„Für das Ungarndeutschtum in der Tolnau“

Quelle: Zentrum

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Der Verband der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltungen der Tolnau hat – geleitet von der Absicht, die Bürger, die sich für das Deutschtum im Komitat Tolnau herausragende Verdienste erworben haben, einer angemessenen Anerkennung teilhaben zu lassen, sowie ihre Person und Arbeit als beispielhaft für Gegenwart und Zukunft hinzustellen und damit zu würdigen – den Niveaupreis Für das Ungarndeutschtum in der Tolnau geschaffen. Jährlich werden zwei Auszeichnungen verliehen.

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Der Verband der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltungen der Tolnau verleiht den Niveaupreis des Jahres 2016 
an Susanne Lohn für ihre jahrzehntelange verantwortungsvolle und aufopfernde Arbeit, die sie im Dienste der in der Stadt Bonnhard und Umgebung, und im Komitat lebenden Ungarndeutschen, im Nationalitätenunterricht, in der Presse der Ungarndeutschen geleistet hat, und für die Pflege und Weitergabe der ungarndeutschen Kultur, Traditionen und Bräuche.

Der Verband der Deutschen Minderheitenselbstverwaltungen der Tolnau verleiht den Niveaupreis des Jahres 2016 
an Josef Wusching für seine jahrzehntelange aufopfernde Arbeit, die er bei der musikalischen Begleitungen der im Komitat wirkenden deutschen Nationalitätenchöre und Kulturgruppen geleistet hat, und für die Pflege und Weitergabe der – traditionell auf Akkordeon-Begleitung basierenden – ungarndeutschen Volksmusik.

Die Auszeichnungen wurden am 1. September 2016, am „Komitatstag“ im Festsaal des „Komitatshauses“ in Szekszárd im feierlichen Rahmen von Dr. Michael Józan-Jilling, dem Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen der Tolnau und von Georg Féhr, dem Vorsitzenden der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltung der Tolnau überreicht.

Über die ausgezeichneten Persönlichkeiten:

Susanna Eva Lohn wurde in Bonnhard in eine ungarndeutsche Familie hineingeboren. Sie besuchte zunächst die Mihály Vörösmarty Grundschule, bevor sie am Sándor Petőfi Gymnasium (zu jener Zeit staatlich, heute evangelisch) ihr Abitur absolvierte. Ihre Deutschlehrerinnen waren Katalin Wild, die später eine Professur an der Janus Pannonius Universität in Pécs antrat, und Mária Körper.

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Danach erwarb sie an der Philologischen Fakultät der Attila József Universität zu Szeged ihr Diplom als Lehrerin für Deutsch und Russisch. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über Die Nennwörter des deutschen Dialekts von Kleinmanok betreut von Prof. Dr. János Márvány (Marhauser).

Als junge Lehrerin unterrichtete sie Deutsch am Vak Bottyán Gymnasium in Paks. Dann stellte sie sich einer neuen Herausforderung und zog nach Budapest, um dort für den „Demokratischen Verband der Ungarndeutschen“ als Referentin für Kultur und Bildung zu arbeiten. Mehrfach begleitete sie ungarndeutsche Kulturvereine ins deutschsprachige Ausland, wo sie auch als Dolmetscherin und Moderatorin fungierte. Sie moderierte über Jahre hinweg Schwabenbälle und war bei jeder Veranstaltung des Verbandes Mitglied des Organisationsteams.

Nach ihrer Tätigkeit beim Verband arbeitete sie bei den Auslandssendungen des öffentlich-rechtlichen Ungarischen Rundfunks (Magyar Rádió Külföldi Adások Főszerkesztősége) bis zu deren Auflösung im Jahr 2007. Beim Sender erstellte sie öfters auch für die Sendung Gruß und Kuss – für die im Ausland lebenden Ungarndeutschen – Reportagen, vor allem natürlich über die Geschehnisse in Bonnhard und Umgebung, aber auch zusammenhängende Programmteile.

Seit 2007 unterrichtet sie an der Apor Vilmos Katholischen Hochschule in Waitzen/Vác die Studenten mit der Spezialisierung Deutsch als Nationalitätensprache – zukünftige Kindergartenpädagogen und Grundschullehrer – sowohl als Direkt-, als auch als Fern- und Abendstudenten.

