Die Erinnerungen ehrlich aufarbeiten und weitergeben

Quelle: LdU

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PRESSEMITTEILUNG DER LANDESSELBSTVERWALTUNG DER UNGARNDEUTSCHEN
23. Januar 2017

In Ödenburg gedachte man der zur Zwangsarbeit verschleppten und der vertriebenen Ungarndeutschen

Eng verbunden mit der Geschichte der Ungarndeutschen und der vor fünfhundert Jahren begonnenen Neuorientierung des Christentums ist die Historie der „Stadt der Treue“ – ein guter Grund dafür, dass im Jahre der Reformation die zentrale Feier am Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen gerade in Ödenburg/Sopron stattfand. Das gemeinsame Symposium der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und der Konrad-Adenauer-Stiftung am Vormittag des 19. Januar gab einen Überblick über die Geschichte der Deutschen in Westungarn. Am Nachmittag kam es zu einer Gedenkveranstaltung und Kranzniederlegung, sowie zu einem evangelischen Gottesdienst zu Ehren der deportierten und vertriebenen Ungarndeutschen, organisiert von der Regierung Ungarns und der Landesselbstverwaltung.    

Die deutsche Nationalität in Ungarn musste nach dem Zweiten Weltkrieg tragische Schicksalsschläge erleiden: Deportation zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, Enteignung, Internierung und schließlich Vertreibung. Die Volksgruppe hat diese Ereignisse bis auf heute nicht gänzlich bewältigen können. Ein bedeutender Schritt der ungarischen Politik in der Schaffung einer ehrlichen Erinnerungskultur war, als das Parlament im Dezember 2012 den 19. Januar zum Gedenktag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen erklärt hat.

Szimpózium

Diese Geste schätze die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hoch – das betonte der Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung. Frank Spengler hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass auch diese Veranstaltung ein Ausdruck des Wunsches der Menschen nach Versöhnung und Verständigung sei, nämlich auf der Grundlage unserer gemeinsamen christlichen Werte in Europa.

Zu Beginn der Konferenz begrüßte auch der Parlamentssprecher der Ungarndeutschen die Anwesenden. Emmerich Ritter berichtete darüber, dass schon bald eine ständige Landesausstellung über Verschleppung und Vertreibung  der Ungarndeutschen in Wudersch  eingerichtet werde.

Die Ödenburger Deutschen hätten gearbeitet, ihren Glauben und ihre Sprache bewahrt, solange man es ihnen zuließ – daran erinnerte Magdolna Krisch, Vorsitzende der städtischen deutschen Selbstverwaltung: „Die Ungarndeutschen, die sich bei der Volksabstimmung im Jahre 1921 für  Ungarn entschieden, verstanden es nicht, wie ihr Heimatland auf sie verzichten konnte.“

Theologe und pensionierter Superintendent Prof. Dr. Gustav Reingrabner schilderte in seinem Vortrag  die geschichtlichen Ereignisse, die dazu verhalfen, dass die sich in konfessioneller Minderheit befindenden Deutschen evangelischen Glaubens im 17-18. Jahrhundert vor allem in Westungarn Zuflucht fanden und eine Gemeinschaft aufbauen konnten.

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Die „Belohnung“ für die Treue – mit diesem Titel hielt Dr. András Krisch einen Vortrag über die Geschichte und über die Vertreibung der Ödenburger Deutschen im Jahre 1946. Laut des Historikers habe die Aussiedlung der bereits in den 13-14. nach Ödenburg und Umgebung gesiedelten Deutschen mehrere besondere Eigenheiten: ihren Fall mache einerseits die im Jahre 1921 abgehaltene Volksabstimmung einzigartig, denn nur mithilfe der Stimmen der deutschen Bürger habe die Stadt Teil von Ungarn bleiben können. Aus Ödenburg seien mehr als 7000 Einwohner vertrieben worden, was auch die Verschiebung der Religionsproportion zu Schaden der evangelischen Konfession zufolge hatte.

Koszorúzás

Zur Gedenkveranstaltung und Kranzniederlegung kam es am Nachmittag am Denkmal der Vertreibung der Ödenburger Deutschen. Bürgermeister Tamás Fodor beschwor die gemeinsamen, jedoch vergeblichen Versuche von katholischen und evangelischen Ödenburgern herauf, die  Vertreibung der Deutschen zu verhindern. „Der Leidensweg der Ungarndeutschen, und somit auch der der Deutschen unserer Stadt möge uns daran erinnern, dass es unantastbares Recht eines jeden Menschen ist, dort zu leben, wo er geboren wurde: in seinem Heimatland, in der Stadt, die er als sein Zuhause betrachtet.“

Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten äußerte seine Hochachtung den vertriebenen und verbliebenen Ungarndeutschen gegenüber, weil sie sich – wie er formulierte – nicht von Hass und Rache hätten leiten lassen. Die zu Hause Gebliebenen hätten sich in den Aufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg eingefügt, während die Ausgesiedelten ihre Möglichkeiten zur unmittelbaren Verständigung und Versöhnung genutzt hätten: „Dadurch, dass sie selbst größtes Leid im eigenen Leben und auf eigenem Leibe erfahren haben, wurden sie zu einer besonderen Brücke an Glaubwürdigkeit, Stärke und Glaubenstiefe.“

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Eine Festrede hielt auch Miklós Soltész, Staatssekretär des Ministeriums für Humanressourcen. Er betonte, dass die ungarische Regierung sehr wohl wisse, was einem Volk Demütigung   bedeute. „Wir setzten uns dafür ein, dass die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts nie mehr wiederholt werden. Darum sind wir um die Verständigung der Völker im Karpatenbecken bestrebt, darum unterstützen wir in Mitteleuropa einzigartig unsere Nationalitäten, und darum halten wir es auch für enorm wichtig, dass wir unser Christentum erhalten, und dass wir in unsere friedensbewahrende Tätigkeit auch die Kirchen mit einbeziehen.“

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„Ich glaube, dass man sich an die Ereignisse vor mehr als 70 Jahren nicht ohne Emotionen erinnern kann und darf. Aber man darf sich auch nicht nur durch Emotionen leiten lassen!“ – mahnte in seiner Ansprache Otto Heinek, der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. „Für dieses himmelschreiende Unrecht hat sich die ungarische Politik bei den Ungarndeutschen bereits wiederholt entschuldigt. Es ist aber an der Zeit, einen weiteren Schritt zu unternehmen: es sollen mithilfe unseres Könnens Schulmaterialien angefertigt werden, die sich mit dem Leidensweg der ungarndeutschen Gemeinschaft korrekt befassen.“

Der Gedenktag endete mit einem evangelischen Gottesdienst.

Foto: Péter Németh

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