Reformation, mehr als Luther

Quelle: Zentrum

Möchten Sie über ähnliche Themen erfahren?
Drücken auch Sie ein Like auf die –> Zentrum Facebook-Seite

Ablassbriefe, Martin Luther, 95 Thesen, Wittenberg, Wartburg, Bibelübersetzung, einheitliche Nationalsprache, Humanismus, Jean Calvin, calvinistische Rom, Jesuiten – diese Begriffe, Personen, Ortschaften würden bei einer Umfrage im Zusammenhang mit der Reformation bestimmt jedermann einfallen.

IMGP3978

Vor 500 Jahren hatte die Reformation in der Folge des Thesenanschlags Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche in Europa weitgehende Veränderung ausgelöst. Von diesen Veränderungen blieb natürlich auch unsere Region nicht unberührt.
Auf eine Initiative des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam wurde die Wanderausstellung Reformation im östlichen Europa mit der Unterstützung des Auswärtigen Amtes über das Wirken und Ausbreitung der Reformation im östlichen Europa erstellt.

Die erste Veranstaltung der fünften Saison der Veranstaltungsreihe Zentrum Programme im HdU wurde mit der Eröffnung dieser Ausstellung dem Thema Reformation gewidmet.

Maria Altmann, Leiterin des Kulturreferats der Deutschen Botschaft, erwähnte in ihrem Grußwort, dass das HdU nach Tata und dem Evangelischen Museum Budapest Ausstellung die dritte Station der Ausstellung sei und abschließend am 31. Oktober im „Kalvinistischen Rom” in Debrecen im Déri-Museum empfangen werde.

Das Ungarndeutsche Kultur-und Informationszentrum und Bibliothek (Zentrum) sei laut Frau Altmann ein angemessener Ausstellungsort, denn die Ungarndeutschen, beziehungsweise der Austausch zwischen ihnen und der ungarischen Bevölkerung den Verlauf der Reformation in Ungarn bestimmt habe. Sie hob auch hervor, was uns die Reformation und ihre Auswirkungen zeigen. Zum Beispiel wie unerlässlich es ist, Gegebenes nicht hinzunehmen, sondern kritisch zu hinterfragen, oder welche Kraft die Idee eines Einzelnen entfalten kann, wenn man bereit ist, für die eigene Überzeugung einzutreten und welchen Einfluss eine Minderheit bekommen kann, wenn sie die Chance wahrnimmt, etwas zu verändern.

Auch der musikhistorische Vortrag und das Klavierspiel von Dr. Salamon Kamp, Professor der Franz-Liszt Musikakademie, unter der musikalischen Mitwirkung von Enikő Krum (Gesang und Flöte) trugen sehr wirkungsvoll zur erhobenen Stimmung des Abends bei.

Der renommierte Professor ist Begründer und Vorsitzender der Ungarischen Bach Gesellschaft und wurde in diesem Jahr mit dem Kossuth-Preis ausgezeichnet. Er hat auch ungarndeutsche Wurzeln, er wurde in Dunapataj geboren, hält aber Hartau/Harta für seinen Heimatort.
In seinem Vortrag betonte er, warum und wieso Martin Luther die Musik für etwas besonders Wichtiges hielt. Luther äußerte sich mehrmals über Musik, so meinte er im Jahre 1530, dass er die Musik liebe, denn die Musik eine Gabe Gottes sei, sie vertreibe den Teufel, sie mache die Leute fröhlich. Da die Musik den Teufel verjage, habe sie einen Platz unmittelbar nach der Theologie.
Die Menschen können durch die Musik Gott den Schöpfer erkennen, Musik ist eine klingende Verwirklichung des unhörbaren Kosmischen. Die Weisheit Gottes offenbart sich in den Klängen. Enge Verbindung zwischen Musik und Verkündigung des Evangeliums nimmt im Luthers Denken einen sehr bedeutenden Platz ein, denn Musik ist eine klingende Verkündigung des Evangeliums.
Die Musikauffassung von Luther, dessen Wurzeln eigentlich von Augustinus aus dem vierten Jahrhundert stammen, hatte als wichtigste Zielsetzung Gott zu verehren. Bach übernahm auch diese Zielsetzung in seine Musiktheorie. Wie diese der Musik von Bach wirklich anzuhören ist, wurde dem Publikum durch ein Beispiel aus der Johannespassion gezeigt. Die Zusammenhänge von Luthers Musikauffassung und Bachs Musiktheorie wurden durch mehreren Einlagen von Gesang und Flötenspiel von Enikő Krum mit Klavierbegleitung des Professors dargestellt.

IMGP3983

Nach der berührenden Musik eröffnete Dr. Harald Roth, der Direktor vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, die Ausstellung. Er freute sich eine so große Zusammenschau des Projekts in Budapest eröffnen zu können. In der umfangreichen Ausstellung werden neben der Überblicksreihe – in der Geschehnisse auf den Ländergebieten östlich der heutigen Deutschlandgrenze behandelt werden -, Oberungarn/Slowakei, Siebenbürgen und die Vorgänge auf den von damals von den Osmanen besetzten Gebieten behandelt. Auf den von der Reformation und Gegenreformation beeinflussten Territorien, gibt es aber nicht nur eine Vielfalt von Kulturen, Sprachen und Völkern, sondern auch eine Vielfalt verschiedenster Konfessionen (die Glaubensgemeinschaften bestehen also nicht nur aus Katholiken, Lutheraner und Reformierten), die auch heutzutage existieren.

Die Ausstellung trägt wesentlich zur besseren Verständnis dieser Vielfalt bei und ist sehr sehenswert, was auch aus den Publikumsreaktionen beim Empfang zu entnehmen war.

Nándor Frei

 

Anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation wird die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa” zwischen dem 22. September und dem 5. Oktober 2017 im Haus der Ungarndeutschen (Lendvay u. 22., 1062 Budapest) zu sehen sein. Die Ausstellung ist kostenlos zu besuchen. Die Besucher werden gebeten sich im Zentrum-Büro anzumelden: 061-373-0933 oder info@zentrum.hu

 Bildergalerie von der Veranstaltung >>>

Magyarwechsle die Sprache

Schlagwörter:

Zum Thema:

© 2004 - 2018 • Ungarndeutsches Kultur- und Informationszentrum, alle Rechte vorbehalten!
logo