Ihr Fachgebiet ist v. a. die Volkskunde der Ungarndeutschen (Geschichte und Traditionspflege) und deren Unterrichtsmethodik. Auf dem Themengebiet Traditionsbewahrung und -pflege betreut sie jährlich zahlreiche Diplomarbeiten und hält auch Fortbildungen zu diesem Themenkreis. Durch ihre Herkunft und ihre Bindung zur Nationalität ist sie authentisch, ihre freundliche Art macht sie zur beliebten Dozentin am Lehrstuhl. Durch ihre führende Hand erwacht in den Studenten das Bewusstsein für ihre eigene Zugehörigkeit zur Nationalität und sie erlernen, wie man schon im Kindesalter das Identitätsbewusstsein formen kann.

Sie hielt mit großem Erfolg mehrere Vorträge über die Kultur der deutschen Nationalität, sowohl in Ungarn als auch in Deutschland: vor Schülern, Studenten, Pädagogen, Tanzgruppen und Mitgliedern von deutschen Selbstverwaltungen. In Deutschland referierte sie v.a. in München vor Studenten der Katholischen Stiftungsfachhochschule. Bei ihren Vorträgen kommen aus „ihrem Koffer“ häufig Teile der Volkstracht zum Vorschein, aber auch einfache Gebrauchsgegenstände aus ihrer eigenen kleinen Sammlung, mit denen sie den Teilnehmern die Geschichte und Tradition näher bringt.

Wegen ihrer Arbeit ist sie in Budapest wohnhaft, aber ihre Heimatstadt nimmt einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein.

2007 bekam die Bonnharder Deutsche Selbstverwaltung die Möglichkeit, eine deutschsprachige Zeitung herauszugeben. Dies wurde durch die Leitung von Bonnhards erster deutschen Partnerstadt Wernau beachtlich unterstützt. Susanna Lohn stellte sich gleich nach der ersten Anfrage der Herausforderung. Wenngleich sie eine geraume Zeit bei elektronischen Medien verbrachte, so war für sie die Zeitung doch ein neues Aufgabengebiet. An den Fortbildungen der Fachabteilung für Lokalzeitungen des Ungarischen Journalistenverbandes (Magyar Újságírók Országos Szövetsége) nahm sie gerne teil, damit sie auch durch das Erlernte am Gesamtbild der Bonnharder Nachrichten feilen konnte. Diese Fortbildungen waren eine bedeutende Hilfe für ein immer besseres Niveau der Zeitung.

Die Bonnharder Nachrichten werden von der Deutschen Selbstverwaltung der Stadt dreimal jährlich verlegt. In Bonnhard werden in Zeitungsform tausend Exemplare an die Interessenten verteilt. Auch in elektronischer Form wird sie vertrieben. So gelangt sie sowohl innerhalb Ungarns in andere Gemeinden, als auch in zahlreiche europäische Orte, v.a. ins deutschsprachige Ausland, aber auch zu den deutschen Nationalitäten der benachbarten Länder. Selbst in Übersee, in Kanada und auch den USA finden sich viele Leser.

Dank der Zeitung nahmen bereits mehrere westeuropäische Studenten und Doktoranden, die sich mit der Geschichte der osteuropäischen Deutschen und ihrer heutigen Situation beschäftigen, Kontakt zu der deutschen Selbstverwaltung auf und baten um Hilfe für ihre wissenschaftlichen Forschungen. Aus der Schweiz meldete sich eine Frau, deren Eltern aus Bonnhard bzw. Hidasch stammen und die von hier vertrieben wurden.

Die Internationale Medienhilfe (IMH) sammelte kontinuierlich die weltweit erscheinenden deutschen Presseprodukte. Die wichtigsten Daten erschienen in einem Handbuch. Darin findet man auch die Bonnharder Nachrichten. Seit 2013 ist die Zeitung Mitglied dieser internationalen Organisation, was vor allem auch der Ausdauer von Susanna Lohn ist. Seit Beginn versieht sie die Aufgaben der Schriftleiterin (Chefredakteurin) mit ihren Helfern ehrenamtlich.

Überdies ist sie eine sichere Stütze der Bonnharder Deutschen Selbstverwaltung. Korrekte und präzise Übersetzungen von Preisausschreiben, amtlichen Briefen und Einladungen verlassen ihre Hände.

