Die Traditionen der Vorfahren mit Sorgfalt pflegen

Quelle: Landesrat

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In Herend, in der weltbekannten Keramikstadt fand am 21. Oktober das IX. Treffen der ungarndeutschen Familienmusiker statt.

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Zuerst wurde, wie es beim Landesrat üblich ist, eine deutschsprachige Heilige Messe in der kleinen, aber sehr feinen St. Euszták-Kirche gefeiert. Herr Pfarrer Tornavölgyi zelebrierte die Messe. Vor der Verabschiedung der Gläubigen bedankte sich der Vorsitzende des Landesrates beim Hochw. Herrn mit einem kleinen Geschenk für seinen geistigen Zuspruch. Danach ging es ins Kulturhaus, um das Galaprogramm zu genießen.

Bei unseren Vorfahren gab es fast in jedem von Deutschen bewohnten Dorf, gar in jeder Gasse eine Kapelle oder mindestens ein Harmonika- oder einen Hackbrettspieler, der an verschiedenen Anlässen für Musik sorgte. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war solches typisch in von Deutschen bewohnten Gemeinden. Es gab sogar Musikerdynastien, in der die Musikalität vom Vater auf Kinde/Enkelkinde vererbt wurde, wie hier bei unseren Familien.

Sie haben sowohl die Musiktraditionen fortgeführt, als auch die Bewahrung und Weiterleben der Musikkultur der Deutschen in Ungarn bedeutend beeinflusst. Sogar eigene weltliche und kirchliche Kompositionen sind hinterlassen und damit unsere Musikkultur maßgeblich bereichert worden.

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Wie entstand das Treffen der Familienmusikanten?

Es war bei den deutschen Familien in Ungarn früher Brauch, gemeinsam zu musizieren, wo Generationen gemeinsam gespielt und gesungen haben. Der Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen veranstaltete 2009 das erste Treffen mit großem Erfolg.

Mit diesen Treffen können wir vielseitige Zielsetzungen verwirklichen: Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Familie verstärken, Musikerfamilien im Lande ausfindig zu machen, sie für solche Zwecke zu aktivieren und soweit es möglich ist, alte Melodien, Tänze und Takte zu erneuern und wieder bekannt zu machen, um so bei den jungen Musikern die Lust erwecken, die Identität, die Mundart, den Sprachgebrauch zu verstärken. Mit der deutschsprachigen Heiligen Messe wollen wir die deutschen Kirchengesänge verbreiten und den Glauben der Deutschen stärken.

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Auf Grund des Erfolges und des großen Anklanges der ersten Veranstaltungen beschloss der Landesrat dieses Treffen auch im Jahre 2017 wieder auf die Bühne zu stellen, wo musikbegeisterte Familien, die mit Großvätern, Vätern und Kindern, Müttern, Gattinnen und Enkelkindern auch zu Hause Musik machen und nun Ihr Können und Wissen auch der Öffentlichkeit vorstellen wollen.

Nach dem Erklingen der beiden Hymnen – gespielt von der Familienmusik Kapsosi – wurden die Ehrengäste begrüßt, darunter der Bürgermeister von Herend Herr Lajos László Jánszky, die Vorsitzende der DNSV Herend Anna Etlinger sowie der Vorsitzende des Landesrates Lázsló Kreisz. Frau Etlinger und Herr Kreisz sprachen auch die Eröffnungsworte.

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Dann wurde die erste Familie begrüßt – die Familie Kaposi aus Berzel. Sie spielt seit dem 02. Januar 2011 zusammen und wurde auch als „Freude Kapelle” bekannt. In der Besetzung von 2 Klarinetten, 5 Trompeten, 2 Bassflügelhörnern, einer Tuba und einem Schlagzeug treten Josef, Eszter und Edith Kaposi, Szabolcs und Patrik Hadas, Robert Turcsek, Zoltán Kogler, Tibor Friedrich, István Virág, Veronika Szeidl und Blanka Koncz-Szeidl auf. Dies ist bereits ihr 6. Auftritt im Rahmen dieser Programmreihe. Aus dem reichen musikalischen Kulturerbe aus Berzel hörten wir zuerst den „Bauernmarsch No.3”. Darauf folgte von Franz Uhrner jun. die Polka „Für Meinen Vater” und der Walzer „Winter Vöglein“, ein Stück aus dem Kulturerbe aus Berzel. Einer der bekanntesten ungarndeutschen Komponisten durfte natürlich aus dem Programm nicht fehlen – Antal Farkas mit der „Bassisten Polka”. Und zum Abschluss die Polka „Treibt Die Gänse Raus“.

Die Familie Katona aus Pußtawam, die nun die Bühne betrat, war das erste Mal dabei und spielte in der Besetzung mit dem Vater László auf Tuba, den Söhnen László jun. und Bence auf Trompete sowie Armin auf der Harmonika und dem Horn folgendes Programm: „Wir Grüßen Mit Musik“, „Apfelpolka“, „Brautwalzer” (Sie ist die schönste Braut), „In Der Gartenlaube“ und „Auf Der Vogelwiese“. Die Familie spielt seit Anfang des Jahres 2017 zusammen.

