des östlichen Mecsek-Gebirges und ist mit seinen etwa 90 klassischen Langhäusern ein bewundernswertes Beispiel für die Bewahrung der traditionellen ungarndeutschen Baukunst. 1992 wurde das Dorf als Erstes in Ungarn mit dem Károly-Kós-Preis ausgezeichnet (der Preis wird an Gemeinden und Privatpersonen verliehen, die hervorragende Leistungen in der Verschönerung einer Ortschaft erzielen).

Den Namen hat das Dorf von seinen ehemaligen Glashütten bekommen, die heute nicht mehr aufzufinden sind. Bis heute gibt es jedoch einige aktive Mitglieder der einst berühmten Hafnerdynastien des Dorfes – die Keszlers oder Teimels, die außergewöhnlich schöne Waren herstellen und ihr Handwerk auch den Touristen gerne zeigen. Auch eine reiche ortsgeschichtliche Sammlung können die Besucher bewundern: Neben zahlreichen alten Alltagsgegenständen der bäuerlichen Kultur sind auch die ehemalige Volkstracht, Archivbilder, Maisblätterpuppen und eine reiche Sammlung an Hafner- und Glaswaren ausgestellt. Wer also Ausflüge in die Natur unternehmen möchte oder die Atmosphäre einer traditionellen ungarndeutschen Ortschaft hautnah erleben will, kommt in Altglashütten garantiert auf seine Kosten.

Gabriella Sós

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