Eine Reise in die Vergangenheit von Tolnau

Quelle: Zentrum

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Auch die zweite Veranstaltung der Programmreihe des Totiser Ungarndeutschen Landesmuseums „Zu Gast im Museum – Tolnau stellt sich vor“ war erfolgreich. Am 28. April wurde die Geschichte der Gemeinde erzählt, gespielt und gesungen.

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Mehr als 30 Mitwirkende beteiligten sich an der Produktion: während die Geschichte des Dorfes erzählt wurde, veranschaulichten Pantomimschauspieler die Geschehnisse und der Chor sang dazu passende Lieder. Die Dorfbewohner (unter der Leitung von Frau Elvira Fink) bemühten sich dem Publikum eine niveauvolle, originelle Vorstellung zu bieten, das sich dafür mit Riesenapplaus bedankte.

Die Geschichte von Tolnau/Vértestolna reicht bis zur Bronze- und Eisenzeit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahre 1247. Die Zerstörungen während der Türkenherrschaft führten zur Entvölkerung des mittelalterlichen Tolma – zu dieser Zeit und bis hin zu den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts wird es auch als „Puszta“ bezeichnet.

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Tolnapuszta gehörte zum Gut von Tata, welches im Jahre 1727 von der Familie Esterházy gekauft wurde. Graf József Esterházy hat zur Ansiedlung des Gebietes in Deutschland aufgerufen. Dank seinem Aufruf trafen die ersten Siedler aus Würzburg und dem Elsass ein: Zwischen 1733 und 1737 haben sich 42 Familien in Tolna niedergelassen, mit denen der Graf einen ewigen Vertrag geschlossen hatte. Laufend kamen weitere Siedler an und am Ende des 18. Jahrhunderts lebten, im damals schon Tolna genannten Dorf, bereits 95 Familien in 77 Häusern, mit insgesamt 524 Einwohnern.

Infolge eines Großbrandes im Jahre 1875 wurde das Dorf fast vollständig niedergebrannt. Mit viel Mühe und Zusammenarbeit erfolgte der Wiederaufbau.

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Ab 1909 wurde die Gemeinde Vértestolna genannt zur damaligen Zeit wurde nämlich der Öreg-Kovács-Berg noch offiziell zum Vértes-Gebirge gezählt. Zwischen den beiden Weltkriegen hatte das Dorf 586 Einwohner, überwiegend römisch-katholische Deutsche. Die Einwohner verrichteten damals hauptsächlich landwirtschaftliche Arbeiten auf ihrem umliegenden Ackerland, in den Weingärten und Weiden. Die Dorfbewohner wurden von Handwerkern bedient: es gab Maurer, Schuster, Schneider, Schmiede, Tischler und auch Bäcker im Dorf.

Von den Kämpfen des Zweiten Weltkrieges waren auch die Einwohner des Dorfes betroffen. Die darauffolgende Aussiedlung der Ungarndeutschen hatte die Gemeinde allerdings nicht mehr erreicht. Trotzdem war das Leben der Tolnauer Schwaben nach dem Krieg sehr schwer: ihr Vermögen und ihre Häuser wurden ihnen einfach weggenommen. 1948 wurden 15 Familien aus dem oberländischen Szőgyén ins Dorf angesiedelt, die aber später teilweise in die Umgebung von Tata weitergezogen sind.

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Bis 1977 war Vértestolna verwaltungsmäßig autonom, danach wurde mit dem Standort Tardosbánya ein gemeinsamer Rat gegründet. Nach der Systemwechsel ist Vértestolna erneut selbständig geworden.

1992 wurde ein Bauernhaus zum Kindergarten umgebaut, hier gibt es auch heute noch eine gemischte Gruppe. 20 kleine Kinder nehmen an den deutschen Kindergartenbeschäftigungen teil. Die Schule des Dorfes ist fast genauso alt wie die Ansiedlung. Heutzutage ist sie mit ihren 10 Kindern ein Standort der Tarianer Deutschen Nationalitätengrundschule.

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Im Jahre 2006 wurde ein unter Denkmalschutz stehendes Bauernhaus von der Selbstverwaltung restauriert, hier befindet sich heute das Tolnauer Dorfmuseum. 2015 wurde die Bibliothek erneuert, verschönert, und bekam einen würdigen Platz im Gebäude der Schule.

Neben der Nationalitätenselbstverwaltung bemühen sich auch mehrere Zivilvereine um die Pflege von Kultur und Tradition: der Verein der Tolnauer Ungarndeutschen für Traditionspflege, der Verein Grüner Wald, der Sportverein, die Freiwillige Feuerwehr, der Weinfreundenkreis, der Seniorenklub, der Chor und die Tanzgruppe. Ihnen ist es zu verdanken, dass die alten Bräuche und Sitten der Vorfahren nicht verloren gehen.

Vértestolna zeigt mit seinen kaum 500 Einwohnern ein beherzigenswertes Beispiel des Zusammenschlusses, was ein kleines Dorf dafür tun kann, um seine Werte zu bewahren.

Nach der Vorführung bot der Verein zur Traditionspflege den Gästen leckere schwäbische Kuchen an.

Die nächste Veranstaltung der Programmreihe findet am 26. Mai 2017 statt.

Dorottya Bach

Fotos: Adrienn Fink

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