Als Nächstes betrat das Ehepaar Elisabeth und Wilhelm Steinmann (Taath/Uhn) die Bühne und brachte uns Stücke aus dem Heimatort zu Gehör. Von Elisabeth mit Gesang und in der Begleitung auf Knopfharmonika, Mandoline und Mundharmonika von Wilhelm Steinmann wurde uns folgendes Programm präsentiert: „Duart Drunt Bei Der Donau“, „Owa Schau Schau“, „Das Menschliche“ (alle Gesang und Knopfharmonika), „Wenn Die Schwalben“, „Wia Lustig Is Im Winta“ und „Wenn du willst mein…“ (alle mit Gesang und Mandolinenbegleitung), ein Mundharmonikasolo „Ich steh vor Deinem Fenster..“ und wieder mit Gesang und Knopfharmonika „Das Unser Bruada“. Verstärkt im Gesang und in der Präsentation wurden die beiden Elternteile von ihren reizenden sehr jungen Töchtern.

Wiederum eine Familie aus Pußtawam, die Familie Frey. Eine Pußtawamer Familie, die die Traditionen der Vorfahren mit Sorgfalt pflegen möchte. Die Mitglieder der Familie pflegen die deutsche Tanzkultur und die deutschen Volkslieder. Diesem Sommer wurde beschlossen, nachdem die Kinder Musikunterricht genossen hatten, gemeinsam beim Familienmusiktreffen des Landesrates mitzumachen. Szabolcs Frey, der Vater (41), nahm nach fast 20 Jahren wieder die Harmonika zur Hand, seine beiden Kinder, Peter (11) die Harmonika, Julianna (10) die Klarinette, ebenso wie die Geschwisterkinder Anna Leitner (9) auch die Klarinette, Balázs Leitner das Schlagzeug (11). Peter ist seit zwei Jahren Mitglied des Jugendharmonikaauswahlorchesters (JHAO) und hatte im Harmonikalager den „Kmohur“-Marsch, den Lagermarsch des JHAO, erlernt und diesen in der Familie weitergegeben. Den Beginn des Programms machte eben dieser Marsch, darauf „Mei Foda“ mit Anna Leitner (Gesang) und Péter Frey auf Harmonika. Abgeschlossen wurde das Programm mit dem „Rosawalzer“.

Ein Gründungsmitglied der „ungarndeutschen Familienmusiken” betrat nun die Bühne. Die Familienmusik Bauernhuber aus Herend. Der Vater Josef auf dem Akkordeon und die beiden Söhne Andor auf Klarinette und Ákos auf Tuba brachten uns nun folgende Stücke: Den „Brautwalzer aus Márkó“, „Hu-A-Hu Polka“, „Marichen saß weinend im Garten“ – einen Walzer, eine Volksliedbearbeitung, die „Herender Lieder“, „Ich geh so gern spazieren” – ein Volkslied (gesungen) und zum Abschluss die „Urlaubschein Polka“. Tosender Applaus war nicht nur ihnen sondern allen Familien als Dank gespendet.

Nun wurden alle Familien auf die Bühne gebeten, um gemeinsam drei Stücke zu spielen. Eine Besetzung, die man nicht immer antrifft und die nur beim Landesrat möglich ist. Nicht enden wollender Beifall war ihr gerechter Lohn.

Da der Chor Heimatklang aus Waschludt anwesend war, wurde die Gelegenheit genutzt, um mit dem Publikum einige traditionelle ungarndeutsche Volkslieder zu singen. Dafür wurde auch die musikalische Unterstützung der Bauernhubers gewonnen und so erklangen fröhliche Lieder, bevor der Protokollteil über die Bühne ging. Diesen nahm der Vorsitzende des Landesrates unterstützt von der Büroleiterin Zsuzsanna Ledenyi vor. In seiner Dankesrede, an die Familien und Alle, die hinter den Familien stehen, gerichtet, meinte er, dass die Jugend in den Familien der Garant für die Erhaltung unserer musikalischen Muttersprache sei. Jeder Familienvorstand bekam eine Erinnerungsurkunde und eine aus Ajkakristall gefertigte Kristallglocke, eingraviert mit dem Wappen des Landesrates und dem Name des Ereignisses.

Nach Beendigung des offiziellen Teils wurde ein leckeres Abendessen serviert und das Publikum wurde von der Familienmusik Kaposi/Freude Kapelle zum Tanz gebeten. Was natürlich sehr gerne angenommen wurde. Auch die Bauernhubers wurden noch einmal tätig – im Solo, aber auch innerhalb der Freude Kapelle. Und sogar ein im Publikum anwesender Kapellmeister aus Werischwar (Johann Feldhoffer) griff zur Trompete uns spielte fleißig mit.

Hier hat der Landesrat eine landesweit umfassende Bewegung geschaffen, die es auch wert wäre von den ungarndeutschen Medien mehr beachtet zu werden.

Der Landesrat bedankt sich bei seinen Sponsoren, dem Ministerium für Humanressourcen, dem BMI, der LdU sowie der Selbstverwaltung und der DNSV der Stadt Herend. Ein Dank gebührt auch den Mitarbeitern des Kulturhauses und allen Familien, die mit ihrem Einsatz erst das möglich gemacht hatten, was den Geist dieses Familientreffens ausmacht: Tradition, Freundschaft und Musik.

Text und Bilder: Landesrat

Weitere Videos auf dem YouTube-Kanal des Landesrates >>>

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