Außer für die Bonnharder Nachrichten verfasst sie Artikel über Veranstaltungen und Ereignisse der Bonnharder Deutschen für die Neue Zeitung, für Unsere Post und den Deutschen Kalender.

Auch Übersetzungen von Prospekten und Büchern zeugen von ihrer Vielfältigkeit. Die Übersetzung des Kokerscher (Kakasder) Heimatbuches ins Ungarische ist auch mit ihrem Namen verbunden (2015). Sie übersetzte aber auch einige Bücher ins Deutsche, u.a. auch das Werk von István Elmer Gyökeret vertek a svábok (Die Schwaben fassten Fuß; 1992).

2009 (anlässlich der 20-jährigen Städtepartnerschaft) unterstützte die Stadt Wernau die Herausgabe eines Kochbuches unter dem Titel Kommt essen!. Darin befinden sich Rezepte die in Bonnhard und Umgebung sowie in Wernau gesammelt wurden. Den Großteil der Arbeit (Sammeln, Redigieren, Fotografieren, Übersetzungen) erledigte sie. So ist ihr dieses Buch besonders ans Herz gewachsen.

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Josef Wusching erblickte das Licht der Welt in Großmanok als fünftes Kind einer siebenköpfigen ungarndeutschen Familie.

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In der örtlichen Grundschule hat er – durch den Klavierunterricht – von den dort unterrichtenden Nonnen, die musikalischen Grundlagen erlernt. Nach seiner Grundschulausbildung hat er am Bonnharder Gymnasium weitergelernt. Später begann er in der Kohlengrube in Großmanok/Nagymányok zu arbeiten, und durch Fernunterricht hat er die Ausbildung zum Elektrotechniker abgeschlossen.

Später arbeitete er bei der Firma „Mecseker Kohlengruben“, in der Abteilung der Großmanoker Brikettfabrik. Von dort ging er 1990 als Leiter der Elektroabteilung in Ruhestand.

Schon von Kindheit an begeisterte ihn das Fußballspielen. Er war ein wichtiger Spieler des Fußballklubs Nagymányoki Bányász und später von Brikett SE.

Die Begeisterung für die Musik hat ihn durch sein ganzes Leben begleitet. Bereits als Kleinkind erhielt er sein erstes Akkordeon. In seinen Jugendjahren hat er eine Kapelle gegründet und später, schon als verheirateter Mann, hat er mit dieser in Bällen und Hochzeiten musiziert.

Auch heute ist Musizieren sein „Lieblingshobby“. Er spielt öfters auf seinem Akkordeon oder Keyboard für sich selber, aber auch an Veranstaltungen. Auf sein Repertoire nimmt er ständig neue Lieder auf.

Dem Kulturleben der im Komitat lebenden Ungarndeutschen hat er sich schon vor über 20 Jahren verschrieben. Seitdem begleitet er mit seinem Akkordeonspiel den Bonnharder Deutschen Nationalitätenchor. Darüber hinaus sichert er auch heute noch die musikalische Begleitung der ungarndeutschen Chöre in Mesch, Kleindorog, Tewel und Ziko. Mit diesen Kulturgruppen nahm er mit seiner niveauvollen Musik an zahlreichen Auftritten, Qualifizierungen, Veranstaltungen, Gedenkfeiern teil. Sein wunderbares Akkordeonspiel durfte bei verschiedenen Veranstaltungen wie Freundschaftstreffen, Geburtstagsfeiern, Empfang von ausländischen Delegationen oder bei Schweineschlachtfesten und sonstigen Begegnungen auch nicht fehlen. Wenn zahlreichere Teilnehmer an diesen Veranstaltungen präsent waren, spielte er neben seinem Akkordeon, auch gerne auf dem Keyboard alte ungarndeutsche Volkslieder und auch andere Musikstücke – sogar aus mehreren musikalischen Gattungen.

Die Bonnharder Ungarndeutsche Tanzgruppe „Kränzlein“ begleitete er öfters, und auch an mehreren „Tanzhaus-Programmen“ sorgte er für die musikalische Begleitung.

Fotos: Komitatsselbstverwaltung von Tolnau (Tolna Megyei Önkormányzat)

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