Mitteilung der Ombudsfrau für Nationalitäten anlässlich des Tages der Deutschen Einheit

Quelle: ajbh.hu

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Anlässlich der Feierlichkeiten am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, gedenken wir nicht nur der Wiedervereinigung dieser europäischen Nation im Jahr 1990, die infolge des Kalten Krieges und der Machtpolitik entzweit und durch eine Mauer geteilt war. Wir rufen uns auch die positive Rolle in Erinnerung, mit der das deutsche Volk nach den Jahren des Zweiten Weltkrieges zur Neugeburt des europäischen Gedankens und zur Einheit, zum Erstarken des Kontinents beigetragen hat. Konrad Adenauer, Helmut Schmidt und Helmut Kohl verewigten sich als bestimmende Politiker des 20. Jahrhunderts nicht nur in der Geschichte Deutschlands, sondern auch in der Europas.

Die westliche Orientierung des Landes manifestierte sich in Ungarn seit der Landnahme konkret, im Alltag in erster Linie in unseren tausendfachen Beziehungen zu den deutschen Fürstentümern, später zum heutigen Deutschland und zum deutschen Volk. Dies ist auch heute noch der Fall. Nach der Ankunft Giselas von Bayern, Gemahlin von König Stephan I. und Königin von Ungarn, trugen die das Christentum verbreitenden deutschen Mönche und Ritter, anschließend die deutschen Handwerker und Händler, die die Entwicklung der mittelalterlichen Städte vorantrieben, und schließlich die fleißigen Siedler, die den zur Zeit der Türkenherrschaft entvölkerten Gebieten neues Leben einhauchten, über Jahrhunderte hindurch zur Entwicklung Ungarns bei. Das Bild der maßvollen und arbeitsfreudigen Deutschen war während unseres Zusammenlebens stets als Vorbild in der ungarischen Mehrheitsgesellschaft präsent.

Zwar erscheinen am Zeithorizont der tausendjährigen deutsch-ungarischen Beziehungen die Entrechtungen und Aussiedlungen nach dem Zweiten Weltkrieg als eine kurze Zeitspanne, jedoch hinterließen diese Ereignisse in den familiären Erinnerungen vieler Landsleute deutscher Nationalität Wunden, die nur schwer verheilen. Doch diesem Umstand zum Trotz ist es ein Zeichen des Zusammenhalts der Deutschen, ihrer starken Identität und zugleich ihrer Verbundenheit mit der ungarischen Wahlheimat, dass die deutsche Nationalität in Ungarn die tragische historische Vergangenheit – ohne diese zu vergessen – hinter sich gelassen hat und heute in breitem Kreis von dem in der Verfassung niedergelegten Recht auf Verwendung der Muttersprache und Nationalitätenunterricht Gebrauch macht, ein breites Nationalitäten-Selbstverwaltungs- und Institutionssystem aufrecht erhält und auch zu der Mutternation fruchtbringende Beziehungen unterhält.

Am Tag der Deutschen Einheit übermittle ich deshalb nicht nur den Bürgern Deutschlands meine besten Wünsche, sondern auch unseren in Ungarn lebenden Landsleuten, die ihre deutsche und ungarische Identität gleichermaßen wahren und pflegen.

Elisabeth Sándor-Szalay
Universitätsprofessorin

Magyarwechsle die Sprache

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