Nicht immer die Welt soll uns formen, sondern auch wir die Welt

Quelle: Zentrum

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Am Luziatag, zur letzten Veranstaltung des Jahres 2017 der Reihe Zentrum-Programme im HdU begrüßte Monika Ambach, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums und Bibliothek, die Gäste mit einer großen Freude, denn es war wieder volles Haus, und dazu noch ein buntes Programm aus Tarian zu erwarten.

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Judit Reiner, Vorsitzende des örtlichen Heimatpflegevereins Deutschklub in Tarian, hob in ihrem Grußwort hervor, dass es eine große Ehre und Freude sei, als Gast im Haus der Ungarndeutschen sein, und den auf Eigeninitiative herausgegebenen Bildband In Tarian dahaam, das erste Buch des Deutschklubs, in feierlichen Rahmen vorstellen zu können.

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Im Programm war auch die Erzählung des Tarianer ungarndeutschen Dichters Josef Mikonya Der alte Kirschbaum im Vortragt von Richard Schneider zu hören.

Katalin Bachmann, Mitglied des Deutschklubs, knüpfte an die Geschichte an und äußerte einige schöne Gedanken über Tarian. Genau vor 280 Jahren kamen die ersten Ansiedler ins Tal des Gerecse-Gebirges. Sie und ihre Nachkommen überlebten viele Schicksalsschläge, blieben aber immer der Heimat treu und fleißig. Doch nach fast 200 Jahren machte sie die Geschichte in der eigenen Heimat zu Heimatlosen. Aus geschätzten Mitbürgern wurden sie geduldete Fremde. Der Zweite Weltkrieg und die Aussiedlung waren ein großer Schlag für die ungarndeutsche Gemeinschaft und verursachten teils unheilbare Wunden, teils nicht gut zu machende Schäden. Obwohl der Baum auch verletzt ist, obwohl seine Äste auch fehlen, seine Wurzeln leben dennoch, so Katalin Bachmann. Es ist oft zu hören, auch von Leuten ungarndeutscher Herkunft, dass es jede Anstrengung überflüssig ist, dass es in einigen Jahren eh alles – die Mundart, die Volksmusik, der Volkstanz, die Bräuche und die Identität – verschwindet. Die Mitglieder des Deutschklubs sind aber der Meinung, dass nicht immer die Welt sie formen soll, sondern auch sie die Welt formen können. Man sollte der bewusst werden, welch ein Wert die eigene Abstammung ist. Die ältere Generation kann sich bestimmt aus den 60er Jahren daran erinnern, dass es damals (mit heutigen Augen gesehen) Schätze, wie Kleider, Möbel, Gebrauchsgegenstände an Ramschhändler gegeben worden sind. Diese Gegenstände haben heute ihr mehrfaches Wert. Man sollte dasselbe der Sprache und Kultur nicht antun, man darf der Kinder und Enkelkinder ihr Erbe nicht „rauben”.

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Es ist sehr schwer, ein gemeinnütziger Verein aufrechtzuerhalten, es würde viel leichter fallen, resigniert nichts zu tun. Die Mitglieder des Vereins haben jedoch den schweren, arbeitsreicheren, doch freudigeren Weg gewählt. Sie fühlen sich nicht zufällig noch da zu sein, und dass sie hier noch zu tun haben. Wie auch Tamás Árendás, einer der vier Fotografen, im Buch formuliert: „Wir haben einen Weg unter den Füßen, den wir weitergehen sollten!”.

Die Gründer des Vereins vor 16 Jahren, Theresia Klinger und Theresia Lunczer, zwei herausragende Pädagoginnen – die unermüdlich unterrichteten und den Jüngeren die Achtung der Bräuche beibrachten – dienen nun als Beispiel für die nachfolgenden Generationen. Ilona Uttó, Tamás Árendás, Pál Fulajtár und József Hosszú dokumentierten zahlreiche Veranstaltungen des Vereins. Die Idee, ein Album herauszugeben, reifte schon lange. Eine Inspiration und ein Ansporn dafür war und ist der vom Zentrum organisierte Blickpunkt-Wettbewerb, an dem die Fotografen schon mit mehreren Werken teilnahmen, und auch einige prämiert wurden.
Die teils lustigen, teils bewegenden, teils nachdenklichen Fotos dienen als eine Hommage an die vergangenen Generationen und wurden durch die Zeilen des Gedichts Zweüf Maonad is a Joahr von dem 2006 verstorbenen Tarianer Dichter, Josef Mikonya, in einen literarischen Rahmen gefasst.

Die Bilder des Bildbandes wurden mit einer bezaubernden musikalischen Untermalung der Schwarzstein-Kapelle projiziert. Dadurch wirkten sie hautnah und lebendig, man konnte sich durch die Walzermusik unmittelbar unter den Leuten in Tarian fühlen.

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Um die Stimmung weiter zu steigern, wurde das Gedicht von Josef Mikonya von Corinna Fülöp in solcher Weise vorgetragen, dass es zwischen bestimmten Teilen des Gedichts Musikstücke von der Kapelle gespielt, ein hinreißendes Lied über die Liebe zum Heimatort von dem Chor gesungen und das Theaterstück „Federschleissen” gespielt wurden. Das von den Schülern der Nationalitätengrundschule in Mundart vorgeführte Stück fand auch einen großen Beifall.

Die Adventsmusik der Kapelle und das Christkindlspiel der Tarianer Jugendlichen versetzten das Publikum zum Abschluss des bunten Programms in eine richtige Weihnachtslaune.

Nándor Frei

Die Ausstellung kann bis zum 16. Februar 2018 im Veranstaltungssaal des Hauses der Ungarndeutschen besichtigt werden.

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