Fortbildung für Traditionspfleger in Nadwar

Quelle: Zentrum

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Der Volkskunstverband Elemér Muharay zählt um die 2500 Mitglieder, unter ihnen sind traditionspflegende und Nationalitätenensembles, Volkskunde-, Volkstanz- und Volksmusikforscher, sich für die Volkskultur interessierende Privatpersonen. Als wichtigstes Ziel werden die Aufrechterhaltung sowie die Weitergabe jener Traditionen betrachtet, die die Gesellschaften erhalten.

17493179_806809392804146_4844625464237619871_o

Die diesjährige Fachtagung des Verbandes wurde vom 24. bis zum 26. März in Nadwar, auf die Einladung der zweimal mit der Qualifikation Ausgezeichnet prämierten, vor 65 Jahren gegründeten Ungarndeutschen Traditionspflegenden Volkstanzgruppe sowie der örtlichen Selbstverwaltung abgehalten. Zur Fortbildung kamen die Interessenten aus fast allen Gebieten Ungarns, nicht nur in der Vertretung von ungarndeutschen Kulturgruppen.

Am Freitagnachmittag begrüßte Eva Héra, die Vorsitzende des Verbandes die Teilnehmer. Sie wurde für die Anerkennung ihrer hervorragenden Volkskunsttätigkeit vor Kurzem mit dem Martin-György-Preis geehrt. Sie gab bekannt, dass sie zum ersten Mal eine Fortbildung mit Nationalitätencharakter veranstalten. Simon Kishegyi, Vorstandsmitglied des Verbandes sowie Hauptorganisator der Veranstaltung gab das dreitägige Programm bekannt und berichtete über die Geschichte der von seinem Vater, Simon Kishegyi sen., gegründeten Volkstanzgruppe und des von Richard Pollák ins Leben gerufenen Chores, sowie erinnerte an die Förderer und Mithelfer der Gründung und des Fortbestehens des Ensembles. Nach dem Abendessen gab die Traditionspflegende Volkstanzgruppe aus den örtlichen Gesang-, Musik- und Tanztraditionen eine Kostprobe. Der Abend klang mit einem Tanzhaus aus.

17546805_806809089470843_2477516433754668612_o

In den drei Tagen wurde den Teilnehmern unter der Leitung des Gruppenleiters und Choreographen Simon Kishegyi sowie unter der Mitwirkung von Ildikó Kishegyi-Baráth in Theorie und Praxis ein Tanzkurs erteilt. Sie erlernten ungarndeutsche Tänze wie Walzer, Polkas, Ländler und Spiele, nebenbei erfuhren sie auch die Herkunft dieser. Die musikalische Begleitung sicherte Josef Bachmann auf Akkordeon.

Am Samstagmorgen wurde der große Saal des Kulturhauses wieder mit Tanzlustigen gefüllt. Im Anschluss konnte das fast 150 Personen zählende Publikum als Erholung Vorträge anhören. Johann Schuth, Chefredakteur der Neuen Zeitung, zugleich auch Vorsitzender des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler, berichtete über die Geschichte der Ungarndeutschen. Viktoria Kishegyi, Kulturhistorikerin, Oberregierungsrätin des Ungarischen Parlaments i. R., erzählte über die Geschichte von Nadwar und seiner Umgebung. Andrea Knoll-Bakonyi, Regionalbüroleiterin der Geschäftsstelle der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Baja, Vorsitzende des Nadwarer Jugendtanzvereins, stellte die ungarndeutsche Volkstracht der Gemeinde vor. Die Mitwirkung der Referenten wurde von dem Gastgeberensemble mit örtlichen Weinen in von Thomas Fogl verfertigten und gesponserten Schachteln bedankt.

17758350_806809502804135_1260010028809854183_o

Im Vortrag des Kinderchores unter der Leitung von Susanne Nagy erschienen erneut die noch lebendigen Traditionen. Balázs Marusa und Erik Jámbor unterhielten die Zuschauer mit lustigen Mundartgeschichten, die den Teilnehmern ohne Dialektkenntnisse auch in ungarischer Übersetzung erzählt wurden. Im Laufe des Tages waren auch Handwerker tätig. Die Interessenten konnten mit Magdalena Sziegl Patschker stricken und mit Kaspar Frank Stuhl flechten. Direktorin Maria Víg-Fogl stellte die von der Deutschen Selbstverwaltung getragenen Grundschule bzw. die von den Schülern anlässlich der Vertreibung und Verschleppung der Ungarndeutschen gefertigte Ausstellung vor.

Die aus 22 Gemeinden angereisten Teilnehmer und die Vertreter der umliegenden deutschen Selbstverwaltungen lernten am Nachmittag die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde kennen, danach nahmen sie an einer Weinprobe teil, bei der sie in den Kellergewölben über die Qualität der örtlichen Weine sich vergewissern konnten. Pfarrer Robert Szauter begrüßte die Teilnehmer in der dieses Jahr ihr 210-jähriges Jubiläum feiernden Kirche zu Mariä Heimsuchung, der Chor Animato gab dazu ein kleines Konzert.

17761083_806809292804156_3372529490472739563_o

Nach dem Besteigen der fast 100, mit Ziegeln ausgelegten Treppen zeigte Viktoria Kishegyi den über das Dorf liegenden Friedhof mit seinen Denkmälern und dem Lapidarium. Bürgermeister Dr. István Kovács sprach im Rózsa-Sándor-Keller der Selbstverwaltung über das in die Wertsammlung des Komitats aufgenommene Kellerdorf. Elisabeth Heltai-Panyik, Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung, gab Einblick in ihre vielseitige Tätigkeit.

Die Teilnehmer machten sich im Laufe der Veranstaltung auch mit der örtlichen ungarndeutschen Küche bekannt. Die Lénárd-Küche servierte bei allen Mahlzeiten örtliche Spezialitäten, wie gefülltes Kraut, Kalbgulasch, Leberknödelsuppe, Kraut und große Knödel, Backkartoffeln, Grießknödelsuppe und Hahngulasch. Dazu konnten die gesponserten Weine der örtlichen Winzer Josef Etsberger, István Hollósy und Gábor Mezőfi, der Weinstube der Pension Knáb und die von András Schauer, dem Weinkellerleiter der Trautwein Hungaria GmbH getrunken werden.

17758599_806809029470849_8506506303588047092_o

Simon Kishegyi, Hauptorganisator der Veranstaltung freute sich, dass die Fortbildung in seiner Heimatgemeinde stattfand und die Traditionen des Dorfes in einem breiten Kreise bekannt gegeben wurden.

Nach dem Kennenlernen der Gemeinde verfassten mehrere Teilnehmer den Wunsch, gerne ein Tanzlager in Nadwar zu veranstalten sowie für die eigene Gruppe eine ungarndeutsche Choreographie einzustudieren.

Den Erfolg der Veranstaltung verdanken wir der gemeinsamen Zusammenarbeit folgender Organisationen und Helfern: Volkskunstverband Elemér Muharay, Selbstverwaltung der Gemeinde Nadwar, Kulturhaus der Gemeinde, Deutsche Selbstverwaltung Nadwar, Ungarndeutsche Grundschule Nadwar-Érsekhalma, Ungarndeutscher Traditionspflegender Kulturverein Nadwar, Nadwarer Jugendtanzverein, ungarndeutsche Pädagogen und die Mitglieder der Volkstanzgruppe.

Wir bedanken uns bei allen für die Mitwirkung und für die Förderung!

-kba-

Fotos: Teilnehmer

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2017 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo