Soll man es sagen?

Quelle: Zentrum

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Das Stück Der Vorname (Le prénom) ist das Theaterdebüt zweier Drehbuchprofis Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière. 2010 wurde es in Paris uraufgeführt, seitdem steht es auf dem Spielplan mehrerer Schauspielhäuser, und 2012 entstand auch eine Kinoadaption. Andeutungen also, dass es keineswegs ein Fehlgriff sein kann, das Stück auch ins Repertoire der Deutschen Bühne Ungarn aufzunehmen. Die Premiere fand am 8. Februar in Seksard statt.

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Die Handlung scheint simple zu sein: Geplant ist ein gemütlicher Abend in der Pariser Wohnung des Literaturprofessors Pierre und seiner Frau Elisabeth. Eingeladen sind ihr Bruder Vincent und dessen schwangere Lebensgefährtin Anna, wie auch der gute Freund Claude. Um für Stimmung zu sorgen, enthüllt der egoistische Vincent den Freunden den geplanten Vornamen seines noch ungeborenen Sohnes. Und da setzen sich alle samt Publikum in eine Achterbahn der Gefühle. Es werden Dinge gesagt, die man nicht hätte sagen sollen, man bekommt Sachen zu hören, die man nie hätte hören sollen, man benimmt sich, wie man sich eben nicht benehmen sollte. Aber soll man immer schweigen und einander lieb zulächeln? Soll man erfahren, was andere über ihn hinter seinem Rücken sagen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Aber eines ist sicher, das Stück geht unter die Haut. Gut geschriebene Dialoge, auf Takt erarbeitete Pointen bringen die Zuschauer dazu, die Luft anzuhalten oder in Lachen auszubrechen.

Regisseur Péter Tömöry hält sich in der Inszenierung strickt und durchdacht an die Vorlage, aber eben das ist hier nötig, nicht mehr. Die Spannung wird kontinuierlich gesteigert und das es ohne Pause gespielt wird, lässt den Bogen der Geschichte noch mehr zu spüren.

Die Schauspieler gehen in ihren Rollen wahrhaft auf. Beinah fragt man sich, ob sie sich selber spielen würden. Paula Donner in der Rolle der schwangeren Karrierefrau, Tamás Boglári als der exzentrische Künstlertyp rücken Satz für Satz in den Vordergrund. Auch Dezső Horgász lässt die unterschiedlichsten Seiten des auf den ersten Blick ausgeglichenen Professors beachtenswert zum Vorschein kommen. Andrzej Jaslikowski spielt die Rolle Vincents markant, seine Gegenwart auf der Bühne ist fast greifbar. Er bringt die Zuschauer dazu, ihn zu hassen und dann doch zu mögen, und dann eben beides. Er jongliert wahrhaft mit den Gefühlen. Und da ist noch Melissa Hermann! Ihre Charakterentfaltung in der Rolle der Elisabeth ist wunderbar. Wie sie von der lieben und servilen Frau zur Wortführerin wird ist so mitreisend, dass man nur fassungslos blickt.

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Es gibt keine Nebendarsteller hier, nur Protagonisten. Denn nur zusammen sind sie der Freundeskreis, dessen Mitglieder sich ziemlich viel zu sagen haben.

Die Wortgefechte, die die Handlung vorantreiben, werden vom Ensemble hervorragend ausgetragen. Das Stück ist gesellschaftskritisch und humorvoll, eben so, was man für einen amüsanten, aber doch tiefgründigen Theaterabend sich wünscht.

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