Lehrer ungarndeutscher Schulen auf Studienreise

Quelle: LdU

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Studienreise von Lehrern aus Ungarn
in Hermannstadt (Rumänien)

Ein Bericht von Erika Radnai

18 Lehrer aus ungarndeutschen Schulen nahmen zwischen dem 5. und 8. Oktober 2017 bereits zum zweiten Mal an einer Studienreise auf Einladung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien teil, um Erfahrungen bezüglich des deutschen Sprachunterrichts zu sammeln bzw. auszutauschen.

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Die Kollegen vertraten solche Schulen, wo der Träger entweder die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen oder die örtlichen deutschen Nationalitätenselbstverwaltungen sind (Bóly, Budapest, Csolnok, Nemesnádudvar, Pilisvörösvár, Sopron, Szombathely).

Unsere Gastgeber, die Mitarbeiter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien unter der Leitung des Geschäftsführers, Benjamin Józsa, haben ein sehr reichhaltiges Programm in Hermannstadt und Umgebung zusammengestellt.

Ziel der Studienreise war das bessere Kennenlernen des jeweiligen muttersprachlichen Schulsystems, die Netzwerkbildung im Bereich des Minderheitenschulwesens sowie die Entstehung von Schulpartnerschaften. Die Delegation und die LdU bedanken sich auf diesem Wege beim Bundesministerium des Innern der Bundesrepublik Deutschland für die finanzielle Unterstützung des Projekts.

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Deutschsprachiger Unterricht an deutschen Schulen in Siebenbürgen

Wir, Pädagogen nehmen gern an Weiterbildungen teil. Nicht nur, weil uns das Neue reizt, damit wir unsere alltägliche Arbeit im Unterricht immer besser verrichten können, wir hoffen auch auf lehrreiche Gespräche mit Kollegen aus allen Ecken des Landes in den Pausen. Bei ungarndeutschen Lehrerveranstaltungen kommt noch dazu, dass man alte Bekannte trifft, die man bei Wettbewerben, bei ungarndeutschen Schülerprogrammen kennengelernt hat. Da wir die gleichen Interessen, Aufgaben, Probleme haben, stellen wir einander meistens die Fragen, „Wie macht ihr…?“ „Wie löst ihr…?“. So formen sich durch Unterhaltungen und Diskussionen in den Pausen die wahrhaftigen Weiterbildungen, die weiterführenden Ratschläge, die Lösungen und ganz oft die Motivation sich zu erneuern.

Mit großer Wiedersehensfreude brachen am 5. Oktober achtzehn Pädagogen und Schulleiter ungarndeutscher Bildungseinrichtungen zu einer viertägigen Studienreise auf, um erfahren zu können, wie der deutschsprachige Unterricht der Siebenbürger Sachsen organisiert und aufgebaut ist, welche Erfolge und Aufgaben sie jeden Tag erleben.

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Gleich nach der Ankunft in Hermannstadt führte uns Frau Monika Hay, Leiterin des Hermannstädter Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums, in den deutschsprachigen Unterricht von Rumänien ein. In den darauffolgenden drei Tagen konnten wir dann diese Informationen in der Praxis erfahren. Der Besuch im Kindergarten und in der Vorschulklasse des Kindergartens und Allgemeinschule „Onisifor Ghibu“ beeindruckte uns mit dem konsequenten Gebrauch der deutschen Sprache sowohl von Seiten der Pädagogen, als auch von den der Kinder. In den deutschen Schulen oder in den deutschen Abteilungen gemischter Schulen ist die Unterrichtssprache Deutsch: alle Fächer lernen die Schüler in deutscher Sprache. Probleme bereiten aber der Lehrermangel vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, und das Fehlen von für diesen Schultyp zugelassenen aktuellen Lehrbüchern.

In den höheren Klassenstufen bis zur 12. Klasse durften wir viele Unterrichtsstunden besuchen, und stellten immer wieder den starken Willen zur Nutzung und Vermittlung der deutschen Sprache fest. Die Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich an der fast 100-prozentigen Bestehensquote der DSD II Prüfungen auf Sprachniveau C1 oder am weiterführenden Studium zahlreicher Schüler der Bruckenthal-Schule an deutschsprachigen Fakultäten rumänischer Universitäten und Hochschulen festhalten. (Die Zahl der deutschsprachigen Studiengänge in Rumänien liegt bei über 60!)

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Wie gestalten die Siebenbürger Sachsen ihren deutschen Unterricht?

Mit eindeutiger Entschlossenheit und Konsequenz, denn sie behalten die deutsche Sprache im Umgang mit Kindern in der Schule auch außerhalb der Unterrichtsstunden; mit besonders viel Kraft, denn sie schrecken von den vielen Schwierigkeiten nicht zurück, und mit beneidenswertem Optimismus, denn auch heute noch gründet, baut, oder übernimmt die deutsche Minderheit Schulen.

Mit besonderem Interesse besuchten wir die siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und bewunderten die Hermann-Oberth-Schule in Mediasch, wo sich die Schule in der Burg selbst befindet. Die Buchhandlung in der Nähe der Schule bot uns köstliches Stöbern in deutscher und sächsischer Literatur und Volkskunde. In der nach baden-württembergischem Lehrplan unterrichtenden Charlotte-Dietrich-Schule in Hermannstadt bewunderten wir den Erfolg der Gründung einer neuen Bildungseinrichtung.

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Unser Heimweg führte uns noch in die Schulen von Großpold und von Mühlbach, wo uns Lehrerkolleginnen – trotz des Sonntags – ganz herzlich erwarteten.

Jede Erfahrung, jeder neue Eindruck wurde von den Teilnehmern während der Busfahrt, während den Spaziergängen und auch beim weißen Tisch gleich diskutiert. Diese Gespräche und Aussagen bilden eigentlich das Resultat unserer Studienreise, was wir mit nach Hause nehmen und auch in unsere eigene Arbeit einbauen wollen.

Wir danken Benjamin Józsa und seinem Team beim Deutschen Forum der Deutschen in Rumänien für die Betreuung, aber auch für all die Antworten, die wir auf unsere zahlreichen Fragen bekommen haben. Die gleiche Danksagung gebührt Ibolya Sax seitens der LdU für die Koordination unserer Studienreise.

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