280 Jahre Ansiedlung in Tarian

Quelle: Zentrum

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Jubiläen spielen immer eine wichtige Rolle. Nicht nur im Leben einer Person, sondern auch in der Geschichte eines Instituts oder einer Gemeinde. Bei der Wiederkehr eines besonderen Datums halten wir oft an, erinnern wir, rufen die Vergangenheit wach, stellen wir sie der Gegenwart entgegen und blicken erwartungsvoll in die Zukunft. In Tarian ist dieses Jahr das 280. Jubiläum gekommen. Wovon? Vor so vielen Jahren siedelten unsere deutschen Ahnen im Dorf an.

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Aus diesem vorzüglicheren Anlass versammelte sich am Samstag, den 22. Oktober Groß und Klein im Kulturhaus. Ein Teil als Darsteller, um die Geschichte des Dorfes auf die Bühne zu stellen, der andere als Publikum, um mit weiteren Gästen die niveauvolle Aufführung anzuschauen. In dem auf Deutsch sowie auf Ungarisch laufenden, mit Bildern und Musik begleiteten Stück erschienen schicksalswendende Ereignisse und wichtige Persönlichkeiten der Ortschaft: Josef Mikonya und Anton Treszl, deren Bücher als Literarturquelle dienten, Anonym, der über das Dorf als Erster schriftlich berichtete, die aus der Türkenzeit stammende Pes-kő-Sage, oder der Akademiker Sándor Győry.

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1737 war das bedeutende Jahr, in dem die Familie Esterházy vierzig deutsche, katholische Familien nach Ungarn rief. Auch im Kulturhaus erschien ein Agent mit der Trommel und machte Werbung für die neue, vielversprechende Heimat. Zahlreiche Zuschauer, die in Tracht gekommen sind, standen von ihren Plätzen auf und machten sich symbolisch auf dem Weg. Erst nach den anfänglichen Jahren voller Schwierigkeiten begann im Leben des Dorfes ein Aufschwung: zwei Kirchen, neue Häuser wurden aufgebaut. Elektrizität, Kino, Ärztehaus und die neue Landstraße, die die Gemeinde mit der Stadt verband, wurden schon später, im 20. Jahrhundert hergestellt. So hatten zum Beispiel Bäuerinnen die Möglichkeit nicht nur durch den Wald auf den Markt zu fahren. Während dieser vergangenen Jahre hat sich auch die Tracht viel verändert, davon konnte sich das Publikum mit Hilfe einer Modeschau überzeugen.

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Leider gab es nicht nur glückliche Episoden: in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat eine Cholera-Epidemie auf, später folgten die zwei Weltkriege, die das Leben vieler Einwohner nahmen. Das Schicksal der Schwaben wurde auch danach nicht einfacher. 1946 erfolgte hier keine Vertreibung mehr, aber viele Ungarndeutsche mussten ihre Häuser und ihr Vermögen an die hier angesiedelten ungarischen Familien übergeben. Der Aufstand 1956, das blutige Gefecht hinter der Kirche und die bekannten Emigrationslieder leben bis heute noch in vielen. Ab dem Ende der 50er Jahre begann dann wieder eine Entwicklung: Es kam die Zeit für den Bau des Kindergartens, der Schule, des Kulturhauses, der Wasserleitung, der Brotfabrik. Über die seit der politischen Wende vergangenen Jahre erzählten schließlich projizierte Bilder. Die Tarianer Nationalitätenselbstverwaltung gedachte mit dieser würdigen Feier der angesiedelten deutschen Familien.

Katinka Árendás

Foto: Ádám Straubinger

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