Ein Hochfest der ungarndeutschen Kirchenmusik

Quelle: Landesrat

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„Wer singt, der betet doppelt“
XXI. Fest der Kirchenmusik

Der Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen sowie die Stadt und die DNSV Taks gaben sich die Ehre, alle Freunde der ungarndeutschen Kirchenmusik zum XXI. Festkonzert herzlichst einzuladen. Dieses feierliche Ereignis fand am 2. Dezember 2017 (Samstag) in der Kirche zu Taks statt. Bei dieser Festveranstaltung waren 15 Chöre, die zu den besten in Ungarn zählen, vertreten.

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Um das deutsche Kirchenlied zu pflegen und den Gläubigen Mut zu machen in ihrer eigenen Kirche ebenfalls diese Lieder anzustimmen, wurde dieses Treffen von 15 Kirchenchören veranstaltet, sagte László Szax, der Vorsitzende der Sektion Kirchenmusik im Landesrat. Das Treffen erfüllte diesen Vorsatz restlos.

Die Chöre gaben in der Kirche ihr Bestes. Man konnte mit Erstaunen feststellen, wie gut manche zwei- oder vierstimmig gesungenen Lieder in der Kirche mit herausragender Akustik klingen. Dass ein Treffen dieser Art auch dem kulturellen Leben der Ungarndeutschen neue Impulse geben könne, meinten auch die Leiter der örtlichen Institutionen. Die Chöre in den verschiedenen Komitaten würden ihr Interesse erst seit einigen Jahren auch dem Kirchenlied widmen und so sei jeder neue Impuls herzlich willkommen, auch wenn inzwischen sehr gute Fortschritte erzielt worden seien. Aus organisatorischen Gründen mussten die Chöre in drei Gruppen eingeteilt werden, die dann gemeinsam das Programm sangen.

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Das Fest der ungarndeutschen Kirchenmusik hat der verstobenen Ehrenvorsitzende des Landesrates, Josef Báling, angeregt. Gerade er war es auch, der vor 21 Jahren zum ersten Treffen der Kirchenchöre – noch als Vorsitzender des Landesrates – nach Fünfkirchen eingeladen hatte.

Zuerst traten die zweistimmigen Chöre auf.
Die „Wetschescher Nachtigallen“ (Leiterin: Monika Fazekas-Gombár), der Schwäbische Sängerkreis von Harast, die „Lustigen Schwaben“ aus Kalasch (Leiter: András Tóth), der Deutsche Nationalitätenchor „Rozmaring“ von Hanselbek (Leiterin: Anna Stiblo) und der Deutsche Nationalitätenchor von Mesch (Leiterin: Eva Koleszár) sangen die Lieder „Ave Maria klare“, „Herr, sende, den du senden willst“, dirigiert von András Tóth, „Tag, der uns den Heiland gebar“, „Gekommen ist die Segensnacht“ und „Schlaf mein Kindlein“. Die Melodie des bekannten und beliebten deutschen Wiegenliedes stammt von dem Komponisten Johann Friedrich Reichardt. Er komponierte die Melodie 1781. Die Ursprünge des Textes, zu mindestens der ersten Strophe, gehen bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Möglicherweise hat Joachim Heinrich Campe aufbauend auf ältere Vorlagen eine um Dichtung vorgenommen, die zum heutigen Text geführt hat. Dieses Lied wurde in verschiedene Liederbücher mit unterschiedlichsten Textvariationen aufgenommen. Dirigentin des Chores war Monika Gombár.

Darauf traten der Deutsche Nationalitätenkinderchor aus Daurog (Leiterin: Krisztina Kovács-Fódi), der Deutsche Nationalitätensingkreis von Herend (Leiterin: Hajnalka Takács-Pfeifer), der Deutsche Nationalitätenchor „Liederschatz” des XVIII. Bezirk von Budapest (Leiterin: Dr. Zsuzsanna Szabó-Nagy) sowie der Deutschen Nationalitätenchor von Tscholnok (Leiter: Johann Fódi) auf und sangen für uns „Des Engels Zunge sprach“, „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Der Text dieses in fast allen Kirchengesangs- und Weihnachtsliederbüchern abgedruckten Adventsliedes dichtete Georg Weiße. Es findet sich gedruckt seit 1642 in zahlreichen bekannten Liederbüchern. Der Komponist dieser schönen Melodie, die das Lied bis heute populär bleiben ließ, ist nicht bekannt. Dirigiert wurde der Chor von Hajnalka Takács-Pfeifer. Darauf „Ein’ grosse Freud’ verkünd’ ich euch“, „O, welch ein süsses Freudenwort“ und „Hört, es tönt“ dirigiert von Krisztina Fódi. Die Volkslieder stammen teilweise aus dem Gesangbuch „Alleluja” (zusammengestellt von Anton Bánáti-Buchner und Johann Babócsay), und aus dem Gesangbuch aus Sanktiwan (das hat Franz Neubrandt gesammelt).

