Gedenktag und Nationalitätentag in Hajosch

Quelle: Zentrum

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„Meine Oma hat erzählt über Verschleppung und
Vertreibung der Schwaben”


Auch in diesem Jahr hat die Deutsche Selbstverwaltung von Hajosch den Gedenktag der Vertreibung und den Nationalitätentag an einem Tag gehalten. Am Denkmal wurden Kerzen angezündet, und während der Schwäbische Traditionspflegende Chor deutsche Lieder sang, gedachte jeder der Vertriebenen, der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die die harten Schicksalsschläge in den 40er Jahren erleiden mussten. Die Mitglieder der Hajoscher Volkstanzgruppe kleideten sich aus diesem Anlass in ihre schwarze Festtagstracht. Auch die jüngeren Generationen des Vereins, sowie alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltung, bekundeten mit ihrer würdevollen Teilnahme, dass die Geschichte ihrer Vorfahren für sie von großer Bedeutung ist.

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Nach dem Blick in die Vergangenheit wurde der Nachmittag im Kulturhaus im Zeichen der Darstellung der Gegenwart der Hajoscher Schwaben fortgesetzt. Am Nationalitätentag traten die Volkstanzgruppen des Kindergartens, der Grundschule, der Jugendlichen und auch der Erwachsenen mit originellen Choreographien auf. Die Knopfharmonikaspieler – unter ihnen auch eine Frau – zeigten ihre Virtuosität nicht nur als Begleiter der Tänzer, sondern auch in eigenständigen Produktionen. Einige Grundschulkinder erfreuten das Publikum mit alten Sprüchen, vorgetragen im schwäbischen Dialekt.

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Ein Teil des Programms erinnerte noch einmal an das traurige Schicksal der Hajoscher nach dem zweiten Weltkrieg, und rundete damit die Hajoscher Veranstaltungen des landesweiten Gedenkjahres ab. Das war die Preisverleihung des Aufsatzwettbewerbs „Meine Oma hat erzählt…“. In der Ausschreibung der Deutschen Selbstverwaltung wurden die Schülerinnen und Schüler der Sankt Emmerich Grundschule dazu ermutigt, ihre Erlebnisse beim Empfang des Wanderbündels der LdU oder beim Besuch der Lagerwaggon-Ausstellung zu reflektieren, oder den Verschleppungs-, bzw. Vertreibungsgeschichten ihrer Familie nachzuforschen und diese abzuschreiben. Sieben Aufsätze sind eingereicht worden, und in allen wurden die eigenen Familiengeschichten bearbeitet, entweder auf Grund von alten Tagebucheintragungen oder als Niederschrift von Interviews der Schüler mit ihren Großeltern. Von der Nationalitätenselbstverwaltung sind alle Arbeiten prämiert worden, und die Schülerinnen, die die drei besten Aufsätze geschrieben haben, durften diese dem Publikum des Nationalitätentages vorlesen.

Der eine Bericht endete folgendermaßen: „Meine Urgroßmutter hatte ihre Aussiedlungsgeschichte jede Weihnacht ihren Enkelkindern erzählt. Nur zum letzten Mal hatte sie am Ende noch dazu gesagt: ‚Jetzt bin ich so alt geworden, und werde bald sterben, und ich muss so sterben, dass ich immer noch nicht weiß, warum.‘ Ich, als Urenkelin, habe ihre Geschichte darum abgeschrieben, dass die Tragödie meiner Ahnen bekannt werde.“ Das Gedenkjahr hatte in Hajosch somit sein Ziel erreicht: Die alten, traurigen Geschichten sind erzählt und weitergegeben worden, und man kann nur hoffen, dass dies zur Schaffung einer korrekten Erinnerungskultur und dadurch auch zur Stärkung der ungarndeutschen Gemeinschaft beitragen wird.

Theresia Szauter
Mitglied der Hajoscher Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung

Fotos: Robert Ginál

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