Die Revolution ’56 im internationalen Kontext

Quelle: Zentrum

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Die Konferenz Die ungarische Revolution 1956 – 60 Jahre danach wurde vom 20. bis 22. September an der Andrássy Universität Budapest in Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Österreichischen Kulturforum Budapest veranstaltet. Nach der Eröffnung wurden die Geschehnisse der Revolution 1956 dargestellt und darauf bauten sich die folgenden Vorträge auf. Auch am zweiten Tag teilten renommierte Referenten aus ganz Europa ihre Kenntnisse mit dem Publikum mit.

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Dr. Thomas Reichl, Kurator der Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, stellte den ersten Einsatz des neuen österreichischen Bundesheeres an der ungarischen Grenze vor, wie trotz mangelnder Ausrüstung und sich widersprechender Befehlen die Bereitschaft zur Verteidigung der neu erworbenen Neutralität gezeigt wurde und über die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn, die ihren Tiefpunkt nach der Revolution 1956 erreicht haben, berichtete Dr. Maximilan Graf, Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien. Diese beiden Vorträge deuteten schon den sogenannten „österreichischen Weg” an, der dann von Dr. Peter Ruggenthaler, einem Mitarbeiter der Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung, ausführlich vorgestellt wurde und er erklärte auch, wieso diese Art der Neutralität für Ungarn nicht in Frage gekommen war, da dadurch der ganze Ostblock ins Wanken geraten wäre.

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Danach wurde der Horizont erweitert: Dr. Karlo Ruzicic-Kessler, Mitarbeiter am Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW, wagte einen Ausblick nach Italien, wo für den Zerfall der Kommunistischen Partei die ungarische Revolution ’56 verantwortlich war. Nach Rumänien und seinen Studentenprotesten, die gleichzeitig mit dem ungarischen Aufstand stattfanden und so viele Studenten bewegten, dass sie nicht mehr unter den Teppich gefegt werden konnten, führte das Publikum Andra Octavia Drăghiciu, ein Mitglied des Doktoratskollegs für Mitteleuropäische Geschichte an der Andrássy Universität. Danach sprach Professor Arnold Suppan, Vizepräsident der ÖAW, über das enge Verhältnis zwischen Tito und Chruschtschow, sowie über die jugoslawisch-sowjetischen Beziehungen während dieser Zeit und Radomir Sztwiertnia, Dozent der Palaczky Universität (Tschechien), beantwortete die interessante Frage, wieso es in der Tschechoslowakei 1956 nicht zu einer ähnlichen Bewegung gekommen war und wie dazu die Bemühungen des tschechoslowakischen Staates, das Vertrauen der Bevölkerung wieder zu gewinnen, beigetragen hat, sogar ohne relevante politische oder wirtschaftliche Ergebnissen.

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Die Mythologisierung der Stellung der UNO wurde von Dr. Georg Kastner, Leiter des Lehrstuhls für Mitteleuropäische Geschichte an der Andrássy Universität, aufgehoben, indem er die Rolle der UNO und der Suez-Krise bekräftigte. Neben den geschichtlichen und politischen Themen wurden auch andere Bereiche behandelt, Dr. Matthias Marschik, Mitarbeiter der Universität für Angewandte Kunst Wien, machte das Publikum mit der Geschichte der ungarischen Fußballern in Wien vertraut, ihrer Möglichkeit da zu trainieren, sowie wie ihre Akzeptanz in der österreichischen Bevölkerung mit der Zeit gesunken ist und Dr. Maria Bianca Fanta, ein Mitglied des Doktoratskollegs für Mitteleuropäische Geschichte an der Andrássy Universität, stellte uns die damalige Berichterstattung über die Geschehnisse in Ungarn in der KPÖ-Zeitung Österreichische Volksstimme vor und hob vor, dass sie nie an die anderen kommunistischen Zeitungen gelehnt hatten, sondern nur an die öffentlichen Pressemitteilungen der Regierungen.

Diese Einbettung der ungarischen Revolution und ihrer Auswirkungen in einem internationalen Kontext ließ die Geschehnisse in einem anderen Licht erscheinen und hob ihre Bedeutung hervor, die bisher Einem gar nicht bewusst war.

Aliz Horváth

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