Im dritten Teil des Konzertes traten die mehrstimmigen Chöre auf: der Deutsche Nationalitätengemischtchor von Sanktiwan (Leiter: Franz Neubrandt), der Deutsche Nationalitätengemischtchor von Werischwar, der „Királyi Kórus“ aus Sepetnek (Leiterin: Krisztina Kollonay), der Deutsche Gemischtgesangskreis aus Taks (Leitung: Maria und Michael Kéry), der „Sankt Michael”-Kirchenchor aus Waschludt (Leiterin: Hajnalka Pfeifer-Takács) sowie der Kirchenchor aus Taks. Sie brachten uns folgende Lieder: „Wir warten mit Freuden“ (Franz Koringer, 1958), dirigiert von Franz Neubrandt, „Wie schön leuchtet der Morgenstern“,(J. S. Bach) dirigiert von Krisztina Kollonay, „Gloria in excelsis Deo“ (Richard Mössliger, berb. Franz Koringer), dirigiert von Michael Kéry und „In dulci jubilo“ (Text aus dem 14. Jhdt., bearbeitet von Gregor Josheph Werner) dirigiert von Hajnalka Pfeifer-Takács.

Nach den Worten des Vorsitzenden des Landesrates László Kreisz ergriff der Leiter der Sektion Kirchenmusik und Verantwortliche dieses Festprogrammes László Szax das Wort. Er sprach davon, dass nicht die Idee vordergründig sei, sondern der Erfolg liege in dem Einsatz und in der selbstlosen Arbeit aller Chorleiter und Chormitglieder, die bereit gewesen seien, sich der Gedanken zu eigen zu machen.

Darauf erhielten alle auftretenden Chöre und Ensembles eine Urkunde, geschmückt mit einem Engel – in Handarbeit unserer Büroleiterin angefertigt – als Anerkennung für ihre Leistung, dazu noch ein Liederbuch, gestiftet von Franz Neubrandt. Damit bedankte sich der jetzige Vorsitzende László Szax den Mitwirkenden.

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Gemeinsam sangen alle Chöre zum Schluss die „Weihnachtshymne“. Dieses Lied, auch unter dem Titel „Gott sei dank durch alle Welt“ bekannt, wurde von Felix Mendelssohn-Bartholdy komponiert. Der Text beruht auf zwei Vorlagen, eine aus dem Jahre 1556 von Heinrich Held und eine andere aus dem Jahre 1739 von Charles Wesley. Sie wurde von Krisztina Kollonay und Hajnalka Pfeifer-Takács dirigiert und auf der Orgel von László Szax begleitet.

Anschließend an diese wunderbaren Darbietungen, die wieder einmal die hohe Qualität unserer Chöre widerspiegelte, wurde – wie es so unser Brauch ist – eine deutschsprachige Heilige Messe abgehalten, als Dank an den Herrn im Himmel dafür, dass dieses XXI. Fest der Kirchenmusik so gut gelungen ist.

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Zelebriert wurde sie von Béla Káposztási, dem Pfarrer der Gemeinde, unterstützt vom Domherrn András Lang. In seiner Predigt unterstrich er die Wichtigkeit der Pflege des deutschen Kirchengesangs im Sinne des Fortbestandes der Volksgruppe. Die Entwicklung der ungarndeutschen Chöre bezüglich fachliches Wissens und des Repertoires ist auf der Ebene des Kirchengesangs kontinuierlich. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch Franz Neubrandt aus Sanktiwan bei Ofen, der in seiner Gemeinde bereits seit 1956 als Kantor tätig ist, seitdem er auch ungarndeutsche Kirchenlieder sammelt, sie herausgibt und auch eigens welche komponiert. Franz Neubrandt ist Ehrenvorsitzender der Sektion Kirchenmusik.

Nach der Heiligen Messe trafen sich alle Teilnehmer und Organisatoren bei der Agape, um beim Glühwein, heißem Tee und Adventstollen die Ereignisse ausklingen zu lassen. Der Wettergott meinte es besonders gut mit uns – es war trocken aber auch kalt -, so war der guten Laune kein Abbruch getan.

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Alle Teilnehmer dieser wunderbaren Veranstaltung wurden innerlich ganz besonders bereichert. Der Stil, die Vortragsweise, die Lieder, die sich vom volkstümlichen Weihnachtsgesang bis hin zu Chorliedern namhafter Komponisten erstreckten, waren in den drei Blocks der auftretenden Gruppen aus den einzelnen Komitaten und Regionen unterschiedlich, aber auf hohem Niveau. Die vielen Proben, der selbstlose Einsatz aller haben sich gelohnt.

Das XXI.Fest der ungarndeutschen Kirchenmusik in der St. Anna Kirche zu Taks war ein außergewöhnlicher Genuss sowie ein geistiges Erlebnis von höchstem Niveau für sämtliche Teilnehmer und das Publikum. Diese edle Tradition verdient eine Fortsetzung, die in Zukunft gewiss noch zu zahlreichen neuen Höhepunkten in der Pflege des ungarndeutschen Kirchengesangs führen wird!

Unser großer Dank geht an die Sponsoren, das Ministerium für Humanressourcen (EMMI-EMET), das BMI, die Stadt Taks/Taksony, die Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung der Stadt Taks, die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sowie den Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen. Herzlichen Dank dafür.

Text und Bilder: Manfred Mayrhofer/LandesratForum

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