Das Wanderbündel in der Grundschule Nadwar

Quelle: LdU

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Man
vertreibt mich
aus dem Vaterland.
Es tut mir weh!
Tränen

Die LdU dankt der Schulleiterin Frau Maria Víg-Fogl und ihrem Team ganz herzlich für das Mitmachen und für diesen Bericht:

Das Bündel ist am 20. Februar aus Tschatali zu uns gekommen. In der Wanderbündel-Projektwoche haben wir unsere Deutschstunden und Volkskundestunden so organisiert, dass wir uns mit dem Wanderbündel beschäftigen können. Den Inhalt und die Tiefe des Themas haben wir den verschiedenen Altersstufen anpassend bearbeitet. Unsere Ausstellung zeigt die Arbeiten, die wir in den Stunden in der Projektwoche gemacht haben.

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Im Wanderbündel-Projekt haben die Schüler den geschichtlichen Hintergrund der Geschehnisse kennengelernt, aus dem Buch von dem Lehrer Peter Heckenberger haben sie Informationen darüber bekommen, wie und wann die Vertreibung in Nadwar geschehen ist, haben Dokumentarfilme mit Zeitzeugen gesehen, haben das in Nadwar bekannte Volkslied „Nach meiner Heimat” gelernt und dazu Illustrationen gemacht. Sie haben kurze Gedichte, Elfchen und Haikus, zum Thema geschrieben. Die Schüler der siebten und achten Klasse haben Gedichte gelesen, besprochen, mit ihnen Wortwolken, Bildgedichte zusammengestellt und Kunstübersetzungen gemacht. Die Kleinen haben den Inhalt des Bündels gezeichnet, sie haben Dominos, Puzzles und Memorys verfertigt. Die Schüler haben auch gezeichnet und abgeschrieben, was für Gegenstände sie heute in das Bündel packen würden, welche Gegenstände heute sie für wichtig halten. Sie haben auch ihre Eindrücke, ihre Gedanken zum Thema geäußert.

Am Freitag haben wir einen Flashmob organisiert, wobei wir mit der Hilfe eines Drons eine Aufnahme gemacht haben. Die Mitglieder des Chores haben mit Eltern und Großeltern „Patschkern” gestrickt und bestickt. Dabei haben sie gesungen und die Geschichte von Tante Mári angehört, die die Vertreibung mit 5 Jahren erlebt hatte.

Die Menschen, die damals die schrecklichen Geschehnisse erlebt haben, können sie heute, auch nach 70 Jahren nicht ohne Tränen erzählen. Und auch wir können nicht ohne Tränen zuhören.

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Ich erinnere mich noch klar daran, als meine Großmutter zum ersten Mal über die Vertreibung erzählte:
„Am 20. August 1947 waren wir in der Kirche, als jemand von hinten in mein Ohr flüsterte: Schau net hinri, ich weiss, tas tr mariga rauskschmissa wert. – Schau nicht nach Hinten, ich weiß, dass ihr morgen rausgeschmissen werdet.”
In der Nacht haben meine Großeltern Löcher gegraben, darin haben sie alles versteckt, was sie konnten und hatten, dann haben sie sich in der Nähe in Gehöften und auf die Felder versteckt. Sie standen ohne Nichts da. Als die Lage sich verbessert hatte, erst dann sind sie ins Dorf zurückgekehrt, aber binnen eines Jahres haben sie in 13 verschiedenen Häusern gewohnt.
„Die Gegenwart schuldet viel der Vergangenheit und wenn sie diese Schulden nicht gleichmacht, kann man auch von der Zukunft Nichts verlangen” – sprach Anna Jókai.
Ich hoffe, dass unsere Schüler und Lehrer in dieser Woche etwas aus diesen Schulden gleichmachen konnten.

Ich danke der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, dass sie das Wanderbündel auf den Weg geschickt haben, mit dessen Hilfe wir gedenken konnten.

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