Hartian, die Kleinstadt stellte sich in der Großstadt vor

Quelle: Zentrum

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Im Rahmen der erfolgreichen Zentrum-Programmreihe Zu Gast im HdU stellte sich  am 22. März Hartian, die einzige ungarndeutsche Siedlung im südlichen Teil vom Komitat Pesth, im Budapester Haus der Ungarndeutschen vor.

Als Einstieg spielte die örtliche Kapelle „Sváb Parti“ eine Schnellpolka, womit sie die gute Laune für die nächsten anderthalb Stunden garantierten.

IMGP1481

Martin Surman-Majeczki führte das Publikum in die Geschichte Hartians ein: Die Stadt ist einer der ältesten Siedlungen des Komitats, sie existierte schon im Mittelalter. Die Neuzeitliche Geschichte Hartians beginnt am Anfang des 18. Jahrhunderts, als Graf Anton Grassalkovich das Gebiet kaufte. Vor allem wurden Deutsche angesiedelt, die aber nicht direkt aus Deutschland, sondern aus den näheren ungarndeutschen Siedlungen zum Beispiel aus Harast, Taks oder Schorokschar kamen. Also in diesem Fall von Hartian sprechen wir über eine sekundäre Ansiedlung. Die Siedlung entwickelte sich dank dem Fleiß und dem eingebrachten Wissen der Ansiedler rasch: im Jahre 1776 wurde die Sankt Barbara Barockkirche eingeweicht, und im Jahre 1781 wurde die erste Schule gegründet. Die Entwicklung setzte sich bis zum 20. Jahrhundert fort, als die Ungarndeutschen viele Schicksalsschläge erlitten: Hartain konnte die Vertreibung vermeiden, aber 168 Menschen wurden zu „málenkij robot“ transportiert. Erst nach der Wende kam eine Erlösung: seitdem erlebt dort das Ungarndeutschtum seine Renaissance.

Nach einem schönen Walzer stellte Schuldirektorin Adrien Sós-Lauter, die Hartianer Grundschule vor. In der wurde 1998 der deutsche Nationalitätenunterricht eingeführt, und seit 2014 ist die örtliche Nationalitätenselbstverwaltung ihre Trägerin. Zurzeit besuchen die Grundschule 310 Schüler und Schülerinnen, sie werden von 30 Pädagogen unterrichtet. Ab der 1. Klasse haben die Kinder neben Deutsch- auch Volkskunde- und Tanzstunden, so erlernen sie die ungarndeutsche Geschichte, Tänze und Musik spielerischer Weise. Die Schüler nehmen an vielen traditionellen Programmen wie Schwabentag, Luzientag, Fasching, Erntedankfest teil, wodurch ihr Identität gestärkt wird.

IMGP1579

Der Veranstaltungsraum des Hauses der Ungarndeutschen ist derzeit mit Gemälden von Schülern geschmückt, die vom Kunstlehrer der Grundschule, Károly Radóczy für die Ausstellung ausgewählt wurden. Im Jahre 2015 fand ein Kunstcamp in Hartian statt, wofür alte Fotos ausgewählt wurden, und die Schüler hatten die Aufgabe, sie als farbige Bilder zu rekonstruieren. Die Identität der Schüler durch Malerei zu fördern erwies sich als eine erfolgreiche Idee, dies beweist auch die Ausstellung. Die Schule legt großen Wert darauf, dass ihre wahrscheinlich einzigartige Tätigkeit, die Art und Weise des Kunstunterrichts, die als „Ungarndeutsche Malerwerkstatt“ apostrophiert wird, auch in anderen Siedlungen und Schulen bekannt wird.

Als Nächstes sangen Barbara Nádas und Dóra Fail – musikalisch begleitet von Antal Lauter auf  Akkordeon – zwei wunderschöne Volkslieder.
Es wurde auch ein Film über die Siedlung gezeigt, die in vergangenen Jahren die Stadt mehrere bemerkenswerte Preise erhielt.

Im Jahre 1992 wurde die Hercel Tanzgruppe gegründet und die Mitglieder pflegen bis heute begeistert die Traditionen der Ungarndeutschen. Die Tanzgruppe erhielt im Jahre 2017 den Preis für die Nationalitäten in Komitat Pest. Die Hartianer sind besonders stolz auf ihre Musikanten, die neben dem Musizieren, auch Musik lehren und an vielen Veranstaltungen mitwirken.

IMGP1444

In der Ausstellung sind auch die Werke der Keramikerin Edit Surman zu sehen.  Ihre Werke sind zwar alltägliche Gebrauchsgegenstände, aber in ihrer Art etwas Besonderes. Die weiche, milde Natur, der Lavendel und das harmonische Farbenspiel sind ihre Schutzmarke.

Auch die Beziehung zwischen Hartian und dem Zentrum wurde beleuchtet. Beim  vom Zentrum organisierten Filmfest Abgedreht! und beim Blickpunkt Fotowettbewerb nahmen Hartianer mehrmals mit Erfolg teil.

Ferner fiel das Wort über den Freundeskreis Schwäbischer Jugendlicher Hartian. Im Jahre 2013 haben sie das Motto „Tradition und Innovation“ gewählt, und seitdem arbeiten sie auf ihrem Ziel zu: Stärkung des Identitätsbewusstseins und Zusammengehörigkeitsgefühl der Jugendlichen. Sie sind auf allen Ebenen der Traditionspflege beteiligt: Spracherhalt, Gastronomie, Musik- und Tanzkultur. Im Jahre 2014 schließ sich der Freundeskreis an Gemeinschaft Junger Ungarndeutschen an.

Zum Schluss kosteten die Gäste die sog. Fisolennudel (Bohnennudel), das Herzel und das Butterkipfel. Sie waren sooo lecker!

Dorottya Bach


Die Hartianer Ausstellung ist bis zum 19. April 2017 im Veranstaltungsraum des Hauses der Ungarndeutschen zu besichtigen.

 

 

Weitere Bilder von der Veranstaltung >>>

〰〰〰〰〰

Organisiert vom:
Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek

Partner:
Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung Hartian

Förderer der Veranstaltung:
Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Förderungsfond des Ministeriums für Humanressourcen (NEMZ-KUL-EPER-17-0421)

Screen Shot 2017-08-30 at 18.33.35

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2018 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo